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Heftige Kämpfe um syrisches Dorf "Finale Schlacht" gegen IS beginnt

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Ein Soldat der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Juli 2017.

(Foto: picture alliance / Morukc Umnabe)

Einst hielt die Terrormiliz IS eine riesige Fläche in Syrien. Nun greift ein kurdisch-arabisches Bündnis das letzte Dorf in Syrien an, in dem noch Hunderte Kämpfer vermutet werden.

Bei der geplanten Eroberung der letzten IS-Bastion im Osten Syriens hat sich ein von den USA unterstütztes kurdisch-arabisches Bündnis nach Angaben von Aktivisten heftige Kämpfe mit der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) geliefert. Es habe am Sonntagmorgen "heftige Zusammenstöße" gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die ihre Informationen aus einem Netzwerk von Informanten vor Ort bezieht. Stellungen der Dschihadisten seien aus der Luft und mit Artillerie angegriffen worden.

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"Die Schlacht dauert an", sagte der Leiter der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hatten am Samstag den Beginn ihrer "finalen Schlacht" gegen den IS im Osten Syriens bekanntgegeben.

IS-Kämpfer kontrollieren laut SDF in der Provinz Deir Essor noch ein etwa vier Quadratkilometer großes Gebiet, das vom Dorf Baghus bis an die irakische Grenze reicht. Dort werden noch bis zu 600 IS-Kämpfer vermutet. Aktivisten und Medien zufolge sollen sich in Baghus auch ausländische Anführer der Extremisten aufhalten.

Hunderte Familien eingeschlossen

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind in Baghus im Osten des Bürgerkriegslandes Hunderte Familien eingeschlossen. Ein Reporter des US-Senders CNN vor Ort meldete unter Berufung auf nicht näher genannte Offiziere, in Baghus könnten sich bis zu 1500 Zivilisten aufhalten.

Die Offensive zur Vertreibung der Dschihadisten aus Deir Essor hatte bereits im September begonnen. Der Vormarsch der SDF-Kämpfer wurde zuletzt gestoppt, weil der IS nach Angaben des kurdisch-arabischen Kampfbündnisses Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchte. Mit Hilfe von Luftangriffen vor allem der USA hatten die SDF-Truppen in den vergangenen Monaten große Gebiete vom IS erobert. Mittlerweile haben die Dschihadisten ihr früheres Herrschaftsgebiet fast vollständig verloren.

Kritik an Trumps Abzugsplänen

Ein Sieg über den IS in Baghus würde auch die Pläne von US-Präsident Donald Trump erleichtern, die rund 2000 amerikanischen Soldaten aus Syrien abzuziehen. Am Mittwoch hatte er erklärt, er rechne in naher Zukunft, eventuell schon nächste Woche, mit einer vollständigen Rückeroberung der IS-Gebiete. Einen offiziellen Zeitplan hat Trump bislang nicht vorgelegt. Das "Wall Street Journal" berichtete in der vergangenen Woche, der Abzug solle Ende April abgeschlossen sein.

Trumps Abzugspläne haben international massive Kritik ausgelöst. Militärs und Beobachter warnen, der IS sei trotz der Gebietsverluste noch nicht besiegt und könne wiedererstarken. In einem kürzlich vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten Bericht heißt es, der IS bleibe aktiv und könne in sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben. Die Zahl der verbliebenen IS-Kämpfer im Osten Syriens wird darin auf 2000 geschätzt. Viele von ihnen sind in den großen Wüstengebieten untergetaucht, von wo aus sie Angriffe nach Guerillataktik verüben. IS-Kämpfer sollen sich auch unter Flüchtlinge gemischt haben.

Die Kämpfe gegen den IS im Osten des Landes haben nach UN-Angaben mehr als 25.000 Menschen in die Flucht getrieben. Die meisten von ihnen seien Frauen, Kinder und Ältere, meldete das UN-Koordinierungsbüro Ocha. Mindestens 35 Kinder starben wegen der extrem harten Bedingungen auf der Flucht.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP

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