Politik

Im Alter von 86 Jahren Frankreichs Ex-Präsident Chirac gestorben

Zwölf Jahre lang zieht er die Fäden im Élyséepalast - später wird er wegen Untreue verurteilt. Nun ist der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac gestorben.

Der frühere französische Präsident Jacques Chirac ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren, wie sein Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux sagte. Chirac sei am Morgen im Kreis seiner Angehörigen gestorben. In der französischen Nationalversammlung verkündete deren Präsident Richard Ferrand den Tod Chiracs. Die Parlamentarierer gedachten des ehemaligen Staatsoberhaupts mit einer Schweigeminute.

Im Laufe seiner langen politischen Karriere war Chirac mehrfach Minister, zweimal Premierminister und zwölf Jahre lang, von 1995 bis 2007, Präsident Frankreichs. Der konservative Politiker prägte wie kaum ein anderer Politiker über Jahrzehnte das Bild Frankreichs und war bei seinen Landsleuten wegen seiner Volksnähe populär. 

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Mit Gerhard Schröder (r.) pflegte Chirac ein inniges Verhältnis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Chirac war für seine offene Art bekannt, galt zugleich aber als harter Machtpolitiker. International blieb er mit seinem Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg in Erinnerung. An der Seite von Bundeskanzler Gerhard Schröder stemmte er sich gegen die Angriffspläne von US-Präsident George W. Bush. Als erster französischer Staatschef erkannte Chirac die Mitschuld seines Landes an der Verfolgung der Juden während der deutschen Besatzungszeit an. In der Außenpolitik sah sich Chirac in der Tradition von Republikgründer Charles de Gaulle und vertrat den Kurs eines außenpolitisch unabhängigen Frankreichs, insbesondere auch im Verhältnis zu Washington. Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehörte das Nein der Franzosen im Referendum über die geplante EU-Verfassung 2005.

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Gegen den von den USA geführten Irakkrieg protestierte Chirac.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der 1932 in Paris geborene Chirac absolvierte die Elite-Hochschule ENA und kämpfte im Algerien-Krieg. Seine innenpolitische Karriere begann er an der Seite des früheren Staatspräsidenten Georges Pompidou. Zudem lenkte er als Bürgermeister von Paris 18 Jahre lang die Geschicke der Hauptstadt. Diese Zeit holte ihn nach seinen Jahren im Élyséepalast ein: Als erster französischer Ex-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er strafrechtlich verurteilt, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder. Vom Rathaus bezahlte Mitarbeiter hatten in Wahrheit für Chiracs Partei gearbeitet.

Der konservative Politiker litt seit längerer Zeit unter schweren Gedächtnisproblemen und trat in den vergangenen Jahren kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Noch während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP