Politik

Kühlzug kühlt nicht Experten sehen Unbeschreibliches

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Die Rebellen haben sich bereiterklärt, den Zug noch heute fahren zu lassen.

REUTERS

Seit Sonntag werden die sterblichen Überreste der Opfer von Flug MH17 in Kühlwagen gelagert. Der Zug wurde bislang von Rebellen blockiert. Untersuchungen der OSZE vor Ort offenbaren ein furchtbares Bild. Immerhin: Der Zug soll noch heute rollen.

Am Absturzort der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine haben niederländische Ermittler mit der Untersuchung der Leichen begonnen. Alle fünf Waggons des unweit vom Absturzort stehenden Zugs unter Kontrolle der prorussischen Separatisten wurden geöffnet und die darin liegenden Leichen von jeweils zwei Männern mit Atemmasken untersucht. Entgegen bisherigen Darstellungen der Aufständischen war nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) von einer Kühlung der sterblichen Überreste in ihren schwarzen Säcken jedoch nichts zu merken.

Den mit Stirnlampen ausgerüsteten Ermittlern sei bei ihrer Untersuchung starker Verwesungsgeruch entgegengeschlagen. Der Gestank in den Waggons sei so penetrant, dass mehrere Umstehende und auch Vertreter der Rebellen ins Taumeln geraten seien.

Die Bundesregierung bezeichnete die Situation vor Ort als unerträglich. "Was wir da an Bildern gesehen haben von der Absturzstelle, spottet im Grunde jeder Beschreibung", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, in Berlin. Er kritisierte unter anderem, dass die prorussischen Separatisten Leichen und Leichenteile von Opfern des Absturzes immer noch nicht freigegeben hätten. Zudem hätten "Dutzende Journalisten die Gelegenheit bekommen, Beweismittel zu zertrampeln". Die internationalen Beobachter der OSZE würden daran gehindert, ihre Arbeit zu machen. "All das sind Dinge, die zurecht die Weltöffentlichkeit empören", sagte Schäfer.

Zug soll noch heute rollen

Derweil hat die ukrainische Regierung die Leitung der Ermittlungen den niederländischen Experten überlassen. Die weitaus meisten Opfer stammten aus den Niederlanden, daher könne das Land auch die Koordinierung der Ermittlungen übernehmen, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Kiew sei auch bereit, "alle Leichen nach Amsterdam zu überstellen", um fachgerechte Autopsien zu ermöglichen. Von 272 gefundenen Leichen befänden sich inzwischen 251 in dem Zug.

Der offenbar nicht funktionierende Kühlzug soll nach Angaben der niederländischen Experten noch heute den von Separatisten kontrollierten Bahnhof Tores verlassen. Er wolle, dass der Zug an einen Ort fahre, "wo wir unsere Arbeit machen können", sagte der Chef des Identifizierungsteams.

Kiew befiehlt einseitige Feuerpause

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat der Armee unterdessen befohlen, die Kampfhandlungen um den Absturzort unverzüglich einzustellen. "Ich habe angeordnet, dass die ukrainischen Militärs in einem Radius von 40 Kilometern vom Ort der Tragödie keine Operationen durchführen und das Feuer nicht eröffnen dürfen", sagte er in Kiew. Poroschenko sprach sich auch für die Beteiligung russischer Experten an der Untersuchung des Absturzes aus. Ziel sei "maximale Transparenz".

Kremlchef Wladimir Putin wies erneut eine Verantwortung Russlands für den Absturz der Boeing 777-200 zurück und warnte vor einem "Missbrauch" der Katastrophe. Der Kreml habe alle Konfliktseiten mehrfach aufgerufen, die Gefechte einzustellen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen.

Das Passagierflugzeug von Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord war am Donnerstagabend im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Die Staatsführung in Kiew und die prorussischen Separatisten in der Region bezichtigen sich gegenseitig, die Maschine abgeschossen zu haben.

n-tv.de berichtet in einem Liveticker über die Geschehnisse in der Ukraine.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP/dpa/rts

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