Politik

"Frauen geht es sehr gut" Donald Trump sorgt sich um junge Männer

1936fed953baa452967d8262dda42338.jpg

Die Zeiten für junge Männer in Amerika seien beängstigend, meint der US-Präsident. Man könne jederzeit von einer Frau beschuldigt werden.

(Foto: REUTERS)

Inmitten des erbitterten Parteienstreits um seinen Richterkandidaten Kavanaugh eröffnet US-Präsident Trump eine Geschlechterdebatte. Männer lebten aktuell in einer "beängstigenden Zeit", sagt er. Denn sie müssten jederzeit fürchten, von Frauen beschuldigt zu werden.

Angesichts der Debatte um Missbrauchsvorwürfe gegen den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh sieht US-Präsident Donald Trump junge Männer in den USA generell gefährdet. "Es ist eine beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika, wenn du an etwas schuld bist, was du vielleicht nicht getan hast", sagte Trump nach Medienberichten im Weißen Haus. "Man kann angeklagt werden, bevor man seine Unschuld bewiesen hat." Auf die Frage, ob er auch eine Botschaft an junge Frauen habe, sagte der Präsident: "Frauen geht es sehr gut."

Hintergrund der Äußerungen sind Vorwürfe von bislang drei Frauen gegen Kavanaugh wegen sexueller Übergriffe sowie versuchter Vergewaltigung während der High-School- und Studienzeit in den 1980er Jahren. Kavanaugh bestreitet die Anschuldigungen. Ermittler der US-Bundespolizei FBI untersuchen derzeit die Vorwürfe. Der Bericht soll nach dem Willen von Trump bis spätestens Freitag vorliegen. Trump hofft nach eigenen Worten, dass der Senat Kavanaugh noch in dieser Woche bestätigt. Die Entscheidung werde aber vom Ausgang der FBI-Ermittlungen abhängen.

In dem erbitterten Parteienstreit in der Causa Kavanaugh geht es im Kern darum, dass die Republikaner den Demokraten eine Verzögerungstaktik vorwerfen. Aus ihrer Sicht wollen die Demokraten das Votum bis zu den Zwischenwahlen am 6. November hinauszögern - in der Hoffnung, dann selbst eine Mehrheit im Senat zu haben und den erzkonservativen Kavanaugh endgültig zu Fall bringen zu können. Die Demokraten wiederum befürchten eine Scheinuntersuchung durch das FBI, um noch zögernden Republikanern eine Zustimmung zu erleichtern.

Zweifel an Glaubwürdigkeit Kavanaughs

Weil die Republikaner nur eine knappe Mehrheit im Senat haben, sind sie auf jede Stimme angewiesen. Insbesondere ein Senator und zwei Senatorinnen aus ihren Reihen gelten als Wackelkandidaten. Einer von ihnen, der Senator Jeff Flake aus Arizona, äußerte sich jetzt auch besorgt, wegen der scharfen und parteiischen Äußerungen von Kavanaugh während seiner Anhörung am vergangenen Freitag vor dem Justizausschuss des Senats. "So etwas können wir nicht im (Obersten) Gericht haben", sagte Flake.

Die "Washington Post" berichtete am Dienstag unter Berufung auf mehrere Quellen, dass es für die FBI-Untersuchung Schranken gebe. So werde nicht ermittelt, ob Angaben Kavanaughs zu seinem Alkoholkonsum stimmen oder nicht. In den vergangenen Tagen hatten mehrere Kommilitonen angegeben, er habe früher mehr getrunken als jetzt und sich auch auffällig verhalten. Das Trinkverhalten hat unmittelbar nichts mit den Tatvorwürfen zu tun, könnte aber die Glaubwürdigkeit Kavanaughs erschüttern. Wie das Blatt weiter berichtete, soll das FBI auch keinen neuen Vorwürfen nachgehen.

Richterkandidat gibt Lehrauftrag an Uni auf

Einem Polizeibericht zufolge soll Kavanaugh 1985 während seiner Studentenzeit an der Universität Yale in Handgreiflichkeiten in einer Bar verwickelt gewesen sein. Kavanaugh habe einen Gast mit Eis beworfen, einer seiner Studienfreunde habe ein Glas nach dem Mann geworfen und ihn am Ohr verletzt, berichtete die "New York Times" am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf den Bericht der Polizei in New Haven.
Kavanaugh wird im Januar 2019 seinen Lehrauftrag an der Elite-Universität Harvard aufgeben, wo er derzeit Jura unterrichtet. Das geht aus einer E-Mail an die Studierenden hervor. Darin habe die Universität mitgeteilt, Kavanaugh könne sich nicht für den Kurs im kommenden Wintersemester verpflichten.

Möglich wäre, dass der Rückzug mit seiner möglichen Tätigkeit am Supreme Court oder aber mit der jüngsten Kritik an seiner Person zusammenhängt. Laut CNN-Bericht haben mehr als 800 Absolventen der Harvard Law School (HLS) einen Brief unterzeichnet, in dem sie die Universität aufforderten, Kavanaugh seinen Lehrauftrag zu entziehen. Die Belästigungsvorwürfe gegen ihn seien "glaubwürdig" und müssten ernstgenommen werden, heißt es darin. "Sie stellen seinen Charakter und seine Moral ernsthaft infrage und sollten ihn von einer Position auf Lebenszeit als Richter am Supreme Court disqualifizieren." Als Lehrender an der Harvard Law School sei Kavanaugh nicht mehr tragbar.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

Mehr zum Thema