Politik

Verhältnisse in Deutschland Gauck verneint Parallele zu Weimarer Zeit

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"Wir haben keine Justiz, die dem Kaiser nachtrauert.": Joachim Gauck

(Foto: dpa)

Joachim Gauck beklagt "eine Verrohung der Sitten" in Deutschland und verurteilt die Angriffe auf Kommunalpolitiker. Dennoch weigert sich der Altbundespräsident, die derzeitige Lage in der Bundesrepublik mit der Endphase der Weimarer Republik zu vergleichen.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hält Vergleiche der aktuellen Lage in Deutschland mit den Zuständen am Vorabend des Nationalsozialismus für unangebracht. "Viele sagen - mit Blick auf diesen Streit, den wir haben, die boshaften Kommentare und die widerlichen Attacken auf den Straßen - es sei schon wie in der Weimarer Republik", sagte der 80-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Da muss ich sagen: Nein, das stimmt nicht."

Angriffe auf Kommunalpolitiker nannte Gauck "abscheulich". Mit der Weimarer Republik, die mit der Machtergreifung Adolf Hitlers endete, seien die Zustände aber nicht zu vergleichen. "Erstens haben wir keine Justiz, die dem Kaiser nachtrauert, zweitens kein reaktionäres Militär." Drittens gebe es anders als in Weimar eine Vielzahl aktiver Demokraten. "Da hatten wir die Demokratie, aber zu wenig Demokraten und zu viele, die sich Lösungen von irgendwelchen Kraftmeiern vorstellten."

Solche Zustände gebe es heute nicht, sagte Gauck. "Aber wir sehen eine Verrohung der Sitten." Deutschland müsse lernen zu streiten und Streit nicht als das Ende der Demokratie zu begreifen. "Aber wenn der Streit ausartet und in dieser widerlichen Form zu Hassattacken führt, dann ist Schluss mit Toleranz ... Dann ist Intoleranz angesagt und starkes Verteidigungshandeln des Staates und seiner Bürger."

Extremisten stehe zudem eine Überzahl an Demokraten gegenüber. Mit Blick auf diese Gruppe räumte Gauck ein: "Oftmals sind sie zu leise, weil sie auch die Demokratie nicht im Kern bedroht sehen."

Quelle: ntv.de, wne/dpa

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