Politik

Nouripour stellt Iran-Forderungen"Europäer schauen zu wie ein Pingpong-Schiedsrichter"

23.04.2026, 11:20 Uhr
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Bundestags-Vizepräsident Nouripour fordert die deutsche Regierung auf, sich stärker im Iran-Konflikt zu engagieren. "Wir werden bisher nicht gehört", ist er sich sicher. Zudem müsse Deutschland dringend eine Kerosin-Reserve aufbauen.

Deutschland und Europa sollten mehr Initiative im Iran-Konflikt zeigen und eine Kerosin-Reserve aufbauen - das fordert der in Teheran geborene Grünen-Politiker Omid Nouripour vor dem EU-Gipfel in Zypern. "Die Europäer schauen zu wie ein Pingpongschiedsrichter und dann gucken sie sich an, wie die Bälle übers Netz fliegen, statt eigene Vorschläge zu machen", sagte Nouripour im ntv Frühstart. Es sei notwendig, "dass die Europäer sich einen Plan machen, auch eine Flagge aufstellen, dass sie bereit sind, sich zu engagieren, damit es vorangeht", so der Bundestagsvizepräsident. Bundeskanzler Friedrich Merz wird am Abend zu dem EU-Spitzentreffen nach Zypern fliegen.

Nouripour sagte, die Europäer müssten mehr miteinander reden und nicht nur darüber, "wie schrecklich das gerade ist, sondern vor allem strategisch darüber nachdenken, welche Initiativen wir ergreifen sollen, damit wir gehört werden", meint der Grünen-Politiker. Für ihn steht fest: "Wir werden bisher nicht gehört." Es brauche beispielsweise dringend mehr Reiseaktivitäten, denn wer nicht vor Ort sei, wenn man keine Solidarität zeige, dann kriege man auch keine zurück. "Diplomatie ist: Reden, reden, reden, bis man ein Ergebnis erzielt hat", so Nouripour.

Der Grünen-Politiker bedauert, dass die Bundesregierung sich an diesem Mittwoch nicht mit dem iranischen Oppositionellen Reza Phlavi trifft. "Ich finde, dass man mit der demokratischen Opposition von allen Staaten, in denen wir Interessen haben, und dazu gehört der Iran, auch sprechen sollte", sagte er. Pahlavi ist der Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien. An diesem Mittwoch wird er in Berlin Gespräche mit Bundestagsabgeordneten führen, darunter Armin Laschet, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses.

Kerosin-Reserve gefordert

"Pahlavi hat tatsächlich in den letzten Monaten immer wieder sehr viel Hoffnung mit sich verbinden können. Sein Name ist im Iran sehr oft gerufen worden", sagt Nouripour. Es gebe einige Leute im Iran, die Pahlavi jetzt gut gewogen seien. "Am Ende ist doch die entscheidende Frage, ob die Menschen im Iran die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wer das Land anführt", so Nouripour weiter.

Derweil müssen auch hierzulande mehr Vorkehrungen getroffen werden, um beispielsweise einen möglichen Treibstoffmangel für den Luftverkehr zu verhindern. "Eigentlich muss man jetzt ganz dringend massiv Kerosin-Reserven aufbauen und verstärken, damit unsere Flugflugzeuge in die Luft gehen und damit die Luftverkehrsindustrie nicht vor die Hunde kommt", sagt er. Es sei gut, dass sich mittlerweile eine Staatssekretärsrunde der Bundesregierung um diese Fragen bemühe. Schließlich habe ihn das Agieren von Bundeswirtschaftsministerin Reiche bisher verwundert: "Ihre erste Reaktion war: Wieso? Es gibt doch gerade genug Kerosin. Da geht es aber nicht darum, ob wir jetzt in diesem Augenblick genug Kerosin haben, sondern wie sieht es eigentlich in einer Woche aus."

Quelle: ntv.de, msc

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