Politik

Spahns neues Corona-Konzept Fieberambulanzen und Massentests

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Spezielle Zentren sollen Menschen mit Symptomen einer Atemwegserkrankung untersuchen und auf Covid-19 testen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gesundheitsminister Spahn will Deutschland für den befürchteten Anstieg der Corona-Infektionszahlen rüsten. Fieberambulanzen sollen den Ansturm auf die Hausärzte abfedern, wenn Covid-19 auf die Grippesaison trifft. Auch sind deutlich mehr Tests geplant.

Im Herbst und Winter wird es einige neue Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus geben. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt. Der CDU-Politiker will sogenannte Fieberambulanzen einrichten, wie der Deutschlandfunk berichtet. Spahn sagte dem Sender, solche Fieberambulanzen sollten als Anlaufstellen für Menschen mit Atemwegserkrankungen funktionieren. Als Testzentren ausgestattet sollten sie entweder außerhalb der Praxen oder als Schwerpunktpraxen mit Sprechzeiten zu finden sein. "Alle, die typische Symptome wie Husten oder Fieber haben, können sich an sie wenden."

Der Minister erinnerte daran, dass im Herbst und Winter eines Jahres die Zahl der Erkältungs- und Grippeerkrankungen ohnehin stark anstiegen. Dieses Jahr reihe sich Covid-19 in die Liste der Atemwegserkrankungen ein. Die Fieberzentren sollten gezielt testen, um welche dieser Erkrankungen es sich handelt und ob Maßnahmen wie eine Quarantäne eingeleitet werden müssen.

In erster Linie würden so andere Patienten in den Wartezimmern geschützt und Hausärzte entlastet. "Wir wollen nicht, dass es im Gesundheitswesen selbst die höchsten Ansteckungszahlen gibt", so Spahn. Aus diesem Grund halte er die speziellen Zentren für Atemwegserkrankungen auch nach Corona für sinnvoll. Konzeptionell gebe es solche Fieberzentren schon, er setze aber darauf, "dass die Kassenärztlichen Vereinigungen solche zentralen Anlaufstellen vor Ort anbieten werden". Idealerweise sollte es sie ab Herbst flächendeckend auf regionaler und lokaler Ebene geben.

Expertenrunde soll Vorschlag zu Impfstoff-Verteilung machen

Außerdem sollten Antigen-Schnelltests ab Mitte Oktober Bestandteil einer neuen Test- und Quarantänestrategie werden, sagte der Gesundheitsminister in einem Interview mit der "Rheinischen Post". Diese könnten eine akute Infektion innerhalb von 15 bis 20 Minuten nach einem Nasenabstrich oder einer Speichelprobe anzeigen. Bekannt ist jedoch, dass die Ergebnisse solcher Schnelltests noch nicht so sicher sind wie die der üblichen PCR-Tests. "Die Schnelltests werden aber immer besser und können millionenfach eingesetzt werden. Diese Möglichkeit der Massentests haben wir mit den PCR-Tests nicht, da die Kapazitäten der Labore sowie die vorhandenen Test-Kits schnell erschöpft sind", so Spahn.

Die Antigen-Schnelltests sollten daher zwar nur ergänzend, dafür aber flächendeckend an sensiblen Orten wie Pflegeheimen oder bei Reiserückkehrern eingesetzt werden. Zwingend sollten die Tests dennoch nicht sein. "Sie sind ein Angebot, sich regelmäßig testen zu lassen."

*Datenschutz

Auf die Frage nach einem Impfstoff erklärte der Minister im Deutschlandfunk: "Wenn es einen sicheren Corona-Impfstoff gibt, wird dieser nicht von Anfang an für alle reichen." Es müsse daher entschieden werden, wer als Erster vom Impfstoff profitiert und wer zunächst wieder weggeschickt wird. Diese Priorisierung möchte Spahn nicht alleine treffen. Er stelle dafür eine Expertenrunde aus Vertretern des Ethikrats, der Impfstoffkommission und der Wissenschaftsakademie "Leopoldina" zusammen. "Diese Entscheidung muss gut fundiert und begründet werden." Eine zukünftige Corona-Impfung solle, wie schon die Tests, freiwillig sein, um in der ganzen Bevölkerung akzeptiert zu werden.

"Mit dem derzeitigen Stand können wir gut umgehen"

Besorgt zeigte sich der Minister über die Dynamik der Corona-Infektionen in Frankreich, den Niederlanden und Spanien. Europa sei sehr mobil und Deutschland liege mittendrin, über den Grenzverkehr könnten die höheren Infektionszahlen schon bald in die Bundesrepublik kommen. Auch wenn aktuell viele junge Menschen infiziert seien, bei denen die Krankheit deutlich seltener schwer verlaufe, bestehe die Gefahr, dass sie Ältere ansteckten.

"Wenn man das ganze Bild macht, ist das Ganze eine Situation, mit der wir Stand heute gut umgehen können", erklärte der CDU-Politiker mit Blick auf die derzeitige Lage in Deutschland. "Wir haben mehr freie Intensivbetten als Frankreich und Spanien insgesamt." Die Kooperation der Krankenhäuser untereinander habe in der Krise besser funktioniert denn je. Durch diesen Austausch und ein gut funktionierendes Online-Register ließen sich regionale Ausbrüche besser steuern.

Die Intensivbetten, die derzeit wieder für planbare Behandlungen freigegeben werden, könnten schnell wieder für Covid-19-Patienten umgerüstet werden. Auch wurde laut Spahn neues Gesundheitspersonal ausgebildet. Drei Milliarden Euro steckte der Bund mithilfe seines Konjunkturprogramms in die Krankenhäuser. Insbesondere die digitale Infrastruktur der Kliniken solle damit noch verbessert werden.

Quelle: ntv.de, spl