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USA fürchten sich vor der "Superbombe" Doppelagent verhinderte Anschlag

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Soldat vor dem Flughafen in Jemens Hauptstadt Sanaa. Hier begann die Reise des Doppelagenten.

(Foto: REUTERS)

Der gescheiterte Anschlag auf ein Passagierflugzeug mit Ziel in den USA ist in Wahrheit eine erfolgreiche Geheimdienstoperation: Der Terrorist, der das Flugzeug in die Luft jagen sollte, ist ein saudischer Spion. Ihm verdanken die USA Einblicke in die Kunst des Bombenbaus.

Der Fall des zweiten "Unterhosenbombers" wird zu einem Agententhriller: Der Mann, der im April ein Passagierflugzeug auf dem Weg in die USA in die Luft jagen sollte, war in Wirklichkeit ein saudi-arabischer Spion. Die Bombe, die er mit sich führte, ist eine "Teufels-Bombe", die fast nicht zu enttarnen ist.

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Bild der Unterhosenbombe von Umar Farouk Abdulmutallab.

(Foto: dpa)

Nach einem Bericht der "New York Times" unterwanderte der angebliche Terrorist den jemenitischen Al-Kaida-Ableger und meldete sich freiwillig für den Anschlag auf das Flugzeug. Er habe den Jemen wie geplant mit der Bombe in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate verlassen und den Sprengstoff schließlich der US-Bundespolizei FBI übergeben.

Das Besondere an der Bombe: Sie hatte keine Metallteile und wäre daher bei einer Kontrolle nur schwer zu finden gewesen. US-amerikanische Experten gehen davon aus, dass Ibrahim Hassan Tali al-Asiri sie baute. Er ist der Bombenbauer der im Jemen operierenden Gruppe "Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel", die als stärkster Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida gilt. Al-Asiri soll auch den Sprengsatz gebastelt haben, den der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab Weihnachten 2009 in einem Flugzeug über Detroit zünden wollte. Diese Bombe zündete wegen eines technischen Defekts nicht. Auch hinter den Bomben, die im Oktober 2010 in Druckerpatronen in Frachtflugzeugen gefunden wurden, soll Al-Asiri stecken.

In der Darstellung US-amerikanischer Medien war der Mann "Doppelagent". Allerdings arbeitet er offenbar ausschließlich für saudische Geheimdienste. Seine Operation im Jemen sei der CIA bekannt gewesen, zitiert die "New York Times" namentlich nicht genannte Informanten. Er habe jedoch nicht unter der unmittelbaren Aufsicht der CIA gestanden.

Drohnen-Angriff geht auf Hinweis des Agenten zurück

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Ibrahim Hassan Tali al-Asiri, der Bombenbauer.

(Foto: AP)

Die US-Geheimdienste verdanken dem Spion aus der Wüste nicht nur ein Muster der neuartigen Unterhosenbombe sowie die Vereitelung eines Anschlags, sondern auch Einblicke in den Aufbau des jemenitischen Al-Kaida-Ablegers. Auf seine Informationen geht ein Drohnenangriff zurück, bei dem am vergangenen Sonntag Fahd Mohammed Ahmed al-Kuso getötet wurde. Al-Kuso, der gerade aus seinem Auto stieg, als die Drohne ihn traf, war einer der meistgesuchten Terroristen im Jemen. Unter anderem soll er an dem Anschlag auf das Kriegsschiff USS-Cole im Jahr 2000 beteiligt gewesen sein. Das FBI hatte auf seine Ergreifung eine Prämie in Höhe von "bis zu fünf Millionen Dollar" ausgesetzt. Bei dem Anschlag vor der Küste des Jemen waren 17 US-Marinesoldaten ums Leben gekommen.

Mittlerweile soll der "Doppelagent" wieder zurück in Saudi-Arabien sein. Nach Darstellung US-amerikanischer Behördenvertreter wurde der Anschlagplan über Wochen geheim gehalten, da man Racheaktionen gegen die Familie des Agenten befürchtet hatte. Inzwischen seien der Agent und seine Familie in Sicherheit gebracht worden.

FBI untersucht Bombe

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Fahd Mohammed Ahmed al-Kuso wurde von einer Drohne getötet.

(Foto: dpa)

Derzeit wird die Bombe in Laboratorien des FBI untersucht. Ein US-Vertreter sagte, der Sprengsatz habe "zweifellos" das Potenzial gehabt, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen. Offen ist noch, ob die Bombe bei korrekt ausgeführten Sicherheitskontrollen aufgefallen wäre. Laut "Los Angeles Times" scheint bereits jetzt klar, dass die Bombe technisch ausgefeilter war als der Sprengsatz von 2009. Die "Washington Post" spricht sogar von einer "Superbombe, die Amerika in Angst und Schrecken" versetze und zitiert einen republikanischen Abgeordneten, der deren Konstrukteur als "Genie des Bösen" bezeichnet.

"Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wie viele weitere Bomben gibt es?", sagte der Kongressabgeordnete Michael McCaul, Mitglied im Ausschuss für Innere Sicherheit des Repräsentantenhauses. "Normalerweise bauen sie nicht nur eine, sie bauen mehrere."

Jemen droht mit Ende der Kooperation

Nicht beteiligt an der Operation waren offenbar die Behörden des Jemen. Die "Yemen Post" schreibt, Vertreter der Geheimdienste des Landes hätten sich "sehr verärgert" darüber gezeigt, von den USA keine Informationen bekommen zu haben.

"Zusammenarbeit bedeutet, dass beide Seiten ihre Informationen teilen, und das ist ein Muss, wenn die USA die vollständige Kooperation des Jemen im Krieg gegen den Terror will", zitiert das Blatt einen Geheimdienstler. Das jemenitische Innenministerium erklärte, man werde nicht zulassen, dass der Jemen das neue Waziristan werde. Waziristan in die Region in Pakistan, in der die USA regelmäßig Drohnenangriffe fliegen. Erst kürzlich war dort ein deutscher Islamist ums Leben gekommen.

USA weiten Drohnen-Angriffe aus

Allerdings scheint die US-Regierung den Protest der jemenitischen Regierung zu ignorieren. Erst kürzlich habe US-Präsident Barack Obama genehmigt, dass die unbemannten Flugzeuge ihre Raketen schon bei bloßem Verdacht auf terroristische Aktivitäten abfeuern könnten, hatte die "Washington Post" am 26. April gemeldet.

Bislang durften sich die Angriffe nur gegen Terroristen richten, die auf Geheimdienst- und Militärlisten geführt werden. Nun muss nicht mehr eindeutig feststehen, wer bei den Attacken getötet werden könnte.

Experten vor Ort sehen diese Strategie äußerst skeptisch: Diese Angriffe "verstärken die Sympathien der lokalen Bevölkerung für Al-Kaida", sagte der jemenitische Al-Kaida-Experte Nabil al-Bukairi der dpa. Dies führe letztlich zu einer Vergrößerung ihres Einflussgebietes. "Aus Sicht vieler Jemeniten", so Al-Bukairi, "sind diese Drohnenangriffe Teil eines Krieges des Westens gegen den Islam."

Quelle: n-tv.de

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