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Von der Bundeswehr aussortiert Förster kauft Laptop mit vertraulichen Daten

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Ein Artillerie-Raketenwerfer vom Typ Mars feuert während einer Informationslehrübung ein Geschoss ab.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Die Pannen bei der Bundeswehr scheinen nicht abzureißen. Ein Förster bekommt mit dem Kauf eines gebrauchten Laptop gratis die Bedienungsanleitung für den Raketenwerfer "Mars" dazu. Dem Mann ist das nicht geheuer. Er schickt das Gerät mit den vertraulichen Daten zurück.

Die Bundeswehr soll nach einem Medienbericht einen gebrauchten Laptop verkauft haben, auf dem noch vertrauliche Informationen waren. Dabei handele es sich um die als "Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch" eingestufte Bedienungsanleitung für den Raketenwerfer "Mars", berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Anscheinend sei die Festplatte vor dem Verkauf nicht gelöscht worden. Das Verteidigungsministerium teilte der Zeitung mit, aus der Beschreibung des Raketenwerfers könnten "keine kritischen Erkenntnisse abgeleitet werden".

Dem Bericht zufolge betreibt die Verwertungsgesellschaft des Bundes, kurz Vebeg, eine Online-Plattform, auf der Firmen und Bürger auf Gebrauchtwaren aus den Beständen tausender staatlicher Stellen bieten können. Neben Baggern, Bürocontainern oder Schiffen kann sich der Höchstbietende auch Bürotechnik oder Funkgeräte zulegen. Das Unternehmen habe nach eigenen Angaben durch Weiterverkäufe seit seiner Gründung 1951 knapp drei Milliarden Euro erzielt. Der größte Teil der Waren stamme aus Beständen der Bundeswehr.

Förster knackt Passwort

In dem beschriebenen Fall hatte der Käufer, ein oberbayerischer Förster, auf dem speziellen Online-Marktplatz 2018  vier gebrauchte Laptops ersteigert. Die älteren, aber robusten Geräte waren gut für seine Arbeit im Wald geeignet. Als er das erste Gerät startete, war demnach noch das Betriebssystem installiert. Durch Eintippen des letzten Benutzernamens als Passwort ließ es sich sogar entsperren. Dann konnte der Mann die vollständige Betriebsanleitung für den Raketenwerfer "Mars" sehen, der dem Bekämpfen von weichen und halbharten Flächenzielen dient.

Im März meldete der verunsicherte Mann seinen Fund dem Ministerium. "Ich möchte diese Dokumente in Hände zurückgeben, in die sie gehören und die damit entsprechend verantwortungsvoll und sorgfältig umgehen", schrieb er dem Blatt zufolge an die Beamten. Als Antwort erhielt er eine Erklärung für den offensichtlichen Fehler: Die Laptops des Försters seien falsch kodiert gewesen. Beim Verkauf von IT-Hardware lege eine Kodierung fest, wie die Geräte zu veräußern seien. Wenn Verschlusssachen gespeichert worden seien, würden die Festplatten normalerweise stets ausgebaut und vernichtet.

Das Verteidigungsministerium erklärte der "Süddeutschen", man habe die Verwertung von IT-Geräten nach der Beschwerde des Försters einer "genauen Prüfung unterzogen" und festgestellt, dass 2016 ein weiterer Rechner mit ungelöschter Festplatte über die Verwertungsgesellschaft verkauft worden sei. Ob darauf ebenfalls vertrauliche Daten gewesen seien, lasse sich nicht mehr feststellen. Der Zeitung zufolge leitete das Ministerium einen Rückkauf der Geräte über die Vebeg ein. Der Förster hat demnach eines der Geräte zurückgegeben, aber drei noch im Besitz. Er wolle trotz des Vorfalls auch weiterhin bei der Vebeg nach Schnäppchen Ausschau halten.

Quelle: n-tv.de, jaz/dpa

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