Politik

Trump und die Navajos Er nannte sie "Pocahontas"

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Trump und zwei der drei Navajos im Oval Office (in der Mitte: Peter MacDonald).

(Foto: AP)

US-Präsident Trump bezeichnet eine Senatorin als "Pocahontas", während drei Navajos neben ihm stehen, die im Zweiten Weltkrieg in der US-Armee gedient haben. Kritiker werfen Trump nun Rassismus vor. Was hat es damit auf sich?

US-Präsident Donald Trump hat die demokratische Senatorin Elizabeth Warren "Pocahontas" genannt. Das hat er schon häufig gemacht. Allerdings waren dieses Mal Indianer anwesend, oder besser Native Americans, amerikanische Ureinwohner, wie sie in den USA genannt werden.

Eigentlich ging es bei der Feierstunde im Weißen Haus darum, drei Angehörige des Stammes der Navajo zu ehren, die im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Japan als "code talkers" bei der US-Armee gedient hatten. Insgesamt arbeiteten 29 Navajos für das Marinekorps. Sie wurden zur Kommunikation zwischen Front und Kommandierenden eingesetzt, da so gut wie niemand außerhalb ihres Stammes ihre Muttersprache verstand. Tatsächlich gelang es den Japanern nicht, den Code zu knacken.

Die "code talkers"

Bis 1968 blieb die Arbeit der Navajos geheim. Öffentlich geehrt wurden sie erstmals 1982 vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Ein Film aus dem Jahr 2002 mit dem Titel "Windtalkers" thematisiert ihren Einsatz. Nach Einschätzung von Major Howard Connor, der bei der blutigen Schlacht um die Insel Iwojima im Pazifik 1945 eine Fernmeldetruppe mit sechs "code talkers" führte, war ihre Hilfe entscheidend. "Ohne die Navajos hätten die Marines niemals Imojima erobert", sagte er einmal.

Zur Ehrung ins Weiße Haus kamen drei der noch dreizehn lebenden "code talker" aus dem Stamm der Navajos. Die Feierstunde begann mit einer Rede des 90-jährigen Peter MacDonald, der als 15-Jähriger mit dem Marinekorps erst nach Guam und dann ins japanisch besetzte China ging. Trump sprach als zweiter und sagte, MacDonald habe nun schon alles gesagt, was in seiner Rede gestanden habe. Er werde daher nicht die Rede halten, sondern frei sprechen. Das tat er dann auch.

"Sie sagten, Sie sind 90 Jahre alt?", fragte er. "Das ist toll, denn Sie haben gute Gene. Das bedeutet, dass die Medien noch lange auf mich einprügeln können." Verständlich wird dieser Satz, wenn man bedenkt, dass Trump mehrfach über sich gesagt hat, dass er "gute Gene" habe.

Schließlich sagte Trump: "Ich will Ihnen einfach danken, denn Sie sind sehr, sehr besondere Menschen. Sie waren hier, lange bevor irgendjemand von uns hier war, obwohl wir eine Vertreterin im Kongress haben, die, sagt man, schon vor langer Zeit hier war. Man nennt sie Pocahontas. Aber wissen Sie was, ich mag Sie, denn Sie sind besonders. Sie sind besondere Menschen. Sie sind wirklich unglaubliche Menschen."

"Rassistischer Beigeschmack"

Die Erwähnung von Pocahontas, die offenbar als beiläufige Beleidigung Warrens gemeint war, ist von Kritikern des US-Präsidenten und von Vertretern der Native Americans als rassistische Bemerkung verstanden worden. Der Präsident des Navajo-Reservats, Russell Begaye, nannte Trumps Äußerung kulturell unsensibel und unglücklich. Begayes Sprecher Mihio Manus sagte, die Navajos seien zwar dankbar, dass Trump die "code talkers" geehrt habe. Aber die Bemerkung über Pocahontas sei "unpassend" gewesen. "Auch wenn Pocahontas keine Navajo war, war sie auf jeden Fall eine historische Figur aus der Gründerzeit dieser Nation, die in der Geschichte falsch dargestellt wird." Mitglieder der amerikanischen Stämme sollten nicht "als Pointe eines Witzes benutzt werden", sagte er der "Washington Post". Der Generalsekretär der Allianz von Stämmen aus der Kolonialzeit, John Norwood, sagte dem Sender NBC, es habe einen rassistischen Beigeschmack, wenn der Name Pocahontas "als abwertende Beleidigung" benutzt werde.

