Politik

Klimaschutzfahrplan beschlossen Dutzende Staaten verkünden Kohle-Abschied

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Der Vorsitzende der Konferenz, Salaheddine Mezouar, hatte sich an Donald Trump gewandt.

(Foto: REUTERS)

Das Klimaschutzabkommen von Paris ist in Kraft - und die Umsetzung nun auch in weiteren Details beschlossen. Dutzende ärmere Länder wollen sich ganz von fossilen Energieträgern verabschieden. Sorgen macht den Verhandelnden der künftige US-Präsident Trump.

Bei der Klimakonferenz in Marrakesch haben die Delegierten einen Fahrplan zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris beschlossen. In dem Papier verpflichten sich die Teilnehmerstaaten, im Jahr 2017 erneut zusammenzukommen, um ihre Fortschritte beim Klimaschutz zu "überprüfen. Im Mittelpunkt der knapp zweiwöchigen Gespräche in Marokko stand die Ausgestaltung des Pariser Klimaschutzabkommens, dazu zählten auch Finanzhilfen reicher Staaten für die Bewältigung des Klimawandels in armen Ländern.

Die Weltgemeinschaft hatte sich in der französischen Hauptstadt im Dezember 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Die bisher vorliegenden nationalen Zusagen zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes reichen dazu allerdings bei weitem nicht aus.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zeigte sich bereits am Nachmittag zufrieden. Das Gipfeltreffen habe "geliefert und unsere Erwartungen erfüllt", sagte die SPD-Politikerin. Es habe gezeigt, dass die Entwicklung zu einer klimafreundlichen Welt nicht mehr zu stoppen sei.

Greenpeace: Armutszeugnis für Deutschland

Dutzende arme Staaten kündigten zudem den Abschied von Kohle, Öl und Gas an. Insgesamt 48 Länder wollen so schnell wie möglich in der heimischen Energieerzeugung ganz auf erneuerbare Quellen wie Wind und Sonne umschwenken. Die Unterzeichner verpflichteten sich dazu mit einer gemeinsamen Erklärung, der "Marrakesch-Vision".

Die 48 Länder stoßen derzeit nach Angaben von Greenpeace gemeinsam so viel Treibhausgase aus wie Russland, der fünftgrößte CO2-Produzent der Welt. Sie wollen die heimische Energieerzeugung komplett auf erneuerbare Quellen umstellen. Kritik an Deutschland kam von Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland: "Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland beim Kohleausstieg inzwischen von immer mehr Ländern überholt wird. Die Bundesregierung darf diese wichtige Entscheidung nicht länger verschleppen, sie muss jetzt einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030 umsetzen."

Um den deutschen Plan war lange gerungen worden. Deutschland will demnach seinen Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren - ein verbindliches Klimaschutzgesetz ist der Plan aber nicht. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth von der deutschen Delegation in Marrakesch betonte hingegen, der Kohleausstieg komme auch in Deutschland: "Dass wir das am Ende machen, daran kann doch überhaupt kein Zweifel bestehen. Und vielleicht müssen wir das ein bisschen schneller machen, als der eine oder andere denkt."

Trump als Unsicherheitsfaktor

Überschattet wurden die Verhandlungen vom Wahlsieg des Republikaners Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl in der vergangenen Woche. Trump hatte im Wahlkampf gesagt, er werde als US-Präsident das Pariser Klimaschutzabkommen aufkündigen. Die Klimaerwärmung nannte er in einer Twitter-Mitteilung einen "Scherz", bei anderer Gelegenheit bezeichnete er sie als Erfindung der Chinesen.

Der Vorsitzende der Konferenz in Marrakesch, Salaheddine Mezouar, hatte Trump am letzten Verhandlungstag zu "Pragmatismus" in der Klimapolitik aufgefordert. Die internationale Gemeinschaft stehe in einem "großen Kampf für die Zukunft unseres Planeten", sagte der marokkanische Außenminister. Es gehe dabei um "die Würde von Abermillionen Menschen". Die Botschaft der Konferenz an Trump laute: "Wir zählen auf Ihren Pragmatismus und Ihren Geist der Verpflichtung."

Das UN-Klimaabkommen war am 4. November in Kraft getreten und wurde inzwischen von 110 Staaten ratifiziert, darunter die größten Treibhausgas-Verursacher USA und China. Da das Abkommen inzwischen in Kraft ist, wäre eine nachträgliche Annullierung des US-Beitritts ein kompliziertes und langwieriges Manöver.

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP/dpa

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