Politik

Gestürzter Despot will kämpfen Gaddafi gibt keine Ruhe

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Eine Stimme aus der Vergangenheit: Gaddafi meldet sich wieder zu Wort.

(Foto: dpa)

Die internationale Gemeinschaft verhandelt in Paris mit den lybischen Rebellen über Hilfen für einen Aufbau des neuen Staates, doch Gaddafi will seine seine Niederlage offenbar nicht eingestehen. Er ruft seine Anhänger zum Widerstand auf und schwört, niemals aufzugeben.

Der langjährige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi will sich "niemals ergeben" und "den Kampf fortsetzen". Dies kündigte er in einer vom syrischen Satellitensender Arrai verbreiteten Botschaft an. Gaddafi wird derzeit von den Aufständischen in Libyen gesucht, sein Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

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Noch immer bestimmen bewaffnete Männer das Straßenbild.

(Foto: Reuters)

"Selbst wenn Ihr meine Stimme nicht hören könnt, setzt den Widerstand fort", heißt es in der in schriftlichen Auszügen zitierten Botschaft Gaddafis, die der Gaddafi-nahe Sender nach eigenen Angaben später ausstrahlen wollte. Die Veröffentlichung fällt auf den 42. Jahrestag von Gaddafis "Revolution", die ihn an die Macht brachte.

Gaddafi hat sich seit dem Vormarsch der Rebellen schon mehrfach in Audiobotschaften zu Wort gemeldet. Möglicherweise hält er sich in seiner Geburtsstadt Sirte auf. Die Küstenstadt wird noch von Gaddafi-Anhängern gehalten. Die Rebellen, die vergangene Woche die Hauptstadt Tripolis eingenommen hatten, verlängerten das Ultimatum an ihre Gegner. Statt bis Samstag hätten die Gaddafi-Leute in den noch von ihnen gehaltenen Städten bis zum 10. September Zeit, sich zu ergeben.

Briten jagen Gaddafi

An der Suche nach Gaddafi ist einem Fernsehbericht zufolge eine britische Eliteeinheit beteiligt. Eine große Zahl von Angehörigen der SAS (Special Air Service) nutze dabei auch Schiffe, die vor der Küste des nordafrikanischen Landes vor Anker lägen, berichtete der britische Fernsehsender ITV News. Ein kleineres SAS-Team agiere von der Rebellenhochburg Bengasi aus.

Das Verteidigungsministerium in London wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Bereits in der vergangenen Woche gab es Berichte dass britische und auch französische Kräfte in Zivil seit mehreren Wochen zur Unterstützung der libyschen Rebellen im Osten des Landes im Einsatz sind.

Konferenz in Paris

Über die Libyen stolpert in die Freiheit nach der Ära Gaddafi beraten heute in Paris Gesandte von rund sechzig Ländern und Organisationen. Erwartet wird, dass der Übergangsrat der Rebellen seinen Finanzbedarf für die kommenden Monate anmeldet und seine Pläne für die Übergangsphase vorstellt. Bei der Konferenz geht es unter anderem darum, die in mehreren Ländern eingefrorenen Reichtümer Gaddafis für Investitionen in Libyen zur Verfügung zu stellen.

Außenminister Guido Westerwelle mahnte eine rasche und komplette Freigabe des international eingefrorenen Milliarden-Vermögens des gestürzten Gaddafi-Regimes an. "Das Geld muss nicht nur teilweise, sondern vollständig freigegeben werden", sagte er. "Das Geld gehört dem libyschen Volk und niemand sonst." Allein in Deutschland sei Vermögen des Gaddafi-Regimes in Höhe von 7,3 Milliarden Euro blockiert worden.

Der neue Geschäftsträger der libyschen Botschaft in Berlin, Aly Masednah al-Kothany, schätzt den akuten Finanzbedarf für seine Heimat auf eine Milliarde Euro. Dieses Geld reiche zwar noch nicht, um "genügend Lebensmittel und Medikamente zu importieren, aber es würde uns etwas Luft verschaffen für die nächsten zwei Wochen", sagte Al-Kothany der "Financial Times Deutschland".

EU lockert Sanktionen

Die Europäische Union hebt ihre Sanktionen gegen Libyen teilweise auf. 28 Unternehmen oder Behörden werden von der Sanktionsliste genommen. Darunter sind sechs Hafengesellschaften, mehrere Banken und Öl-und Gasunternehmen. Das berichteten EU-Diplomaten in Brüssel nach einem Beschluss der 27 Mitgliedstaaten. Dies sei ein wichtiges politisches Signal.

Die Sanktionen waren gegen das Regime Gaddafis verhängt worden. Die EU-Einreiseverbote gegen die Familienmitglieder Gaddafis sowie enge Mitarbeiter und Unterstützer des Despoten bleiben weiter aufrechterhalten, hieß es.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP/rts

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