Politik

Ist das die Wunderwaffe? Eine "Kamikaze"-Drohne für die Ukraine

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Ein modernes Waffensystem in Form der "Switchblade"-Drohnen soll die Ukraine gegen die russische Armee stärken.

(Foto: dpa)

Bisher wurden vorzugsweise ältere Waffensysteme an die Ukraine geliefert, um sich gegen die Angriffe der russischen Armee zu verteidigen. So richtige Vorteile zeichneten sich dadurch aber noch nicht ab. Jetzt kommen zwei moderne Drohnen aus den USA ins Spiel, die das Blatt wenden sollen.

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine stellt sich die Frage, welche Waffensysteme wohl in der Lage sind, Putins Armee zurückzuschlagen. Bis dato wurden vor allem alte Waffensysteme aus Beständen des ehemaligen Warschauer Vertrages in die Ukraine geliefert. Eben jene, mit denen auch die russische Armee zu großen Teilen noch ausgestattet ist. In Anbetracht dessen ist jedes neuzeitliche Waffensystem, das den Verteidigern zur Verfügung gestellt wird, mehr als ein Hoffnungsschimmer auf ein baldiges Ende der Kriegshandlungen.

Der letzte Name, der diesbezüglich ins Spiel gebracht wurde, ist "Switchblade 300 und 600". Hierbei handelt es sich um ein unbemanntes kampffähiges Luftfahrzeug (UCAV) oder schlicht eine Drohne des US-amerikanischen Herstellers AeroViroment. Die "Switchblade" wird auch als "Einwegdrohne" bezeichnet, was nichts anderes heißt, als dass sie von ihrem Einsatz nicht zurückkehren wird. Also ähnlich wie die Shimpu Tokkotai, der "göttliche Wind" oder schlicht die Kamikaze-Spezialangriffstruppe der japanischen Kaiserlichen Marineluftwaffe im Zweiten Weltkrieg, stürzt sich die Drohne auf ihr Ziel, um es zu vernichten.

Im Sturzflug auf das Ziel

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Die "Switchblade 300" kann mit ihrem Gewicht von 2,5 Kilogramm von Soldaten im Rucksack transportiert werden.

(Foto: dpa)

Natürlich ist die "Switchblade" ferngesteuert und es bedarf keines Menschen, der sich bei diesem Angriff freiwillig opfert. Dennoch brachte die Art, wie die "Switchblade" ihr Ziel vernichtet, ihr den Spitznamen "Kamikaze"-Drohne ein, denn auch sie bombardiert ihr Ziel im Sturzflug. Doch während dieses Prinzip für die 300 und 600 gleich ist, unterscheiden sich die beiden Waffen ansonsten deutlich voneinander. Während die "Switchblade 300" nicht größer als ein Brot ist und lediglich 2,5 Kilogramm wiegt, bringt es allein die Rakete der 600 auf knapp 15 Kilogramm, die Drohne in Summe wiegt sogar 54,4 Kilogramm.

Insofern ist die "Switchblade 300" von der Funktionsweise eher mit dem Javeline-Panzerabwehrsystem oder der Stinger-Flugabwehrrakete zu vergleichen. Auch die 300 wird von einem Soldaten im Rucksack mitgeführt und gegen Ziele eingesetzt, die außerhalb der Sichtweite des Schützen liegen. Da die Drohne mit Echtzeit-GPS-Koordinaten gefüttert wird und zudem über eine Video-Zielführung verfügt, soll sie "sehr genau" sein und "geringe Kollateralschäden" anrichten sowie zudem Informationen zur Aufklärung über den Gegner liefern. Das jedenfalls verspricht der Hersteller AeroViroment.

Benutzt wird die "Switchblade 300" vor allem, um Personen und leichte Fahrzeuge anzugreifen. Laut dem Datenblatt des Herstellers kann die Drohne mit bis zu 60 km/h zehn Kilometer fliegen und etwa 15 Minuten über dem Ziel ausharren, bevor sie mit bis zu 100 km/h zum Sturzflug übergeht. Nach dem gleichen Prinzip arbeitet die "Switchblade 600". Allerdings ist sie mit einem deutlich größeren Sprengsatz ausgestattet und wird benutzt, um stark gepanzerte Fahrzeuge anzugreifen.

Die nächste Generation von Kampf-Drohnen

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Die "Switchblade 600" ist hochmodern und soll ab Januar 2023 lieferbar sein.

(Foto: Screenshot)

Zudem kann die "Switchblade 600" nach dem Röhrenstart nicht nur eine Distanz von bis zu 40 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h überwinden und 40 Minuten über dem Zielgebiet ausharren, sie ist auch in der Lage, den Angriff abzubrechen und nach Ermessen des Schützen über ein Tablet-basierten Bediensystem ein anderes Ziel anzugreifen. Die 600 gehört nach Angaben von AeroViroment zur "nächsten Generation von Kampf-Drohnen", die unter anderen mit einer hochpräzisen Optik und mit RSTA-System (Reconnaissance, surveillance and target acquisition - Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung) ausgestattet ist.

Allerdings dürfte die "Switchblade 600" nicht ganz billig sein. Allein die 300 schlägt pro Stück mit 6000 Dollar zu Buche. Hinzu kommt, dass die "Switchblade 600" noch gar nicht lieferbar ist. Erst im September 2021 erhielt das in Arlington, Virginia, ansässige Unternehmen AeroViroment vom US Special Operations Command einen Auftrag in Höhe von 20,3 Millionen Dollar für das verbesserte Raketensystem. Die Auslieferung soll im Januar 2023 abgeschlossen sein.

Frühere Versionen der Sturzkampfdrohne befinden sich im Arsenal von US-Kommandos. Im Jahr 2010 wurden sie von den USA im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan eingesetzt, was später ob der Kollateralschäden zu großen Diskussionen führte, denn der Name, den die US-Army diesen Drohnen gab, war "fliegende Schrotflinte".

Quelle: ntv.de

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