Politik
Über 50.000 mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung hat Erdogan seit dem Putsch bereits verhaften lassen.
Über 50.000 mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung hat Erdogan seit dem Putsch bereits verhaften lassen.(Foto: imago/Xinhua)
Mittwoch, 29. November 2017

Nach Putschversuch in der Türkei: Erdogan will 300 Soldaten verhaften lassen

Die Ermittlungen nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei gehen weiter: Über 300 Haftbefehle werden jetzt ausgestellt - darunter viele gegen noch aktive Soldaten. Präsident Erdogan will sie als angebliche Gülen-Anhänger zur Verantwortung ziehen.

Die türkische Justiz hat im Zusammenhang mit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 mehr als 300 weitere Haftbefehle gegen Soldaten ausgestellt. Unter den 333 Gesuchten seien 216 aktive Soldaten, berichteten türkische Medien. Sie würden verdächtigt, zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören, der von Ankara für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, über Jahre den türkischen Staat unterwandert zu haben. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu sind unter den Gesuchten auch 27 "geheime Imame" der Gülen-Bewegung im Militär.

Als Imam werden Anführer der Bewegung bezeichnet, die in der Türkei als Terrororganisation verboten ist. Den Berichten zufolge erfolgten Razzien in 49 Städten, um die Gesuchten festzunehmen.

Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei mehr als 50.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger festgenommen und mehr als 140.000 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert. Ein Großteil der Inhaftierten wartet noch immer auf ein Verfahren. Kritiker werfen Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, den Putschversuch als Vorwand zu benutzen, um auch gegen kritische Journalisten, Oppositionelle und Menschenrechtler vorzugehen.

Quelle: n-tv.de