Élysée-Palast im FokusFranzösische Ermittler durchleuchten Finanzierung staatlicher Veranstaltungen

In Frankreich können besonders verdienstvolle Bürger mit einem Einzug in den Ruhmestempel Pantheon geehrt werden. Die Feierlichkeiten dazu werden seit Jahren offenbar von der immer gleichen Firma ausgerichtet. Das ruft nun die Kontrolleure auf den Plan.
Französische Finanzfahnder haben den Amtssitz von Präsident Emmanuel Macron, den Élysée-Palast, ins Visier genommen. Bei Ermittlungen zur Vergabe von Zeremonien für die Aufnahme von Menschen in den Ruhmestempel Pantheon hat es an mehreren Orten Durchsuchungen gegeben, darunter auch im Élysée-Palast. Der Zugang zu den Dienststellen des Präsidialpalastes sei ihnen aber verwehrt worden, hieß es von der Finanzstaatsanwaltschaft Paris.
Dem französischen Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné" zufolge wurden die Zeremonien 22 Jahre lang, von 2002 bis 2024, von ein und demselben Unternehmen organisiert. Jede der Feierlichkeiten sei mit rund zwei Millionen Euro in Rechnung gestellt worden. Auch der internationale Festakt zum 80. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie im vergangenen Jahr und weitere Großveranstaltungen wurden demnach von dem betroffenen Unternehmen vorbereitet. Der Zeitung zufolge wollen die Finanzfahnder herausfinden, ob das Unternehmen Unterstützung aus dem Élysée, dem Kulturministerium oder dem für die Vergabe zuständigen Zentrum für staatliche Monumente CMN erhalten haben könnte.
In dem ursprünglich als Kirche geplanten Pantheon werden seit der Französischen Revolution wichtige Vertreter des Landes wie Victor Hugo, Émile Zola, Voltaire oder Rousseau geehrt. Es kommt nur sehr selten vor, dass Menschen neu in den Pantheon aufgenommen werden. Derzeit ruhen dort mehr als 80 Menschen - darunter nur sechs Frauen.
Präsident Emmanuel Macron hat Berichten zufolge bislang die Aufnahme von sechs Persönlichkeiten angeordnet. Zuletzt war der frühere Justizminister Robert Badinter aufgenommen worden, in Erinnerung für seinen Einsatz zur Abschaffung der Todesstrafe. Am 23. Juni wird der Historiker Marc Bloch geehrt - gut 82 Jahre nach seiner Erschießung durch Nationalsozialisten.