Politik

Tote bei Ausschreitungen in Pakistan Empörte Menge zündet Kinos an

Es ist der Tag der Freitagsgebiete, und wieder einmal entflammt in der islamischen Welt der Zorn über die Mohammed-Schmähungen. In Pakistan sterben dabei zahlreiche Menschen, Dutzende werden verletzt, Kinos, Autos und eine Kriche gehen in Flammen auf. Weltweit kommt es zu Protesten - auch in Deutschland.

Bei Protesten Zehntausender gegen das islamfeindliche Schmähvideo sind in Pakistan mindestens 15 Menschen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar zündete eine aufgebrachte Menge bei Protesten zwei Kinos an. Bei den Unruhen wurden nach Krankenhaus-Angaben vier Menschen getötet, darunter der Fahrer eines Fernsehteams. Die Zufahrtstraßen zum US-Konsulat in Peshawar sowie zu den Büros westlicher Hilfsorganisationen und anderen potenziell gefährdeten Gebäuden blockierten die Behörden mit Schiffscontainern.

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Demonstranten schleudern Tränengasbehalter auf Sicherheitskräfte in Lahore.

(Foto: REUTERS)

In Karachi wurde nach Polizeiangaben ein Polizist erschossen, zudem wurden nach Angaben von Krankenhäusern neun Zivilisten getötet. Demonstranten versuchten dort demnach, zum US-Konsulat zu gelangen. Die Polizei ging gegen sie mit Schüssen und Tränengas vor. Nach Polizeiangaben wurden in Karachi zudem drei Kinos angezündet. In der Hauptstadt Islamabad gingen rund 20.000 Menschen auf die Straße.

Auf der Autobahn nahe der Hauptstadt Islamabad setzte ein wütender Mob eine Mautstation in Brand. Im nordwestlichen Mardan wurde nach Polizeiangaben eine christliche Kirche angezündet. Um eine weitere Eskalation der Proteste zu verhindern, legte die Regierung das Mobilfunknetz in mehr als einem Dutzend Städten lahm. Politische und religiöse Führer der islamischen Welt hatten vor den Freitagsgebeten zu friedlichen Protesten aufgerufen.  Die pakistanische Regierung hatte den Freitag zum Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt und zu friedlichen Protesten aufgerufen.

Die Proteste in Pakistan richteten sich nur gegen den umstrittenen Anti-Islam-Film aus den USA. Anders als in anderen Ländern wurden die und in der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" nicht erwähnt.

Die USA bemühten sich derweil um Deeskalation. In Pakistan laufe auf sieben Fernsehsendern ein Spot, in dem sich Präsident und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzierten, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington. In dem kurzen Beitrag sagt Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Die USA hätten mit dem islamfeindlichen Video nichts zu tun.

Weltweite Proteste

Weitere Proteste gegen eine Verunglimpfung Mohammeds gab es im Irak, in Afghanistan, auf den Komoren, in Marokko, im Jemen, in Bangladesch, in Indonesien und im Libanon. In Kairo und London versammelten sich Demonstranten vor den französischen Botschaften, um gegen die Karikaturen in "Charlie Hebdo" zu protestieren.

Aus Angst vor Übergriffen verschärften die westlichen Botschaften in der islamischen Welt ihre Sicherheitsvorkehrungen vor den Freitagsgebeten, etliche Vertretungen schlossen gleich ganz. Frankreich verbot alle öffentlichen Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls. Auch der größte französische Muslim-Verband CFCM rief dazu auf, nicht auf die Straße zu gehen. "Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv", sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem Rundfunksender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.

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Demonstranten gehen in Freiburg auf die Straße.

(Foto: dpa)

Der größte Protestmarsch in Deutschland fand in Freiburg im Breisgau statt, wo sich rund 800 Menschen in der Innenstadt versammelten. Die Polizei begleitete die Veranstaltung mit einem großen Aufgebot. Bis zum späteren Nachmittag blieb die Lage ruhig.

In Münster versammelten sich bis zum frühen Abend rund 600 Teilnehmer zu einer friedlichen Demonstration. Weitere Proteste sind am Wochenende in Hannover, Dortmund und Karlsruhe geplant.

Berlin zeigt sich gelassen

Vertreter aus Religion und Politik bemühten sich unterdessen, die Wogen zu glätten: Die Bundesregierung sehe die geplanten Proteste gegen das Mohammed-Video gelassen. "Wir gehen davon aus, dass die Demonstrationen friedlich und besonnen verlaufen", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Es ist ihr Recht zu protestieren." Er betonte aber: "Gewalt darf es nicht geben."

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte "an alle Seiten, mäßigend einzuwirken". Weiter hieß es aus der Mainzer Staatskanzlei: "Wir sind alle gefordert, unsere rechtsstaatlichen Mittel zu nutzen, um deeskalierend zu wirken." Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach sich nachdrücklich gegen ein Verbot des Videos aus. "Es ist unterirdisch, wenn Horst Seehofer und die CSU jetzt die Diskussion um das unsägliche Schmähvideo missbrauchen wollen, um Gesetzesverschärfungen gegen Blasphemie aus der Mottenkiste zu holen", sagte Roth dem "Münchner Merkur". Religionen müssten Kritik, Kunst und Satire aushalten.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hält das Video und umstrittene Karikaturen aus Frankreich aber nur für den Auslöser der Proteste. "Der eigentliche Grund ist, dass es ein großes Potenzial an Vorurteilen gegenüber dem Westen gibt", sagte Mazyek im Fernsehsender Phoenix. "Die Völker dort haben über viele Jahre gelitten und Demütigungen erfahren."

Die Proteste gegen den Film hatten am Dienstag vergangener Woche in Ägypten und Libyen begonnen. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im ostlibyschen Bengasi wurden Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet. Erstmals bezeichnete die US-Regierung die Tat nun als Terrorismus. Es sei offensichtlich, dass die Tötung Stevens auf das Konto von Terroristen gehe, sagte Regierungssprecher Jay Carney in Washington. Die Ermittler hätten bislang aber keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einen länger geplanten Terrorakt gehandelt haben könnte. Vielmehr hätten die Täter die Gelegenheit des Augenblicks genutzt.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP/rts