CDU wird "hoch pokern"Experte: Özdemir wird bei Verhandlungen "hohen Preis bezahlen müssen"

Mit einem ganz knappen Vorsprung kommen die Grünen in Baden-Württemberg vor der CDU ins Ziel. Für Koalitionsgespräche erwarten Experten daher schwierige Verhandlungen. Das könnte neue Konflikte hervorrufen.
Nach dem äußerst knappen Vorsprung der Grünen bei der Landtagswahl erwarten Experten in den anstehenden Koalitionsgesprächen ein hartes Feilschen der CDU um Ämter und Einfluss. "Die CDU hat jetzt natürlich die Möglichkeit, den Preis für eine Koalitionsbildung nach oben zu treiben", sagte der Freiburger Politikwissenschaftler Michael Wehner. "Sie wird hoch pokern, um wichtige Ministerposten zu bekommen."
Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir werde "einen hohen Preis bezahlen müssen", sagte Wehner. Das werde zumindest Teile seiner eigenen Partei alles andere als befrieden. Es könne aber auch keine der Parteien Interesse daran haben, alles so auszureizen, dass eine Koalitionsfähigkeit infrage stehe.
Auch Joachim Behnke, Professor für Politikwissenschaft an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, rechnet mit schwierigen Gesprächen: "Die CDU wird sehr hart gegenüber den Grünen auftreten, weil sie auf Augenhöhe sind", sagte er.
"Da können sie sehr starke Forderungen stellen, und Özdemir wird in seiner Partei noch stärker unter Druck geraten." Die CDU wird nach Einschätzung Behnkes zudem wenig kompromissbereit auftreten, weil sie wegen des Wahlkampfs noch verbittert sei.
Die Grünen hatten mit ihrem Kandidaten Cem Özdemir mit knappem Vorsprung die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Die CDU kommt nach dem vorläufigen Endergebnis nur auf Platz zwei, wie die Landeswahlleiterin in der Nacht mitteilte. Demnach holten die Grünen 30,2 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU lag knapp dahinter mit 29,7 (24,1).
Die Grünen und auch die CDU erhalten demnach jeweils 56 Sitze im Landtag. Sie stellen also gleich viele Abgeordnete, auch wenn die Grünen nach Zweitstimmen gewonnen haben.