Pressestimmen zum China-Besuch"Es gibt heute zwei echte Supermächte"

Über mehrere Tage ist Donald Trump im Reich der Mitte zu Gast. Der chinesische Staatschef übermittelt dem US-Präsidenten während des Besuchs beim Thema Taiwan eine eindeutige Botschaft. Die internationale Presse findet deutliche Worte.
"El Mundo" (Spanien): "Xi Jinping nutzte sein Treffen mit Donald Trump als Demonstration politischer, diplomatischer und symbolischer Stärke, die in einer direkten Drohung gegenüber Washington in Bezug auf Taiwan gipfelte. (...) Der zentrale Moment des Gipfels war die chinesische Botschaft zu Taiwan. Xi warnte, dass jede 'unangemessene' Vorgehensweise gegenüber der Insel zu einer äußerst gefährlichen Situation führen könnte."
"La Stampa" (Italien): "Willkommen also bei der G2. In Peking eingeweiht, vielleicht wird auch noch Platz für Wladimir (Putin) sein. Lebwohl G7. Trump ließ wissen, dass er per Video teilnehmen werde. Selbst wenn er seine Meinung ändern sollte, hat Mario Draghi recht: Europa steht allein da. Es muss sich schnell absichern. Die anderen warten nicht."
"The Times" (Großbritannien): "US-Präsident Donald Trump hat in seiner zweiten Amtszeit eine Kehrtwende in der China-Politik vollzogen. Ebenso wie der konfrontative Ansatz seiner ersten Amtszeit ist auch dieser Schritt das Ergebnis einer nüchternen Realitätsanalyse. Der Wendepunkt kam im vergangenen Sommer, als Trump versuchte, sich in einem eskalierenden Zollkrieg mit Peking durchzusetzen", so die britische Zeitung. "Bislang hat China die USA allerdings noch nicht in den Schatten gestellt. Angesichts der tiefgreifenden strukturellen Probleme Chinas und der anhaltenden wirtschaftlichen Dynamik Amerikas wird dies vielleicht auch nie geschehen. Doch der Wandel ist unübersehbar. Die Ära der unipolaren Weltordnung war nur von kurzer Dauer. Es gibt heute zwei echte Supermächte."
"Trouw" (Niederlande): "Dass China am Vorabend von Trumps Besuch verkündete, es brauche Amerika für seine weitere Entwicklung der künstlichen Intelligenz nicht mehr, verdeutlicht seine zunehmende Unabhängigkeit. So wird Amerika in immer mehr Teilen der Welt als ein Riese auf tönernen Füßen angesehen, der durch einen selbst geschaffenen Sumpf aus unvollendeten geopolitischen Interventionen und Ambitionen irrt. Genau das Gegenteil also von dem Bild, das Trump von sich hat."
"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz): "Xi hat recht, wenn er die USA dazu auffordert, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die beiden Mächte die sogenannte Thukydides-Falle vermeiden. Gemeint ist die Beschreibung des griechischen Historikers Thukydides, wonach die Angst Spartas vor dem Aufstieg Athens unweigerlich zum Peloponnesischen Krieg führte, der große Zerstörung anrichtete und beide Mächte schließlich in den kulturellen Niedergang trieb", so die Zeitung aus der Schweiz. "Offiziell hat sich Xi am Pekinger Gipfel mit Trump darauf geeinigt, die Thukydides-Falle vermeiden zu wollen und 'eine neue Vision von einem konstruktiven chinesisch-amerikanischen Verhältnis strategischer Stabilität zu verwirklichen'. Das ist zu begrüßen. Diagnose und Therapieansatz stimmen. Doch entscheidend ist, ob die Therapie auch wirkt und beide Seiten sie befolgen. "
"Les Échos" (Frankreich): "Aus europäischer Sicht ist es dramatisch, dass diese beiden Staatschefs Entscheidungen zu Themen wie Handel und Naher Osten treffen, die Europa direkt betreffen, ohne dass es dabei ein Mitspracherecht hat. Wurde Europa in den Gesprächen zwischen den beiden Staatschefs überhaupt erwähnt? Das erinnert an das Duo Trump-Putin, das über den alten Kontinent hinweg über die Ukraine verhandelt (obwohl es Europa ist, das für die Verteidigung Kiews aufkommt)."