Politik

Kritik wegen Jerusalem-Besuch EKD-Chef: Klare Kante gegen rechts

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Klare Kante gegen Rechts: Heinrich Bedford-Strohm.

(Foto: imago/epd)

Der Münchener Bischof und EKD-Chef Bedford-Strohm wettert gegen Rechtspopulismus. Gleichzeitig wehrt er sich wegen einer Episode auf dem Jerusalemer Tempelberg gegen Kritik von rechts.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Münchner Bischof Heinrich Bedford-Strohm warnt vor einem Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland. "Wir müssen klare Kante zeigen gegenüber allen Versuchen, 'völkisches' Gedankengut und rechtsextremistische Kampfrhetorik in unserem Land wieder salonfähig zu machen", sagte Bedford-Strohm zu Beginn der EKD-Jahrestagung in Magdeburg.

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Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff und Finanzminister Schäuble kamen zum Festgottesdienst im Magdeburger Dom.

(Foto: dpa)

"Es geht nicht um Diskussionsverbote. Um Hetzverbote geht es schon." Wer unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit gegen andere hetze, der müsse gestoppt werden. Denn wer Hass gegen Menschen schüre, setze sich in klaren Widerspruch zu den Grundorientierungen, für die Staat und Gesellschaft ständen.

Auch in Europa und darüber hinaus seien rechtspopulistische Bewegungen Anlass zur Sorge. "Auch der Wahlkampf in den USA war in seinen frauenfeindlichen und ganze Menschengruppen diskriminierenden Tiefpunkten ein Alptraum für die politische Kultur eines Landes, dessen demokratische Tradition ich eigentlich bewundere", sagte Bedford-Strohm.

"Wir finden uns nicht mit toten Flüchtlingen ab"

"Was mir unabhängig vom Wahlergebnis bereits heute Sorgen macht: Rechtspopulistische Bewegungen und ihre Führungsgestalten vergiften das politische Klima, indem sie Ängste schüren, statt sie zu überwinden." Damit gefährdeten sie die mühsam erarbeiteten Errungenschaften des Miteinanders in Europa und der Welt. Empört äußerte sich der EKD-Chef angesichts der anhaltenden humanitären Tragödie in Syrien.

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Der Magdeburger Dom.

(Foto: dpa)

"Die Ohnmacht, die wir empfinden, wenn wir die Bilder aus Aleppo sehen, ist nur schwer auszuhalten." Trauer gelte all den Menschen, die so sinnlos sterben, Wut den Machthabern, die ohne Skrupel Bomben abwerfen, um ihre strategischen Machtinteressen durchzusetzen und Zorn den Waffenhändlern und Bombenproduzenten, die mit all diesem Leid reich werden.

Von der Forderung nach einem humanitären Flüchtlingskurs werde die Kirche nicht abrücken, sagte Bedford-Strohm. "Wir werden deutlich machen, dass wir uns nie mit den toten Flüchtlingen im Mittelmeer abfinden werden." Seit Anfang des Jahres seien über 4200 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken - eine alarmierend hohe Zahl auch deswegen, weil sie im Gegensatz zum Rückgang der Flüchtlingszahlen stehe.

Ohne Kreuz auf dem Tempelberg

Bedford-Strohm verteidigte sich auch gegen Kritik an seinem Besuch am Jersualemer Tempelberg und an der Klagemauer ohne sein Amtskreuz. Er sei am 20. Oktober den Bitten der muslimischen und jüdischen Zuständigen für die heiligen Stätten der jeweiligen Religionen gefolgt, sagte Bedford-Strohm.

Das Amtskreuz habe an diesen Orten als Provokation empfunden werden können, sagte der bayerische Landesbischof: "Ich habe die Verantwortung als Vertreter einer christlichen Religion, friedensstiftend zu wirken." Auch der Bischofskonferenz-Vorsitzende Reinhard Marx hatte sein Kreuz abgelegt. Bedford-Strohm im Lutherrock und Marx im Kardinalsgewand waren aber klar als christliche Geistliche erkennbar.

Vor allem aus rechtsgerichteten Kreisen war Bedford-Strohm vorgeworfen worden, gegenüber den muslimischen Autoritäten seine christliche Identität zu verleugnen. Der Theologe erklärte am Rande der EKD-Synodentagung, es werde ein anti-islamischer Kulturkampf inszeniert. Die Kritiker würden die Tatsache verschweigen, dass auch an der Klagemauer dem Wunsch der jüdischen Verantwortlichen entsprochen worden sei.

Das EKD-Kirchenparlament berät bis Mittwoch unter anderem über die Reform der Kirche sowie die Zukunft Europas. Dem Parlament, der sogenannten Synode, gehören 120 Kirchenparlamentarier aus den 20 evangelischen Landeskirchen an. Als Dachorganisation vertritt die EKD die rund 22,3 Millionen evangelischen Christen in Deutschland.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/epd