Politik

"Lügenpresse" ist Denunziation Gauck warnt vor Hass auf Medien

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Der Bundespräsident warnte vor Fehlentwicklungen in sozialen Netzwerken im Internet.

dpa

Die Wut auf Medien nimmt zu. Täglich sind Journalisten in Deutschland mit Vorwürfen, Beleidigungen und Bedrohungen konfrontiert. Bundespräsident Gauck warnt vor einem Kippen der Stimmung.

Bundespräsident Joachim Gauck hat populistische Kritik an den Medien in Deutschland zurückgewiesen. "Wer die Medien heute und hierzulande zur 'Lügenpresse' umdeutet, dem geht es nicht um Diskussion, sondern um Denunziation", sagte Gauck bei einem Festakt zum 60. Jahrestag der Gründung des Deutschen Presserats.

Verstöße gegen das Sorgfaltsprinzip kämen vor, sagte das Staatsoberhaupt. Doch wer behaupte, eine fehlerhafte Berichterstattung sei die Regel, der habe vermutlich weniger die Wahrung der Sorgfaltspflicht im Sinn als vielmehr die Bestätigung seiner Überzeugung, "dass überall nur gelogen und betrogen werde", sagte Gauck mit Blick auf Vorwürfe vor allem aus dem rechtspopulistischen Umfeld.

Der Bundespräsident warnte zudem vor Fehlentwicklungen in sozialen Netzwerken im Internet. Wer sie nutze, wähle aus, was er wahrnehmen wolle. "Schließlich entstehen Echoräume, in denen Einzelne oder Gruppen sich im Alleinbesitz der Wahrheit wähnen", warnte Gauck. Die klassischen Medien kämen aus dem Dilemma, Überbringer auch von unerwünschten Nachrichten zu sein, nicht heraus. Gauck ermunterte Journalisten, möglichst sensibel und fair zu berichten und sich permanent selbst zu überprüfen.

Der Deutsche Presserat ist das einzige Gremium zur freiwilligen Selbstkontrolle von Online- und Printmedien. Im Pressekodex formuliert er ethische Richtlinien für die Arbeit von Journalisten, etwa für die Recherche, zum Schutz von Persönlichkeitsrechten und zur Vermeidung von Diskriminierung. Jeder Mediennutzer kann sich beim Presserat über aktuelle Berichterstattung beschweren. Im vergangenen Jahr gingen 2.358 Beschwerden ein.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/epd

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