Politik

84-Jähriger erliegt Covid-19 Früherer US-Außenminister Powell gestorben

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Colin Powell war der erste Afro-Amerikaner, der US-Außenminister wurde. Er starb im Alter von 84 Jahren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der frühere US-Außenminister Colin Powell ist tot. Wie seine Familie mitteilt, starb der ehemalige Chefdiplomat an Covid-19. Bekannt ist Powell für eine beispiellose erfolgreiche Karriere in Militär und Politik, aber auch für eine falsche Bezichtigung gegenüber dem Irak, die mitauslösend für einen Krieg war.

Der frühere US-Außenminister Colin Powell ist tot. Der pensionierte General starb im Alter von 84 Jahren an Komplikationen infolge einer Corona-Infektion, wie seine Familie am Montag bei Facebook mitteilte. Er war demnach gegen das Virus geimpft worden. "Wir haben einen bemerkenswerten und liebenden Ehemann, Vater, Großvater und einen großartigen Amerikaner verloren", erklärte die Familie. Powell hatte Medienberichten zufolge seit Längerem gesundheitliche Probleme.

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Als erster Afroamerikaner wurde Powell Generalstabschef des US-Streitkräfte. Hier ist er (l.) auf einem Bild von 1991 - zusammen mit dem Befehlshaber der Koalitionstruppen im Zweiten Golfkrieg, Norman Schwarzkopf (m.).

(Foto: REUTERS)

Der Republikaner war von 2001 bis 2005 unter Präsident George W. Bush als erster Afroamerikaner der Geschichte Außenminister der USA. Bekannt ist Powell unter anderem für einen umstrittenen Auftritt vor den Vereinten Nationen 2003, wo er zur Begründung für einen Einmarsch der USA im Irak vermeintliche Belege für Massenvernichtungswaffen präsentierte, die Bagdad gar nicht besaß.

Vor diesem Auftritt, der fortan ein Schatten über sein Wirken werfen sollte, hatte Powell eine beeindruckende Karriere sowohl im amerikanischen Militär als auch in der Politik hingelegt. Zur Welt kam er 1937 im New Yorker Stadtteil Harlem als Sohn jamaikanischer Einwanderer. Powell studierte Geografie und startete eine Karriere in der US-Armee, die ihn unter anderem nach Deutschland und zweimal nach Vietnam führte. 1989 wurde der hochdekorierte General als erster Afroamerikaner Generalstabschef der US-Streitkräfte. Für viele wurde er das Gesicht des Golfkriegs 1991.

Powells Amtszeit als Außenminister ab 2001 wurde von den Ereignissen nach den Anschlägen vom 11. September überschattet, also dem Kampf gegen den Terror und dem Beginn der Kriege in Afghanistan und dem Irak. Powell galt in der Bush-Regierung als Verfechter des Multilateralismus und als gemäßigte Kraft, wohingegen Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Ruf von Hardliner hatten.

Powells großer Fehler

Dies zeigte sich besonders vor dem Beginn des Irakkriegs: Die Hardliner drängten unter Berufung auf angebliche Erkenntnisse der Geheimdienste zu Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen auf ein militärisches Vorgehen. Im Februar 2003 warb Powell schließlich in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat unter Berufung auf die später diskreditierten Geheimdiensterkenntnisse um Zustimmung für den Irakkrieg. Im Ruhestand bezeichnete Powell diese Rede später als großen Fehler.

Powell erklärte nach Bushs Wiederwahl im November 2004 seinen Amtsverzicht. Vor der Wahl 2008 überraschte der Republikaner seine Parteikollegen, als er sich für den demokratischen Kandidaten Barack Obama aussprach.

Auch dem späteren republikanischen Kandidaten Donald Trump stand Powell kritisch gegenüber und er sprach sich schließlich für die Demokratin Hillary Clinton aus. Vor der Wahl 2020 kündigte Powell an, für den Demokraten Joe Biden zu stimmen. Trump entferne sich von der Verfassung und werde "gefährlich für unsere Demokratie, gefährlich für unser Land", sagte Powell damals. "Er lügt über Dinge und er kommt damit durch, weil Menschen ihn nicht zur Rechenschaft ziehen", erklärte er weiter.

Nach dem Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz 2020 äußerte sich Powell auch kritisch zum Problem des Rassismus in den Vereinigten Staaten. Powell kritisierte wiederholt auch Trumps feindselige Haltung gegenüber Immigranten.

US-Verteidigungsminister Austin betont Powells Leistungen

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte während einer Reise in Georgien, die Welt habe "eine der herausragendsten Führungspersönlichkeiten verloren". Powell sei als erster Schwarzer Generalstabschef und Außenminister geworden. Er sei seit vielen Jahren ein Freund und Mentor für ihn gewesen, sagte der ebenfalls schwarze frühere General. "Wir werden ihn definitiv vermissen. Ich fühle mich, als hätte ich ein Loch in meinem Herzen", sagte Austin.

Powell hinterlässt seine Frau Alma und drei erwachsene Kinder. Ihm wurden zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen verliehen, darunter die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten und das Bundesverdienstkreuz.

Quelle: ntv.de, vpe/mpe/AFP

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