Politik

Untergang vor Rhodos Flüchtlingsschiff kracht gegen Felsen

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Viele der Flüchtlinge könne nicht schwimmen. Da sind selbst 100 m vom Strand eine unüberwindbare Strecke.

(Foto: imago/Xinhua)

Vor einem Strand der griechischen Touristeninsel Rhodos zerschellt ein Flüchtlingsschiff und sinkt. Die Passagiere klammern sich an Bootsteile, um auf diesen an Land gespült zu werden. Kanzlerin Merkel will dem Drama nicht länger tatenlos zusehen.

Vor der Küste der griechischen Insel Rhodos ist ein Schiff mit Dutzenden Flüchtlingen an einem Felsen zerschellt. Mindestens drei Menschen starben, darunter ein vierjähriges Kind, wie die Küstenwache mitteilte. Weitere 93 seien aus dem Wasser gerettet worden, 30 von ihnen kamen ins Krankenhaus. Taucher entdeckten im Wrack keine weiteren Menschen, wie es hieß.

Nach ersten Erkenntnissen der Küstenwache kam das Schiff offenbar aus der Türkei. Das Boot lief rund 100 Meter vor dem beliebten Badestrand Zefyros auf Felsen auf und zerschellte. Augenzeugen gaben an, die Flüchtlinge klammerten sich an Teile des Schiffes, um auf diesen die Küste zu erreichen. Auch Inselbewohner sollen sich an der Rettung beteiligen. Über die Nationalität der Menschen wurde zunächst offiziell nichts bekannt. Augenzeugen sagten im örtlichen Rundfunksender, viele von ihnen seien aus Syrien. Es seien aber auch Menschen aus Eritrea und Somalia unter den Flüchtlingen. In ersten Berichten war von rund 300 Passagieren die Rede. Bestätigt ist das bislang nicht.

Merkel schließt Notprogramm nicht aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief am Montag zu sofortigen Maßnahmen auf, um den Tod weiterer Flüchtlinge im Mittelmeer zu verhindern. "Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass weitere Opfer im Mittelmeer vor unserer Haustür umkommen auf quälende Art und Weise", sagte Merkel auf einer Veranstaltung mit Nichtregierungsorganisationen in Berlin. "Das vereinbart sich nicht mit unseren Werten", daher müssten die Anstrengungen zur Rettung der Menschen verstärkt werden, sagte die CDU-Chefin weiter.

Merkel kündigte zugleich einen verstärkten Kampf gegen Schleuser und Schlepper an, "die Menschen in Gefahr und Tod bringen". Auch an der Überwindung von Fluchtursachen solle intensiv gearbeitet werden. Merkel verwies dabei auf die zeitgleichen Beratungen der EU-Außen- und Innenminister in Luxemburg. Sie schloss aber auch einen Sondergipfel der EU nicht aus, wie ihn bereits Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi gefordert hat. "Wir sind uns insgesamt schuldig, dass wir hier mehr tun", hob Merkel hervor. Angesichts der Katastrophen schließe die Bundesregierung eine neue EU-Seenotrettungsmission im Mittelmeer nicht mehr aus.

Zustrom ebbt nicht ab

Über die Ägäis versuchen Schleuserbanden immer wieder, Migranten und Flüchtlinge von der türkischen Küste nach Westeuropa zu bringen. Allein in den vergangenen 48 Stunden waren auf den Ägäisinseln nach offiziellen Angaben 454 Migranten angekommen.

Erst in der Nacht zum Sonntag war der italienischen Küstenwache zufolge ein Fischerboot mit Hunderten Flüchtlingen an Bord in der Nacht etwa 70 Seemeilen vor der libyschen Küste gekentert. 24 Leichen wurden demnach geborgen, 28 Menschen gerettet. Die Suche nach Vermissten im Mittelmeer dauert an. Befürchtet werden bis zu 950 Tote.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/rts

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