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Auch wenn der Brexit scheitert Europa sieht Diskussionsbedarf

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Das historisches EU-Referendum spaltet Großbritannien

(Foto: dpa)

Wie auch immer das Referendum ausgeht, ein "Weiter so" soll es nach dem Weckruf der Briten nicht geben. Das sagen zumindest viele Politiker. Die Rede ist sogar von einem Konklave der Staats-und Regierungschefs.

In der EU mehren sich die Stimmen, die unabhängig vom Ausgang des britischen EU-Referendums dafür plädieren, grundsätzlich über die Europäische Union nachzudenken. Ein "Weiter so" könne es nicht geben, hieß es über die Parteigrenzen hinweg.

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici forderte, die EU tiefgreifend zu reformieren. "Wir müssen Europa grundlegend verändern", sagte der französische Sozialist den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Europa brauche "einen Neustart". Moscovici fügte hinzu: "Es ist klar, dass Europa weniger populär ist als es einmal war." "Die Menschen" seien von Europa enttäuscht. "Es wäre allerdings die falsche Antwort, die EU aufzugeben. Wir brauchen eine europäische Zusammenarbeit, die Jobs und Wachstum schafft, die Flüchtlingskrise löst und die Außengrenzen sichert", sagte der Kommissar. "Das ist die Lehre aus dem britischen Weckruf. Wir müssen zuhören - und verstehen, was die Bürger wollen."

Europas Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte im Fernsehsender Phoenix: "Wir können uns nicht zurücklehnen, ein "Weiter so" ist ausgeschlossen. Wir müssen liefern, was die Bürger von uns erwarten." Auch der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, hatte für eine "Reflexionsphase" plädiert. "Wir müssen nachdenken. Was läuft schief? Wie konnte es dazu kommen?", sagte der CSU-Politiker in Brüssel.

Der belgische Premier Charles Michel forderte sogar ein Konklave der europäischen Staats- und Regierungschefs. Ein solches Extra-Treffen der Chefs könnte ein "Zeichen der Hoffnung" sein, sagte der liberale Regierungschef dem belgischen Sender VRT. Auch Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sagte, man könne "nicht so weitermachen, als wäre nichts geschehen." Es habe bereits einen Bruch gegeben, sagte er in Rom.

Deutsche bemängeln das Kleinklein

Rund die Hälfte der Deutschen bemängelt laut einer Sparkassen-Umfrage, dass die EU zu viele Dinge entscheide, die die Staaten selbst bestimmen sollten. Dies gelte etwa für die Landwirtschaft und Sozialpolitik. Dennoch finden 86 Prozent die Grundidee der Europäischen Union nach wie vor gut und halten den offenen Binnenmarkt, die Sicherung des Friedens und den Euro für die größten Vorteile der EU.

An einen Austritt der Briten aus der Europäischen Union wollte am späten Nachmittag kaum noch jemand denken. Kurz vor dem Urnengang gab es eine Bewegung der Wähler hin zum Erhalt des Status quo. Das belegen letzte Umfragen mehrerer Institute. Ein in Brexit hätte die EU in die vermutlich schwerste Krise ihrer Geschichte gestürzt. Belastbare Ergebnisse des Referendums sollen aber erst am frühen Freitagmorgen vorliegen.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/rts

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