Politik

Todessturz im Hambacher Forst Ermittler haben keine Hinweise auf Straftat

109316503.jpg

An der Unfallstelle trauern Aktivisten um den 27-Jährigen.

(Foto: dpa)

Ein Journalist stürzt am Rande des Polizeieinsatzes im Hambacher Forst in den Tod. Zeugenaussagen und die Auswertung seiner Helmkamera zeigen nun: Der Mann war "allein und ungesichert". Dennoch gibt es heftige Vorwürfe von beiden Seiten.

Nach dem Tod eines Journalisten am Rande des Polizeieinsatzes im Hambacher Forst sehen die Ermittler keine Hinweise auf Fremdverschulden. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Straftat, erklärte die Staatsanwaltschaft Aachen. Mehrere Zeugen gaben demnach an, dass sich der 27-Jährige unmittelbar vor seinem tödlichen Sturz von einem Baum "allein und ungesichert" auf einer Hängebrücke aufgehalten hatte.

Der aus Leverkusen-Opladen stammende Mann war am Mittwochnachmittag von der Hängebrücke rund 15 Meter tief in den Tod gestürzt. Laut Staatsanwaltschaft arbeitete er als freier Journalist für einen Youtube-Kanal und machte Filmaufnahmen von den Klimaaktivisten im Hambacher Forst.

Er soll nach Angaben einer Aktivistin zur Unfallzeit die bereits vorgeschädigte Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern betreten haben, um von dort die Räumung eines weiter entfernten Baumhauses besser filmen zu können. Noch bevor der Mann die Seilsicherung einhängen konnte, soll plötzlich das Trittholz der Hängebrücke unter ihm nachgegeben haben.

Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der Journalist bei den Aktivisten als erfahrener Kletterer ausgegeben und einen eigenen Klettergurt mitgebracht. Die Auswertung seiner Kopfkamera ergab, dass sich in seiner Nähe niemand aufhielt, der für den Sturz verantwortlich gewesen sein könnte. Aufschluss über die konkrete Todesursache soll nun eine Obduktion der Leiche bringen. Das Ergebnis steht noch aus.

Räumungsaktion vorläufig gestoppt

Forderungen und Schuldzuweisungen gehen dennoch hin und her. NRW-Innenminister Herbert Reul warf einigen Waldbesetzern vor, die Unterbrechung der Räumungsarbeiten für den Bau neuer Baumhäuser zu nutzen. Der CDU-Politiker forderte die Aktivisten auf, die Häuser zu verlassen. Eine Sprecherin der Waldbesetzer lehnte das ab. Wenn die Räumungen fortgesetzt würden, werde man sie weiter behindern, kündigte sie an. Der "Irrsinn dieses Einsatzes" müsse aufhören.

Die Aussage der Polizei, wonach der Unfall keine Folge, polizeilicher Maßnahmen gewesen sei, wiesen sie als "Lüge" zurück. "Diese Räumung hat seit morgens hier stattgefunden, und dieser Unfall ist eindeutig in diese Gesamtsituation einzubetten und nicht als unabhängiger Vorfall davon zu sehen", betonte Sprecherin Lykke. "Ohne diese Polizeimaßnahme wäre der Mensch gar nicht oben auf dem Baumhaus gewesen."

Der Unfall hatte sich am siebten Tag des großangelegten Polizeieinsatzes ereignet, mit dem zuletzt Baumhäuser von Umweltschützern im Hambacher Forst westlich von Köln geräumt wurden. Nach dem tödlichen Sturz verfügte die nordrhein-westfälische Landesregierung einen vorläufigen Stopp der Räumungsaktion.

Der Energiekonzern und Tagebaubetreiber RWE will Mitte Oktober mit der Rodung eines weiteren Teils des Hambacher Walds beginnen, um seinen angrenzenden Braunkohletagebau zu erweitern. Umweltschützer wollen das verhindern und fordern ein Ende der Kohleverstromung.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

Mehr zum Thema