Politik

Beste Freunde im Oval OfficeMerz kann sich bei Trump offensichtlich gut entspannen

03.03.2026, 19:48 Uhr
imageVon Roland Peters, New York
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All smiles: Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump im Oval Office. (Foto: dpa)

US-Präsident Trump empfängt den Bundeskanzler im Weißen Haus. Dieses Mal bleibt er sogar über Nacht. In gelöster Stimmung zeigen sich Merz und sein neuer Freund redebereit über die zwei Kriege im Iran und in der Ukraine. Und Trump neckt Merz mit Zöllen.

Krieg in Europa, Krieg im Nahen Osten, die Stimmung im Weißen Haus: bestens. Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu Besuch im Oval Office, schon das dritte Mal in seiner Amtszeit. "Wir haben ein Treffen mit einem Mann, der ein Freund von mir geworden ist", säuselt Trump zur Einleitung vor versammelter Presse. Die beiden sitzen auf zwei Stühlen nebeneinander vor dem Kamin. "Wir haben eine große Affinität zueinander", meint Trump. Merz sei "sehr erfolgreich, er macht tolle Arbeit". Festmachen wird er das später daran, dass Merz eine Wende bei der deutschen Migrations- und Energiepolitik vollführt habe. Mit Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel habe er so seine Konflikte gehabt, sagt Trump.

Friedrich Merz' Reise nach Washington war bereits länger geplant. Allein, dass die Fernsehkameras im Oval Office live dabei und Fragen von Journalisten zugelassen sind, ist nicht selbstverständlich, sondern das erste Mal in diesem Jahr beim Besuch eines so hochrangigen Gastes. Die vorherigen Empfänge fanden komplett hinter verschlossenen Türen statt - und zwar auf Bitten der Gäste, wie "Politico" berichtete. Es habe viel mehr schief- als gutgehen können bei diesen Fragerunden vor dem eigentlichen Gespräch - der Skandal beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im vergangenen Jahr ist ein mahnendes Beispiel.

Doch Merz wirkt überaus entspannt, zeitweise lümmelt er schon fast neben Trump, der sich an die Stuhlkante geschoben hat. Die beiden kennen sich inzwischen gut, telefonieren immer wieder miteinander und tauschen insbesondere ständig SMS aus, wie die "New York Times" schreibt. Aus Respekt vor den klaren Linien, die Merz bei vergangenen Gesprächen auch öffentlich wiederholt gezogen hatte, ist demnach eine Freundschaft geworden. Den Forderungen nach einer Annexion Grönlands durch die USA schob der Bundeskanzler zuletzt im Januar, gemeinsam mit anderen Nato-Ländern, einen Riegel vor - ein diplomatischer Erfolg. Zudem weiß Trump: Merz lenkt die größte Volkswirtschaft Europas. Um Berlin kommt er kaum herum, wenn er Einfluss auf Europa nehmen möchte.

Das muss er etwa in den Diskussionen um den Krieg der USA und Israels gegen den Iran gar nicht, bei Merz rennt er offene Türen ein. Merz hatte bereits zwei Tage vor dem Treffen gesagt, er werde mit Trump über die Zeit nach der Islamischen Republik sprechen. Das wiederholt er nun. "Die Schwelle in eine ungewisse Zukunft ist überschritten", hatte Merz gesagt. Jahrzehntelang sei erfolglos versucht worden, den Iran bei Atom- und Raketenprogramm zum Einlenken zu bewegen, und angesichts der Gegenschläge des Iran sei es "nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren. Bei allen Zweifeln teilen wir viele ihrer Ziele."

Schenkelklopfen am Kamin

Die Mullahs führten ein Terror-Regime, das auch nach Ansicht von Merz beendet werden muss. Und die Bundesregierung will mit am Tisch sitzen, wenn es um das Danach geht. "Wir freuen uns auf den Tag", so Merz. "Wir müssen über die Strategie sprechen, was nach dem Sturz dieses Regimes folgt, und wir müssen eine Strategie für die gesamte Region entwickeln." Deutschland habe "großes Interesse an einem gemeinsamen Ansatz und einer gemeinsamen Arbeit". Dies sei für Europa von größter Bedeutung. "Unseren Volkswirtschaften", sagt Merz ausdrücklich und verbindlich, schade der Krieg angesichts höherer Öl- und Gaspreise. "Deshalb hoffen wir alle, dass der Krieg schnell zu Ende geht, dass israelische und amerikanische Militärs das Richtige tun und wir eine Regierung bekommen, die zu Frieden und Freiheit zurückkehrt."

Während des Interviews wird die Verbundenheit der beiden immer wieder deutlich. Merz bedankt sich bei Trump dafür, dass er im Gästehaus übernachten durfte, schwärmt von den berühmten Persönlichkeiten, die es vor ihm taten, Trump zeigt sich stolz und lobt im Gegenzug auch Deutschland. Mehrmals macht Trump Witzchen, zieht Merz auf, schlägt ihm leicht aufs Bein. "Mal sehen, was wir mit Deutschland machen, ich glaube, wir werden ihnen einen schweren Schlag versetzen!", lacht der US-Präsident, als es um Zölle geht. Als es um die Zusammenarbeit mit Europa geht, kritisiert Trump ausdrücklich Spanien und Großbritannien, lobt Deutschland aber als "fantastisch", und meint verschwörerisch in Richtung Merz: "Er weiß alles über meinen Vater!"

Dabei meinte Merz am Wochenende, der Krieg sei "nicht ohne Risiko" einer Eskalation in der Region. Die Bundesregierung hatte gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien am Wochenende zu einer diplomatischen Lösung aufgerufen. Trump hat Verhandlungen mit dem Iran aber inzwischen ausgeschlossen. Die Zeit der Gespräche sei vorbei, schrieb er. US-Senator Lindsey Graham, ein Vertrauter des Präsidenten, nannte die drei europäischen Länder "erbärmlich und verweichlicht". Erst nach Beginn der iranischen Gegenangriffe stellten die Briten den USA ihre Militärbasen zur Verfügung, für die ursprünglichen Angriffe nicht. "Das hat uns drei, vier Tage gekostet", moniert Trump.

Merz will mit an den Tisch

Völkerrechtsfragen sind kein Thema. Dafür ist es ohnehin zu spät - Deutschland wurde auch vorab nicht einbezogen in die Entscheidung über den Krieg gegen den Iran, obwohl die Bundesrepublik in Reichweite iranischer Raketen liegt. Es habe nur einen sogenannten "Höflichkeitsanruf" kurz vor dem Angriffsbeginn gegeben, in dem das Kanzleramt formal informiert wurde, schrieb die "New York Times".

Nun will Merz zumindest dabei beteiligt werden, wenn es ums Danach im Iran geht. Aber nicht nur: "Wir müssen über unser Handelsabkommen sprechen, das ich gerne so schnell wie möglich in Kraft sehen würde", meint der Bundeskanzler im Oval Office. Und über die Ukraine. "Es gibt zu viele Bösewichte auf dieser Welt", stellt Merz reichlich ungefähr fest, erntet dafür aber ein zustimmendes Nicken von Trump. "Wir alle wollen, dass der Krieg so schnell wie möglich zu Ende geht, aber die Ukraine muss ihr Territorium und ihre Sicherheit bewahren", sagt der Kanzler. Eben daran scheitert es seit Jahren. Das weiß auch Trump.

Quelle: ntv.de

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