Politik

SPD stürzt über FC-Bayern-AffäreEin Grüner regiert künftig die Hauptstadt des weiß-blauen Bayern

22.03.2026, 20:42 Uhr
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Dominik-Krause-r-Buendnis-90-Die-Gruenen-Zweiter-Buergermeister-von-Muenchen-und-sein-Freund-Sebastian-Mueller-stehen-bei-der-Wahlparty-der-Gruenen-nach-der-Stichwahl-um-das-Amt-des-Oberbuergermeister-in-der-bayerischen-Landeshauptstadt-auf-der-Buehne
Dominik Krause (r.) feiert den Wahlerfolg in München mit seinem Lebensgefährten. (Foto: picture alliance/dpa)

Seit den 1980er Jahren stehen Sozialdemokraten in München an der Spitze. Das ist vorbei: In der Stichwahl unterliegt Amtsinhaber Dieter Reiter dem grünen Herausforderer Dominik Krause. Der Physiker wird Münchens erster grüner OB.

Noch vor dem Ende der Auszählung aller Stimmen war klar: SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter ist abgewählt, sein Nachfolger wird der Grünen-Politiker Dominik Krause. Das Ergebnis der Stichwahl ist eine Sensation: Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat die SPD, von einer Unterbrechung Anfang der 80er abgesehen, in der bayerischen Landeshauptstadt den Oberbürgermeister gestellt. Reiter selbst war seit 2014 im Amt. Einen grünen OB gab es in München noch nie.

"Ich hab's verbockt, es war meine Schuld", sagte der 67-jährige Reiter am Wahlabend. Er hatte vor der Wahl einräumen müssen, einen nicht genehmigten, aber vergüteten Posten beim FC Bayern München ausgeübt zu haben. Aber der Wahlsieg ist auch ein Erfolg des Grünen, der es nach der ersten Runde vor zwei Wochen in die Stichwahl geschafft hatte. Der 35-jährige Dominik Krause, ein gebürtiger Münchner, war bereits seit 2023 Zweiter Bürgermeister der Stadt.

Krause ist mit einem Arzt verlobt und sitzt seit zwölf Jahren im Stadtrat. Dass er in der Lage ist, Schlagzeilen zu produzieren, zeigte er 2023. Damals bezeichnete Krause München als die "Stadt mit der weltweit größten offenen Drogenszene, nämlich dem Oktoberfest", und warb so für eine Legalisierung von Cannabis. Ansonsten hat sich der studierte Physiker allerdings keine Provokationen erlaubt.

Zu jung?

Bundesweit war Krause bis zum Wahlabend vor zwei Wochen weithin unbekannt. Kritikern, die meinen, er sei zu jung für das Amt des Oberbürgermeisters, trat er im Wahlkampf selbstbewusst entgegen und verwies auf Hans-Jochen Vogel: Der vor sechs Jahren verstorbene SPD-Politiker war 34, als er 1960 auf den Chefsessel im Münchner Rathaus gewählt wurde.

Als Reiter im vergangenen Jahr nach einer Operation für zwei Monate ausfiel, übernahm Krause dessen Amtsgeschäfte - geräuschlos und ohne Pannen. Konflikte scheut er jedoch nicht - auch nicht mit Parteifreunden: Im August 2024 sprach er sich öffentlich für eine Olympia-Bewerbung von München aus. Damit stieß er vielen Grünen vor den Kopf.

Im Wahlkampf setzte Krause auch auf Unterstützung durch den früheren Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Ohne Risiko war das nicht, da Krause der CSU damit einen Angriffspunkt bot: Die macht seit Jahren lautstark gegen Habeck mobil. In München hat ihr das nichts genutzt: Bei der ersten Wahlrunde am 8. März schaffte es die CSU mit gut 21 Prozent nur auf Platz drei.

Auf der Grünen-Wahlparty kündigte Krause am Abend der Stichwahl einen Aufbruch für München an: "Es war eine besondere Atmosphäre in der Stadt. Jetzt packen wir es, jetzt bewegen wir wieder was", sagte er. Das Wahlergebnis nannte er "Wahnsinn". Dem unterlegenen Reiter dankte Krause "für die letzten zwölf Jahre". Dann rief er seine Partei zum Feiern auf: "Und jetzt reißen wir die Halle ab!"

Quelle: ntv.de, hvo/dpa

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