Politik

Umfragewerte fallen "Es sieht nicht gut aus für Trump"

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Trump macht aus seiner Rückkehr ins Weiße Haus eine große Show.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Trumps Kalkül geht so: Wenn seine Fans ihn massenhaft wählen, reicht es für den Sieg. Darum muss er sich nicht um neue oder Wechselwähler kümmern. Doch erste Umfragewerte seit der Covid-Diagnose zeigen stärkere Verluste als je zuvor. Hat Trump aufs falsche Pferd gesetzt?

Auch wenn Donald Trump seine Entlassung aus dem Krankenhaus am Dienstag wie die Rückkehr nach einem siegreichen Feldzug inszenierte: Nach den neuesten Umfragen läuft die heiße Wahlkampfphase, in die nun seine Corona-Infektion hineinfiel, alles andere als rund für den US-Präsidenten. Demnach liegt sein demokratischer Rivale Joe Biden in sieben von acht Battleground-States - also den hart umkämpften Bundesstaaten, in denen beide Parteien Chancen auf einen Wahlsieg haben - derzeit vorn. Mit acht Prozentpunkten Vorsprung könnten die Demokraten in Michigan und Wisconsin komfortabel siegen. In New Hampshire würde Biden derzeit sogar mit 10 Prozentpunkten Vorsprung gewinnen.

So gerät Trump bei den ersten Umfragewerten nach seiner Corona-Infektion in deutlichen Rückstand, auch wenn seine Unterstützer, darunter auch der Fernsehsender Fox News, sein Verhalten grundsätzlich positiv interpretieren. "Es ist praktisch egal, was Trump macht, es bekommt immer einen positiven Spin", sagt der USA-Experte Simon Wendt von der Universität Frankfurt ntv.de. "In diesem Fall wird er als Held gefeiert, der sich mutig dem Virus entgegengeworfen hat."

Doch die jüngsten Umfragen sprechen dafür, dass immerhin zwei Drittel der US-Bürgerinnen und Bürger es für einen Fehler halten, dass sich Trump unnötig einem Infektionsrisiko ausgesetzt hat. Unter diesen Kritikern müssen rein zahlenmäßig auch moderate Republikaner und Unentschlossene sein.

"Ich denke, Wähler, die noch überlegt haben, ob sie für Trump stimmen oder nicht, könnte das bewogen haben, nun zu Biden zu tendieren", mutmaßt Wendt. "Es sieht überhaupt nicht gut aus für Trump." Laut "New York Times" zeigen die Umfragen das schlechteste Ergebnis für den Präsidenten bislang. Würden die Wählerinnen und Wähler exakt gemäß ihrer Antwort in der Umfrage abstimmen, dann hätte Biden die Stimmen von 375 Wahlleuten gegenüber 163 für Donald Trump.

Für Biden steht es 319 zu 219

Die Erfahrung aus dem Duell Trump: Clinton von 2016 zeigt allerdings, dass Wahlergebnisse von den Umfragewerten stark abweichen können. Die Statistiker der "Times" haben solche Abweichungen darum in eine zweite Prognose mit eingerechnet. Doch selbst um diesen Wert bereinigt bliebe für Biden immer noch ein Sieg mit 319 Stimmen zu 219. "Über Monate hat Trump in erster Linie versucht, seine Stammwähler zu mobilisieren. Sie sollten so massenhaft zur Wahl gehen, dass er die Mehrheit im Electoral College (dem Wahlgremium) gewinnen kann. Mittlerweile zeigt sich, dass dieser Plan wohl nicht aufgehen wird."

Da erscheint der Rückschlag, den der Präsident nun auch noch beim Thema Impfung erleidet, fast nur noch als Fußnote: Seit Beginn der Pandemie hatte Trump das Coronavirus als ein Problem dargestellt, gegen das es eine ganz simple Lösung gibt: die Entwicklung eines Impfstoffs. Kein großes Ding aus Sicht des Präsidenten, der öffentlich versprach, ein geeignetes Präparat werde noch vor dem Wahltermin am 3. November zugelassen werden.

Um diese Zusage einhalten zu können, hatte Trump laut US-Medien bei der Arzneimittelbehörde FDA Druck gemacht und versucht, deren Richtlinien für Zulassungen abzuschwächen. Doch seit die FDA am Dienstag ihre Bestimmungen für die beschleunigte Zulassung eines Corona-Impfstoffs veröffentlichte, ist klar: Vor dem 3. November wird es nichts mehr. In der letzten Testphase, in der sich die Präparate zweier US-Unternehmen befinden, muss eine Nachbeobachtungszeit von zwei Monaten eingehalten werden. Damit wird es für beide Hersteller unmöglich, noch vor dem Wahltag ihr Präparat auf den Markt zu bringen.

"Von seinen Stammwählern wäre ein Impfstoff gefeiert worden", doch zusätzliche Stimmen hätte er Trump nach Einschätzung von Simon Wendt nicht gebracht. Eine Mehrheit in den USA sei immer skeptisch gewesen angesichts der extrem schnellen Entwicklung dieser Präparate, die statt fünf bis zehn Jahre nun nur einige Monate in Anspruch nehmen sollte. In erster Linie gehe es nun darum, die vielen Skeptiker zu überzeugen, dass der Impfstoff sicher ist. "Eine schnelle Zulassung hätte Trump in der Hinsicht vielleicht sogar geschadet." Der Präsident allerdings sieht sich durch die neuen Zulassungsrichtlinien in seiner Strategie behindert. Er twitterte, dies sei eine "weitere politische Attacke" auf ihn als Präsidenten.

Quelle: ntv.de