Politik

"Traumatisches Ereignis" Erste US-Ministerin verlässt Trump-Team

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Steht Trump bald alleine da?

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Zwei Wochen vor dem Ende von Trumps Amtszeit beginnen die ersten Absetzbewegungen enger Berater. Einige verweisen auf die Krawalle vom Vortag sowie die Reaktion des Präsidenten darauf.

Nach den massiven Ausschreitungen fanatischer Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump in Washington nehmen mehrere seiner Mitarbeiterihren Hut und verlassen ihre Posten. Während mancher seine Entscheidungen direkt mit den gewaltsamen Vorfällen am Vortag begründet, bleiben andere schmallippig. Fakt allerdings ist, dass viele von ihnen in einigen Wochen mit dem formalen Ende von Trumps Amtszeit ihren Posten ohnehin verloren hätten.

Prominenteste Mitglied im Team der Zurückgetretenen ist bislang Verkehrsministerin Elaine Chao. Die Erstürmung des Kapitols nach einer Rede des Präsidenten sei "ein traumatisches und absolut vermeidbares Ereignis" gewesen, sagte sie. "Es hat mich zutiefst und in einer Weise aufgewühlt, die ich einfach nicht verdrängen kann." Chao ist mit dem republikanischen Anführer im Senat, Mitch McConnell, verheiratet. Dieser war bei der Kongresssitzung zur Bestätigung des Wahlsieges von Joe Biden klar auf Distanz zu Trump gegangen.

In die Reihe derjenigen, die ihren Posten nun aufgeben, sortieren sich ferner unter anderen der US-Sondergesandte für Nordirland und ehemalige Stabschef des Weißen Hauses, Mick Mulvaney, ein. "Ich kann hier nicht bleiben, nicht nach gestern", sagte er dem Sender CNBC. Er habe Außenminister Mike Pompeo über seine Kündigung informiert.

Wer bleibt, fürchtet, es könnten Schlimmere kommen"

Auch Trumps führender Berater in der Russland-Politik, Ryan Tully, ist Regierungskreisen zufolge zurückgetreten. Weitere Rücktritte von Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrates seien zu erwarten, sagte ein Insider. Und wenig später folgte Trumps stellvertretender Nationale Sicherheitsberater Matt Pottinger das Weiße Haus, wie mehrere Medien berichteten. Zuvor hatten bereits der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Matt Pottinger und die Sprecherin der First Lady Melania Trump, Stephanie Grisham, gekündigt.

"Diejenigen die bleiben, und ich habe mit einigen gesprochen, tun dies nur, weil sie fürchten, dass der Präsident jemand Schlimmeren an ihre Stelle setzen könnte", sagte Mulvaney weiter. Der Sondergesandte war selbst von Trump als Stabschef abgesetzt worden, weil er im Oktober eingeräumt hatte, dass auf Anweisung des Präsidenten Militärhilfen für die Ukraine eingefroren worden seien.

Pence' Stabschef Zugang verweigert

Am Vortag waren Tausende Trump-Unterstützer gewaltsam ins Kapitol in Washington eingedrungen und hatten vorübergehend eine gemeinsame Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus unterbrochen, bei der die Wahl von Trumps Nachfolger Joe Biden bestätigt werden sollte. Bei den Ausschreitungen war eine Frau von der Polizei erschossen worden.

Trump verurteilte die Ausschreitungen bisher nicht. Stattdessen wurde dem Stabschef von Vizepräsident Mike Pence, Marc Short, nach Medienberichten der Zutritt zum Weißen Haus verwehrt. Dabei handelte es sich offenbar um einen Racheakt, weil Pence sich Trumps Wunsch widersetzt und den Wahlsieg von Joe Biden im Kongress offiziell anerkannt hatte.

Trump hatte seine Anhänger in den vergangenen Wochen wiederholt zu Protesten aufgerufen. Sein Nachfolger warf ihm eine Behinderung der Amtsübergabe vor. Biden soll am 20. Januar als 46. US-Präsident vereidigt werden.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP

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