Pocahontas ist eine historische Figur aus dem 17. Jahrhundert, die vor allem aus Disney-Filmen bekannt ist. Als Tochter eines Häuptlings versuchte sie, zwischen den Ureinwohnern und den ersten Siedlern in der Kolonie Jamestown an der Ostküste der heutigen USA zu vermitteln.

Der Mitschrift des Weißen Hauses zufolge reagierte MacDonald nicht auf die Bemerkung des Präsidenten. Er dankte Trump dafür, weil der sich für ein Museum für die "code talkers" einsetzen will. "Mr. President, wir wissen, dass Sie das schaffen werden", sagte MacDonald. "Amerika ist in guten Händen."

"Was die Menschen anstößig finden, ist, dass Warren lügt"

Trumps Sprecherin Sarah Sanders verteidigte den Präsidenten gegen den Vorwurf, eine rassistische Bemerkung gemacht zu haben. Auf die Frage, warum Trump ausgerechnet bei einer Ehrung "amerikanischer Helden" über "Pocahontas" spreche und damit Menschen vor den Kopf stoße, sagte sie: "Ich glaube, was die meisten Menschen anstößig finden, ist, dass Senator Warren über ihr kulturelles Erbe lügt, um ihre Karriere voranzutreiben."

Trump hat Warren schon im Präsidentschaftswahlkampf 2016 "Pocahontas" genannt. Sie gehört zum linken Flügel der Demokraten, vor Beginn der demokratischen Vorwahlen galt sie als mögliche Bewerberin um das Amt der Präsidentschaftskandidatin. Ihre mutmaßlichen indianischen Wurzeln sind seit 2012 bekannt, als sie sich erstmals um einen Sitz im Senat bewarb. Dass sie Vorfahren aus den Stämmen der Cherokee und Delaware habe, hätten ihr ihre Eltern und Großeltern erzählt, sagte sie dem Sender CNN. Zu dem Vorwurf, sie habe damit ihre Karriere befördern wollen (den auch Trump mehrfach erhoben hat), sagte sie: "Niemals. Ich habe das nie benutzt, um vorwärts zu kommen, ich habe das nie benutzt, um an eine Uni zu kommen. Ich habe das nie benutzt, um einen Job zu bekommen." Trump spreche nur darüber, um die Öffentlichkeit von sich selbst abzulenken.

Beweise, dass Warren indianische Vorfahren hat, gibt es nicht, wie die Zeitschrift "Atlantic" schon vor fünf Jahren ausführte. Allerdings gibt es auch keine Beweise, dass sie ihre Herkunft eingesetzt hat, um ihre Karriere als Jura-Professorin voranzutreiben. Ihren Studienplatz bekam sie beispielsweise nicht als Angehörige einer ethnischen Minderheit.

Und dann ist da noch das Bild

Die Ehrung der drei Navajos fand im Oval Office statt. Trump hat dort ein Bild von Andrew Jackson aufhängen lassen - des Präsidenten, der 1830 ein Gesetz unterzeichnete, mit dem die Cherokee aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Tausende starben auf dem "Pfad der Tränen" Richtung Westen, die Cherokee nannten Jackson den "Indianermörder". Nicht deshalb, sondern weil Jackson als "Präsident des Volkes" gilt, hat Trump ihn gelegentlich als Vorbild genannt. Für Kritiker gilt Jackson dagegen als "erster Populist im Weißen Haus".

Auch das fanden Vertreter der Native Americans unsensibel. "Andrew Jackson war nicht gerade ein Präsident, der Stammesregierungen und Native Americans respektierte", sagte Jacqueline Pata vom National Congress of American Indians der "Washington Post".

Quelle: ntv.de