Politik

Machtprobe bei Berlin-Besuch Dündar kommt nicht zu Erdogan-Pressekonferenz

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Dündar ist einer der schärfsten Kritiker Erdogans.

(Foto: dpa)

Bleibt der Eklat also aus? Der türkische Journalist Dündar, der auf einer angeblichen Terrorliste Ankaras steht, kommt nun doch nicht zur geplanten Pressekonferenz von Erdogan und Merkel. Dündars Fragen muss sich Erdogan dennoch anhören.

Der in der Türkei wegen Spionage und Verrats gesuchte Journalist Can Dündar verzichtet auf eine Teilnahme an der Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Ich habe entschieden nicht daran teilzunehmen", sagte Dündar auf seinem eigenen Medienportal. Dündar erklärte, er wolle nicht zulassen, dass die Pressekonferenz wegen seiner Person abgesagt und kritische Fragen anderer Journalisten nicht möglich seien. Seine Fragen würden stattdessen von einem deutschen Journalisten gestellt werden.

Zuvor hatte die Türkei damit gedroht, die Pressekonferenz abzusagen, falls Dündar teilnehme. Dündar gilt in der Türkei als Staatsfeind, der auch auf einer "Terrorliste" steht. Diese wurde diese Woche Medienberichten zufolge Kanzlerin Angela Merkel überreicht. Darin wird gefordert, Dündar und 68 andere Personen an die Türkei auszuliefern.

Dündar wurde im April 2016 wegen "Beleidigung des Staatspräsidenten" zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Dündar Erdogan, dessen Sohn Bilal und mehrere Minister in seinen Kolumnen beleidigt habe. Zuvor befand sich der ehemalige Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" auch im Gefängnis. Er war wegen eines Artikels zu Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts nach Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Seit Anfang August 2016 schreibt Dündar eine regelmäßige politische Kolumne in der "Zeit" in deutscher und türkischer Sprache. Er kritisiert, dass in der Türkei inzwischen eine islamische Diktatur herrsche.

Die gemeinsame Pressekonferenz ist für den Mittag geplant.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP

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