Politik

Teilnehmerzahl verdoppelt Gelbwesten wüten nach Notre-Dame-Brand

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Tausende Gelbwesten protestieren friedlich, doch auch der radikale Block umfasst laut Polizei über 1500 Personen.

(Foto: imago images / IP3press)

Vor Notre-Dame herrscht derzeit Demonstrationsverbot. An anderen Plätzen von Paris toben die Gelbwesten-Proteste dafür umso heftiger. Für den Wiederaufbau der Kathedrale könne ja auch schnell Geld locker gemacht werden, so der Tenor der Teilnehmer.

Bei den ersten "Gelbwesten"-Protesten seit dem Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame ist es in Paris erneut zu Ausschreitungen gekommen. Sicherheitskräfte setzten in der französischen Hauptstadt Tränengas gegen Aktivisten ein und nahmen mehr als 200 Menschen fest. Während in Paris deutlich mehr Menschen als vor einer Woche auf die Straße gingen, sank die Teilnehmerzahl landesweit nach Angaben des Innenministeriums auf weniger als 30.000 Menschen.

Die Demonstrationen in der französischen Hauptstadt hatten relativ ruhig begonnen. Ein kleinerer Protestzug, der an der Basilika Saint-Denis begann, verlief nach Polizeiangaben ohne Zwischenfall. Zu den ersten Zusammenstößen kam es am frühen Nachmittag in der Nähe des Bastille-Platzes und dem Platz der Republik.

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9000 Personen beteiligten sich diesmal an den Protesten in Paris, doppelt so viele wie letzte Woche.

(Foto: imago images / IP3press)

Demonstranten zündeten Motorroller an und warfen Flaschen und Gegenstände auf die Polizei, wie AFP-Journalisten berichteten. Zudem gab es aus den Reihen der Teilnehmer den Sprechchor "Bringt euch um, bringt euch um" - eine Anspielung auf eine Reihe von Selbstmorden unter Polizisten seit Beginn des Jahres. Auch Mülleimer, Absperrungen und Autos standen in Flammen. Die Sicherheitskräfte ging mit Tränengas gegen die "Gelbwesten" vor.

Über 200 Festnahmen

227 Menschen wurden nach Angaben der Pariser Präfektur vorläufig festgenommen. 178 Menschen kamen der Pariser Staatsanwaltschaft zufolge in Polizeigewahrsam, darunter sechs Minderjährige. Die Polizei führte mehr als 20.500 Personenkontrollen durch.

Der Erste Beigeordnete der Pariser Bürgermeisterin, Emmanuel Grégoire, sprach von "sehr schweren" Schäden im Zuge der Ausschreitungen. Insgesamt beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums rund 9000 "Gelbwesten" an den Demonstrationen in der Hauptstadt - etwa doppelt so viele wie vor einer Woche.

Der Bereich unmittelbar um die gotische Kirche im Stadtzentrum war nach dem Brand für Kundgebungen gesperrt. Das Feuer und die anschließend eingegangenen Spenden für den Wiederaufbau beschäftigten auch die Demonstranten. "Das Geld für Notre-Dame ist eine gute Sache", sagte ein Rentner, der früher bei der Eisenbahn gearbeitet hatte. "Aber wenn man sieht, was man innerhalb weniger Stunden an Geld locker machen kann..."

Die Pariser Polizei hatte vor dem Beginn der Proteste befürchtet, dass unter den Demonstranten "ein radikaler Block von 1500 bis 2000 Menschen" sein würde, der Chaos in der Hauptstadt verbreiten könnte. Innenminister Christophe Castaner ließ darum landesweit mehr als 60.000 Mitarbeiter von Polizei und Gendarmerie mobilisieren.

Die "Gelbwesten" gingen am Samstag auch in Montpellier, Marseille, Bordeaux, Toulouse und Lille zu Hunderten oder Tausenden auf die Straße. In Montpellier kam es zu Ausschreitungen. Landesweit beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums 27.900 Menschen. Die Organisatoren der Proteste sprachen dagegen von mehr als 100.000 Teilnehmern. Vor einer Woche hatten nach Ministeriumsangaben 31.100 Menschen demonstriert.

Macron präsentiert Reformpläne

Es ist bereits das 23. Protestwochenende der "Gelbwesten"-Bewegung - und das letzte, ehe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag seine Reformpläne vorstellt, die er unter dem Druck der anhaltenden Demonstrationen entwickelt hat.

Die "Gelbwesten" protestieren seit fünf Monaten für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Im Dezember hatte Macron zunächst Zugeständnisse im Umfang von rund zehn Milliarden Euro angekündigt, unter anderem einen höheren Mindestlohn. Von Mitte Januar bis Mitte März ließ der Präsident die Bürger zudem im Rahmen einer "großen nationalen Debatte" befragen, um "die Wut in Lösungen zu verwandeln".

Quelle: n-tv.de, Anne Lec'Hvien, AFP

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