Politik

"Die Unschuld der Muslime" Wer steckt hinter dem Hass-Film?

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Mohammed und die ersten Muslime werden in dem Film als barbarische Bande dargestellt.

(Foto: Screenshot)

Ein absurder Youtube-Clip löst wütende Proteste mit mehreren Opfern aus. Die Entstehungsgeschichte ist höchst merkwürdig. Die Schauspieler sagen, sie hätten nicht gewusst, woran sie mitwirken. Einer der Hintermänner versteckt sich, ein anderer ist stolz auf das Werk.

Ein Mob junger Muslime stürmt eine christliche Klinik in Ägypten und steckt sie in Brand. Die Polizei rückt an und beobachtet das Treiben, schreitet aber nicht ein. – Schnitt. – "Tausende Menschenleben könnten gerettet werden", sagte ein Mann und schreibt eine Formel an eine Tafel: "Mensch + x = islamischer Terrorist". "Aber was ist 'x'?", fragt eine junge Frau. "Das musst für dich selbst herausfinden", sagt der Mann. – Schnitt.

Das sind die ersten Szenen des Youtube-Clips, der in Libyen und Jemen Menschen dazu bringt, US-Dependancen zu stürmen.

Darauf folgt die Geschichte Mohammeds – auf eine sehr krude Art erzählt. Mohammed als Verrückter, als Vergewaltiger, als blutrünstiger Herrscher. Der Film endet damit, dass Mohammed blutverschmiert und mit Schwert in der Hand in die Kamera ruft: "Jeder Nicht-Muslim ist ein Ungläubiger. Ihre Länder, ihre Frauen, ihre Kinder sind unsere Beute."

Der Clip wirkt semi-professionell produziert: Die Schauspieler sind gut ausgeleuchtet, doch es gibt viele Unstimmigkeiten in der Kulisse und den Kostümen. Es ist ein Zusammenschnitt aus einem zweistündigen Film namens "Die Unschuld der Muslime", über dessen Hintergründe US-amerikanische Medien bislang einiges herausgefunden haben, dessen Macher allerdings immer noch nicht sicher bekannt ist. Sein Pseudonym ist "Sam Bacile", unter diesem Namen gab er dem "Wall Street Journal" ein Interview. Für das Projekt habe er angeblich fünf Millionen Dollar von etwa 100 Spendern eingesammelt, sagte er – was angesichts der billigen Produktionsweise unwahrscheinlich erscheint. Verschiedene Medien vermuten hinter "Sam Bacile" den Leiter der Produktionsfirma, der mit richtigem Namen Nakoula Basseley Nakoula heißt. Über ihn ist bekannt, dass er koptischer Christ ist und vor zwei Jahren zu einer längeren Haftstrafe verurteilt wurde.

Schauspieler fühlen sich betrogen

Außerdem wirbt Terry Jones für den Film – der evangelikale Pfarrer war bekannt geworden, weil er mit einer Koran-Verbrennung vor anderthalb Jahren schon einmal Ausschreitungen in der islamischen Welt provoziert hatte.

Die Schauspieler und Mitarbeiter distanzieren sich dagegen. Sie seien getäuscht und belogen worden und nun "schockiert von den drastischen Änderungen am Drehbuch". Um Mohammed habe es in dem Film überhaupt nicht gehen sollen, sagte eine Schauspielerin. Und tatsächlich fällt auf, dass der Film merkwürdig nachvertont ist: Man hört die Schnitte zwischen Originalton des Schauspielers und neu hinzugefügten Sequenzen deutlich.

Seit dem 2. Juli ist der Film nun bei Youtube online. Bekannt wurde er, als ein in Washington lebender Kopte namens Morris Sadek Anfang September damit begann, den Link zu dem Film an Journalisten zu schicken. Das Video wurde von verschiedenen Blogs auf Arabisch übersetzt, Ausschnitte wurden im ägyptischen Fernsehen gezeigt – mit den bekannten Folgen: Es gibt Proteste in Kairo, dem Iran und Bangladesch. Afghanistan sperrte unterdessen den Zugriff auf Youtube, das Videoportal selbst untersagt den Zugriff auf das Video von Libyen und Ägypten aus.

Den Islamhasser Terry Jones ficht das alles nicht an. Er verteidigt den Film: Dieser zeige die Wahrheit über Mohammed. Jones plant, den Film in seiner Kirche zu zeigen. Und auch die rechtspopulistische Partei "Pro Deutschland" springt auf den Zug auf und will mit einer Filmvorführung in Berlin provozieren.

Quelle: ntv.de