Politik

Doppelanschlag in Spanien Ermittler jagen 17-jährigen Hauptverdächtigen

Erst in Barcelona und später im spanischen Küstenort Cambrils fahren Terroristen mit Autos in eine Menschenmenge. Fünf Attentäter sind tot, mehrere Verdächtige gefasst. Der minderjährige Hauptverdächtige ist noch auf der Flucht - genauso wie drei weitere Verdächtige.

Die spanische Polizei fahndet nach dem Terroranschlag in Barcelona nach einem 17-jährigen Hauptverdächtigen. Er sei nach der Todesfahrt zu Fuß geflüchtet, berichtete die Zeitung "El Mundo" unter Berufung auf die Sicherheitskräfte.

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Moussa Oukabir soll den Lieferwagen in Barcelona gefahren haben.

(Foto: imago/E-PRESS PHOTO.com)

Bei dem Verdächtigen soll es sich um Moussa Oukabir handeln. Dem Bericht zufolge ist er der jüngere Bruder von Driss Oukabir, der bereits am Donnerstag in Gewahrsam genommen wurde. Der Jugendliche hatte seinem Bruder demnach den Pass gestohlen und unter dessen Namen den weißen Transporter angemietet. Dies habe auch Driss Oukabir gegenüber der Polizei bestätigt. Driss Oukabir stammt aus Marokko. Er hatte sich in der Stadt Ripoll 60 Kilometer nördlich von Barcelona der Polizei gestellt, nachdem er Bilder von sich im Fernsehen gesehen hatte.

Am frühen Freitagmorgen wurde nach Angaben der spanischen Zeitung "El Pais" ein dritter Verdächtiger in Ripoll festgenommen. Später teilte die Polizei auf Twitter mit, einen vierten Verdächtigen gefasst zu haben.

Bei dem Anschlag in Barcelona waren am Donnerstag mindestens 14 Menschen getötet und 130 zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Im Badeort Cambrils rund 100 Kilometer südwestlich der katalanischen Hauptstadt erschossen Polizeikräfte wenige Stunden später fünf mutmaßliche Terroristen, die auf der Strandpromenade ebenfalls einen Pkw in die Menge lenkten. Den Angaben zufolge wurden in Cambrils sieben Menschen verletzt, darunter drei Polizisten.

Als Reaktion auf die Anschläge erhöhten die spanischen Behörden ihre Sicherheitsvorkehrungen in Madrid und Bilbao. Unter anderem wurden Betonblöcke an Fußgängerzonen und öffentlichen Plätzen aufgestellt, um sie vor heranrasenden Fahrzeugen zu schützen.

Ermittler suchen Terrorzelle

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Das Auto der mutmaßlichen Attentäter von Cambrils.

(Foto: dpa)

Aktuell gehen die Ermittler laut "El Pais" davon aus, dass die Anschläge von einer Terrorzelle mit zwölf Mitgliedern verübt worden seien. Fünf von ihnen starben demnach in Cambrils. Drei befinden sich in Gewahrsam - darunter Driss Oukabir; nach vier Verdächtigen werde noch gefahndet - unter anderen nach dem 17-jährigen Moussa Oukabir.

Unter den Festgenommen befindet sich derzeit auch ein Spanier aus der Exklave Melilla. Er wurde in Alcanar im Süden Kataloniens festgenommen. Dort hatte sich am Mittwochabend eine Explosion ereignet, bei der ein Mensch getötet worden war. Die Polizei vermutet, dass dort ein Sprengsatz vorbereitet wurde.

Rätselhafter Toter

Rätsel gibt der Polizei derzeit noch ein Toter in der Gemeinde Sant Just Desvern auf, die zehn Kilometer westlich von Barcelona liegt. Ursprünglich hieß es, der Mann sei erschossen worden, als er eine Straßensperre durchbrechen wollte und, dass er mutmaßlich keine Verbindung zu dem Terroranschlag habe.

Am frühen Morgen teilte der katalanische Innenminister allerdings mit, der Mann sei nicht an Schusswunden gestorben. Nach Angaben der Tageszeitung "La Vanguardia" saß er erstochen auf dem Beifahrersitz. Die Polizei fahnde nach dem flüchtigen Fahrer, der jetzt doch mit dem Anschlag in Verbindung stehen könnte.

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Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa