Politik

Erfahrung aus Corona-Lockdown Eltern: Digitale Schulen noch "mangelhaft"

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Neun von zehn Bürgern sind der Ansicht, dass die Pandemie die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen schonungslos offengelegt habe.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Schulen sind nur schlecht vorbereitet auf mögliche neue Schließungen - das zeigt eine Umfrage unter Eltern schulpflichtiger Kinder. Sie wünschen sich besseres Homeschooling, auch für die Zeit nach der Pandemie. Für die Schwierigkeiten bei der Umsetzung sehen sie verschiedene Gründe.

Eltern stellen den deutschen Schulen nach der Erfahrung mit dem Corona-Lockdown ein schlechtes Zeugnis in Sachen Digitalisierung aus. Für ihre Fähigkeit, im Falle erneuter Schulschließungen den Unterricht aufrechterhalten zu können, erhalten sie lediglich die Note "mangelhaft", geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom hervor.

Dieser hat mehr als 1000 Personen befragen lassen, darunter 269 Eltern schulpflichtiger Kinder. "Die Ergebnisse sind sehr ernüchternd", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. "Bei vielen Bürgern wurde massiv Vertrauen verspielt, weil Unterricht zu oft ersatzlos gestrichen wurde und viele Schulen nicht in der Lage waren, die ihnen anvertrauten Schüler auch nur ansatzweise zu betreuen."

Neun von zehn Bürgern sind der Ansicht, dass die Pandemie die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen schonungslos offengelegt habe. Etwa ebenso viele fordern, alle Schulen in die Lage zu versetzen, noch in diesem Schuljahr per Homeschooling unterrichten zu können. Der Stand der Digitalisierung, wie etwa Geräte, Internetanbindung oder digitale Unterrichtsinhalte, an den Schulen wird allerdings lediglich mit "ausreichend" bewertet. Die meisten Befragten fordern auch, dass Lehrer regelmäßig in digitalen Kompetenzen weitergebildet werden.

Föderalismus bremst Digitalisierung

Etwa jeder Zweite findet, auch nach der Corona-Pandemie sollte der Unterricht teilweise digital per Homeschooling stattfinden. Eine deutliche Mehrheit sieht den Bildungsföderalismus als Bremsklotz für die Digitalisierung und hält ein eigenes Bildungssystem in jedem Bundesland nicht mehr für zeitgemäß.

Zur Digitalisierung der Schulen fordert der Branchenverband Bitkom eine bessere digitale Infrastruktur - etwa mit Breitband-Anschluss und Wlan im gesamten Schulgebäude. Notwendig seien zudem pädagogische Konzepte und Inhalte sowie digital kompetente Lehrkräfte. Der Digitalpakt Schule, der bis 2024 Bundesmittel von fünf Milliarden Euro bereitstellt, müsse unverzüglich umgesetzt werden. "Das Geld kommt bislang nur tröpfchenweise bei den Schulen an", sagte Berg.

Quelle: ntv.de, rts/dpa