Politik

Russische Behörden im VerdachtEhemaliger Vizechef des BND ist Opfer einer Cyberattacke

12.03.2026, 16:19 Uhr
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THE-CANADIAN-PRESS-2018-05-24-Arndt-Freytag-von-Loringhoven-NATO-Assistant-Secretary-General-for-Intelligence-joins-Rear-Admiral-Scott-Bishop-Commander-of-Canadian-Forces-Intelligence-Command-and-Chair-of-the-NATO-Military-Intelligence-Committee-and-speak-to-media-regarding-their-participation-in-the-NATO-Military-Intelligence-Committee-Conference-in-Ottawa-on-Thursday-May-24-2018
Arndt Freytag von Loringhoven war bis 2019 bei der Nato aktiv. (Foto: picture alliance / empics)

Unbekannte nehmen mit Phishing-Attacken Nutzer des Messengerdienstes Signal ins Visier. Besonders betroffen sind Regierungsvertreter und Journalisten. Unter den Opfern ist auch der frühere BND-Vize Loringhoven. Niederländische Geheimdienste vermuten russische Stellen hinter der Kampagne.

Der Ex-Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Arndt Freytag von Loringhoven, zählt laut einem Medienbericht zu den Opfern eines Cyberangriffs auf Nutzer der Messenger-App Signal. Der 69-Jährige sagte dem "Spiegel", bei ihm habe sich ein angeblicher Signal-"Support" gemeldet und die Eingabe der PIN gefordert. Der gelernte Diplomat, bis 2019 bei der Nato für nachrichtendienstliche Zusammenarbeit zuständig, gab die Daten demnach ein.

Im Februar stufte der Verfassungsschutz die globale Attacke als "sicherheitsrelevant" ein. Sie richtet sich vor allem gegen Amtsträger, Militärs und Journalisten. Nach "Spiegel"-Informationen meldeten sich auch hochrangige deutsche Politiker als Betroffene bei Behörden. Auch aktive Beamte in Sicherheitsbehörden sollen angegriffen worden sein.

Niederländische Geheimdienste sind überzeugt davon, dass "russische Staatsakteure" dahinterstecken. Sie hätten versucht, Konten von Opfern zu übernehmen, Zugriff auf deren Kontakte zu erhalten und Nachrichten zu verschicken. Offenbar lockten sie im Namen Loringhovens dessen Kontakte per Link auf eine Website. Der Ex-Geheimdienstler sagt, er habe alle Kontakte gewarnt und sein Konto gelöscht. Der Fall zeige, dass "russische Staatsakteure ihre offensiven hybriden Kampagnen unvermindert fortsetzen".

Der Messenger-Anbieter Signal betonte in einer Stellungnahme, es handle sich um "gezielte Phishingattacken", die zur feindlichen Übernahme von Nutzerkonten von Regierungsvertretern und Journalisten geführt haben. Man nehme die Vorfälle sehr ernst. "Um es klarzustellen: Die Verschlüsselung und Infrastruktur von Signal sind nicht betroffen und weiterhin stabil."

Aus Sicht der Angreifer dürfte es sich bei Loringhoven um ein Hochwertziel handeln. Von 2007 bis 2010 war er Vizepräsident des BND. Nach seinem letzten Botschafter-Posten in Warschau beschäftigte sich der Diplomat ab 2022 intensiv mit der hybriden Kriegsführung Russlands, über die er zwei Jahre später ein Buch veröffentlichte.

Quelle: ntv.de, jpe

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