Politik

Autor kritisiert Erdogan Für Akhanli wäre Auslieferung ein "Skandal"

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Dogan Akhanli darf Madrid vorerst nicht verlassen.

(Foto: dpa)

Der türkische Präsident Erdogan fordert die Auslieferung des deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli. Der Autor sieht darin nur einen weiteren Beweis für die Missstände in der Türkei und die Verfehlungen des türkischen Staatsoberhauptes.

Der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli hat den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan scharf kritisiert. Seine mögliche Auslieferung wäre ein "Skandal" für Spanien, Deutschland und die Türkei, sagte er in Madrid nach seiner Freilassung unter Auflagen. Die spanische Polizei hatte ihn am Samstag auf Grundlage einer sogenannten Red Notice der Internationalen Polizeibehörde Interpol festgenommen. Der Auftrag war aus der Türkei gekommen.

Von seiner Verhaftung sei Akhanli "überrascht" und "schockiert" gewesen. "Ich hatte gedacht, dass ich in europäischen Ländern in Sicherheit bin und dass die langen Hände der Willkür und Arroganz nicht bis hierher reichen können", so der 60-Jährige.

Damit bezog sich der Schriftsteller vorwiegend auf Präsident Erdogan. Die Türkei sei vor acht Jahren ein Land gewesen, auf dem Weg sich zu reformieren und zu demokratisieren. "Jetzt gibt es einen Menschen der sich so überschätzt", sagte Akhanli. Erdogan zeige eine "despotische Haltung"  und habe "mit einem gewählten Staatspräsidenten nichts zu tun". Erdogans Tadel in Richtung Außenminister Sigmar Gabriel zeige, dass er kein Politiker sei. Die Sprache zeuge von "Arroganz" und "Paranoia".

"Können mich niemals zum Schweigen bringen"

An eine Auslieferung glaube der Autor zwar nicht, ganz ausschließen könne er es aber auch nicht. "Wenn es tatsächlich passiert, wäre das ein Skandal. Wenn man das nicht verhindern kann, werde ich mich mit aller Kraft verteidigen - sie können mich niemals zum Schweigen bringen."

Akhanli wird vorgeworfen, 1989 an einem Raubmord in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Den Vorwurf wertet der 60-Jährige als politisch motiviert. Ein Freispruch wurde nach Angaben türkischer Medien 2013 aufgehoben und der Fall neu aufgerollt. In der Türkei würde Akhanli lebenslange Haft drohen.

Akhanli hatte 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Sein Roman "Die Richter des Jüngsten Gerichts", handelt von dem Massaker an den Armeniern im Jahr 1915. Ein Tabubruch in der Türkei. Mit der Veröffentlichung 1999 hatte er den Hass türkischer Nationalisten auf sich gezogen.

Quelle: ntv.de, mba/AFP