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Panne kurz vor Explosion in Brüssel E-Mail-Warnung ging an die falsche Adresse

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Beim zweiten Terroranschlag auf die Station Maelbeek kamen 20 Menschen ums Leben.

(Foto: AP)

Der Untersuchungsausschuss im Parlament enthüllt: Kurz vor dem zweiten Terroranschlag unterliefen in Brüssel etliche Pannen. Der Chef der U-Bahn-Polizei ringt um Worte, als er erklärt, dass eine Anweisung zur Evakuierung an die falsche Adresse ging.

Eine Anweisung, die Brüsseler Metro noch vor dem Anschlag auf die U-Bahn-Station Maelbeek zu evakuieren, ging offenbar an die falsche E-Mail-Adresse. So verstrich nach den Explosionen am Flughafen wertvolle Zeit, in der die Behörden hätten reagieren können.

Im Untersuchungsausschuss des belgischen Parlaments rang der Leiter der Brüsseler U-Bahn-Polizei, Jo Decuyer, um Worte. In dem Ausschuss werden Ermittlungspannen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen beleuchtet. Zum Beispiel, warum einer der vorbestraften Selbstmordattentäter frei herumlaufen konnte, obwohl er gegen Haftauflagen verstoßen hatte. In dieser Sitzung ging es allerdings um den Ablauf der Geschehnisse unmittelbar nach dem ersten Anschlag auf den Brüsseler Flughafen. Bis zum zweiten Attentat auf die Station Maelbeek verging fast eine Stunde – auch Decuyer musste sich der Frage stellen, ob diese Stunde besser hätte genutzt werden können.

Ob der Anschlag hätte verhindert werden können, ist für den Brüsseler Bahnpolizisten eine rein hypothetische Frage - fest steht aber, dass in der Kommunikation zwischen den Behörden einiges schief lief. "Um sieben Minuten nach neun öffnete ich meine private Mailbox. Eine Anweisung, das U-Bahnsystem bis zum Mittag stillzulegen", so Decuyer. Vier Minuten später, um neun Uhr elf, explodierte aber schon die Bombe im U-Bahnhof, riss 20 Menschen in den Tod und verletzte Dutzende Fahrgäste schwer.

"Wir hatten keine Chance"

Wäre die E-Mail mit der Warnung an sein Dienst-Postfach geschickt worden, hätte er sie wohl früher gesehen, erklärt Decuyer. Da sie aber an seine Privatadresse ging, verging wertvolle Zeit. Warum die Mail nicht direkt an die richtige Adresse ging, blieb unklar.

Decuyer glaubte allerdings nicht, dass die Menschen in Maelbeek so einfach hätten gerettet werden können. Selbst dann, wenn die Mail nicht unbeachtet geblieben wäre: "Wir hatten keine Chance, selbst bei einem sofortigen Abruf", erklärte er. "Die U-Bahn stillzulegen braucht mindestens 30 Minuten. Da kann man nicht einfach so einen Hebel umlegen."

Bleibt jedoch die Frage, warum es überhaupt so lange gedauert hat, bis die Brüsseler Behörden reagierten. "Wir dürfen nicht mehr den Mails vertrauen", erklärte ein ehemaliger Direktor der Brüsseler Verkehrsbetriebe laut tagesschau.de, "wir müssen auf kurzem Weg zum Telefonhörer greifen." Ob das allein ausreicht, wird sich zeigen. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zeigt jedenfalls die eklatanten Probleme des Kompetenzgerangels in den belgischen Behörden: Zwar wurde die nationale Sicherheit inzwischen auf einer nationalen Ebene gebündelt, mit schnelleren Kommunikationswegen allein dürfte es aber nicht getan sein.

Quelle: n-tv.de, jgu

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