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Hubschrauber fliegen "beispiellose" Angriffe Dutzende Menschen sterben in Aleppo

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In der in zwei Lager gespaltenen Stadt Aleppo bekriegen sich Rebellen und Armee seit rund anderthalb Jahren erbittert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erneut sterben in Syrien bei einem Armee-Angriff etliche Menschen. Laut Revolutionskomittee werden in Aleppo 83 Menschen Opfer von Luftangriffen, darunter viele Kinder. Nahe Damaskus töten aufständische Islamisten zudem zahlreiche Angehörige religiöser Minderheiten.

Die Zahl der bei Luftangriffen auf Wohngebiete in der nordsyrischen Stadt Aleppo getöteten Menschen hat sich auf mittlerweile 83 erhöht. Unter den Toten befänden sich 28 Kinder und vier Frauen. 50 Menschen seien zudem verletzt worden Dies berichteten die vom Regime unabhängigen Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London unter Berufung auf das Aleppo-Medienzentrum, ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Zahlreiche Bürgerkriegstote gab es in den vergangenen Tagen offenbar auch in Adra nahe der Hauptstadt Damaskus.

Bei dem als "beispiellos" bezeichneten Angriffen mit Flugzeugen und Helikoptern seien allein in dem Viertel Al-Haidarija 35 Menschen getötet worden. Mit Sprengstoff gefüllte Fässer seien von den Hubschraubern abgeworfen worden und hätten in dem von Rebellen gehaltenen Viertel große Zerstörungen verursacht.

Bombe trifft Schule

Ein Ziel war demnach eine belebte Kreuzung, an der Minibusse abfahren, die Aleppo mit Kleinstädten und Dörfern weiter im Norden verbinden. Aktivisten zeigten Bilder mit zerstörten Häuser und ausgebrannten Autos, die nach dem Angriff aufgenommen worden sein sollen.Ein weitere Fassbombe soll auf dem Gelände der Tajbe-Schule im Viertel Al-Endharat  eingeschlagen sein und dabei 13 Menschen getötet haben, darunter mehrere Schüler.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Regierungstruppen seien in dem einstigen Wirtschaftszentrum des Landes gegen "bewaffnete Terroristen" vorgegangen. So bezeichnet das Regime in Damaskus routinemäßig Kämpfer der Opposition. Die Kämpfer der Opposition kündigten unterdessen Vergeltungsangriffe an und forderten Zivilisten in von der Armee kontrollierten Vierteln auf, sich von Stützpunkten und öffentlich Gebäuden fernzuhalten.

Nachrichten aus Syrien können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden. Aleppo, die zweitgrößte Stadt des Landes, ist seit fast anderthalb Jahren zwischen den Truppen des Machthabers Baschar al-Assad und verschiedenen Rebellengruppen heftig umkämpft.

Bürgerkrieg fordert bereits 126.000 Opfer

In Adra, das rund 20 Kilometer entfernt von Damaskus liegt, seien bereits vergangene Woche mindestens zehn Angehörige religiöser Minderheiten - Alawiten, Schiiten und Drusen - getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Einheiten islamischer Fundamentalisten hätten eine große Offensive auf Adra eröffnet, um eine wichtige Verbindungsstraße zwischen Damaskus und Homs unter ihre Kontrolle zu bekommen. Die Kämpfe rund um die syrische Hauptstadt laufen seit mehreren Monaten besonders heftig. Dabei konnte die Armee mehrere bedeutende Gewinne verbuchen.

Im syrischen Bürgerkrieg wurden nach Schätzungen von Aktivisten bisher rund 126.000 Menschen getötet. Der Konflikt hatte im März 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen Staatschef Baschar al-Assad begonnen, entwickelte sich dann aber rasch zu einem bewaffneten Konflikt. Wie eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen in der vergangenen Woche in ihrem Abschlussbericht bekannt gab, sei es im Zuge der Kämpfe zudem mehrfach auch zum Einsatz von Giftgas gekommen.

Die Vereinten Nationen schätzen überdies, dass 2014 mehr als sieben Millionen syrische Vertriebene und Flüchtlinge von Nothilfe abhängig sein werden. Die UN-Hilfsorganisationen riefen die internationale Gemeinschaft deshalb auf, im kommenden Jahr rund 6,5 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) für die Versorgung hilfebedürftiger Syrer bereitzustellen. Das ist die größte Summe, um die UN-Organisationen jemals für ein einzelnes Land baten.

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP/dpa

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