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Skripal konnte nach einem wochenlangen Kampf die Klinik verlassen.
Skripal konnte nach einem wochenlangen Kampf die Klinik verlassen.(Foto: imago/i Images)
Freitag, 18. Mai 2018

Nach Anschlag mit Nervengift: Ex-Doppelagent Skripal verlässt Klinik

Der vergiftete ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal ist aus dem Krankenhaus in England entlassen worden. Seine ebenfalls vergiftete Tochter Julia konnte schon vor einigen Wochen die Klinik verlassen.

Wochenlang kämpfte er um sein Leben, nun hat der vergiftete Doppelagent Sergej Skripal das Krankenhaus in Salisbury verlassen. Das bestätigte die Klinik der britischen Agentur PA. Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam.

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London vermutet die russische Regierung hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion und seine Tochter. Wochenlang war unklar, wie es um die Gesundheit des Agenten stand. "Es ist fantastisch, dass Sergei Skripal fit genug ist, um das Salisbury District Hospital zu verlassen", sagte die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Cara Charles-Barks.

Mit der Aufklärung des Mordversuchs an den Skripals beschäftigte sich auch die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Sie ließ Blutproben der Opfer und das verwendete Gift in unabhängigen Labors analysieren und bestätigte in einem Report die Ergebnisse britischer Experten. Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer für den Anschlag verantwortlich ist.

Anschlag löste diplomatische Krise aus

Nowitschok ist ein extrem gefährliches Nervengift. Toxikologen halten chronische Folgen und erst später auftretende Schäden für möglich.  Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

Der Fall hat eine diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten ausgelöst. Viele Regierungen wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen antwortete.

"Spuren führen in der Summe nach Russland"

Trotz neuer Erkenntnisse über die Verbreitung des Nervengifts Nowitschok sieht die Bundesregierung die Verantwortung für den Fall Skripal weiterhin in Moskau. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, der Wirkstoff sei in der Indizienkette stets nur "ein Element von mehreren" gewesen. Es gebe eine ganze Reihe anderer Spuren, die in der Summe nach Russland führten.

Jüngsten Medienberichten zufolge hatte sich der Bundesnachrichtendienst (BND) Mitte der 90er Jahren eine Probe des gefährlichen Kampfstoffes verschafft. Verschiedene Politiker sehen deshalb die Theorie erschüttert, wonach nur Russland einen derartigen Anschlag hätte verüben können.

Quelle: n-tv.de