Er hat "Kriegspräsident" gesagtGeheime Mullah-Message: Chrupalla hat Iran-Stress mit seiner eigenen Fraktion
Von Tom Kollmar
In der AfD-Fraktion wächst der Unmut gegen ihren Vorsitzenden. Tino Chrupalla hatte Donald Trump als "Kriegspräsidenten" bezeichnet. Bei der Kritik spielt auch die Auswahl seines Hemdes eine Rolle.
Manchmal ist bei der AfD so viel los, dass die Abgeordneten gar nicht wissen, worüber sie sich streiten sollen. Die Fraktionssitzung am Dienstag war mal wieder so ein Tag. Der Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt, Kronzeuge im Filz-Skandal, wurde aus der Fraktion ausgeschlossen. Fraktionsvize Stefan Keuter, der seine eigene Partnerin in seinem Büro beschäftigt hatte, stellte die Vertrauensfrage und gewann. Nicht zur Sprache kam an diesem turbulenten Tag der Unmut vieler Abgeordneter über ihren Vorsitzenden Tino Chrupalla.
Im ntv-Frühstart hatte Chrupalla sich am Morgen klar vom Angriff der USA und Israels distanziert und dabei auch Präsident Donald Trump kritisiert. Der sei als Friedenspräsident gestartet, am Ende werde er als Kriegspräsident enden, sagte Chrupalla. "Will er das? Das muss er dann auch seinen Wählern erklären, vor allen Dingen, wenn diese Angriffe und auch diese Kriegsführung keinen Erfolg hat." Für das Pro-Trump-Lager in der AfD, das in den vergangenen Monaten immer größer und lauter geworden ist, war vor allem ein Wort ein rotes Tuch: Kriegspräsident.
Nach ntv-Informationen wächst wegen Chrupallas Haltung, aber vor allem der Wortwahl, der Unmut in der Fraktion. Mitglieder berichten, es brodele unter der Oberfläche. In dieser Woche sind wieder mehrere AfD-Abgeordnete in Washington und treffen dort auf Politiker der Republikaner. Nach ihrer Rückkehr werden diese dann berichten, wie der "Kriegspräsident" in den Vereinigten Staaten aufgenommen wurde. Anscheinend, so heißt es, habe es bereits erste Hinweise des Entsetzens aus dem Trump-Umfeld in den USA gegeben. Wie prominent diese Stimmen sind, ist unklar.
Keine Krawatte!
Besonders für den außenpolitischen Sprecher der Fraktion ist es eine unangenehme Situation. Markus Frohnmaier reiste am Montag, obwohl er gleichzeitig auch Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag ist, für mehrere Tage nach Washington, um sich dort mit Vertretern der Republikaner zu treffen. Zuvor hatte er in seiner Bewertung der Angriffe eine andere Richtung eingeschlagen als die beiden Parteivorsitzenden. Frohnmaier hatte unter anderem erklärt, die US-Regierung habe "mit chirurgischer Präzision und klarer Zielorientierung" gehandelt. Chrupalla widersprach. Eine chirurgische Kriegsführung könne man sicher infrage stellen, "wenn man eine iranische Mädchenschule mit 120 Toten trifft".
Dass der Unmut gegenüber Chrupalla zum Teil absurde Züge hat, zeigt die Diskussion um ein Kleidungsstück. Laut dem Politico-Podcast "Inside AfD" werfen mehrere Abgeordnete ihrem Vorsitzenden vor, er habe ein geheimes Zeichen der Solidarität an das Regime im Iran senden wollen.
Konkret geht es um ein kragenloses Hemd, welches Chrupalla auf dem Foto der Pressemitteilung trägt, in dem er und Co-Chefin Alice Weidel die Angriffe verurteilen. Hemden mit Stehkragen oder ganz ohne sind im Iran ein direktes politisches Symbol der islamischen Revolution und stehen für die Ablehnung westlicher Kultur und Werte. Gleichzeitig gilt die Krawatte in dieser Lesart als Zeichen des Westens. Die Kragen- und Krawattenlosigkeit Chrupallas in dem Pressefoto zum Iran werten die Verschwörer als Zeichen.
Immer wieder Konflikte, wenn es um Außenpolitik geht
Insbesondere aus dem sogenannten Vorfeld, also bei Unterstützern und Vordenkern der radikalen Rechten, bekommt Chrupalla zumindest für seine Aussagen zum Konflikt in Nahost und gegenüber Trump viel Zuspruch. "Kurs halten", heißt es von dort. Auch Teile der Fraktion stehen hinter der Partei- und Fraktionsspitze. Unklar ist, wie die Mehrheiten verteilt sind. In der Außenpolitik gibt es innerhalb der AfD immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Das betrifft Russland, die USA und wird jetzt auch beim Krieg in Nahost wieder deutlich.
Die Unterstützer der Chrupalla-Haltung, auch der Fraktionschef selbst, verweisen auf die Umfragen: Eine klare Mehrheit der Bundesbürger lehnt den militärischen Angriff der USA und Israels auf Ziele im Iran ab. 57 Prozent sprechen sich in einer Forsa-Umfrage von RTL und ntv dagegen aus, nur 29 Prozent dafür. Besonders deutlich ist mit 73 Prozent die Ablehnung in Ostdeutschland - dort, wo die AfD im Herbst nach den Wahlen in zwei Bundesländern erstmals die Ministerpräsidenten stellen will und wo Chrupalla wohnt.