"Generation Deutschland"Zu viele Nazi-Parolen: AfD will Vorstandsmitglied der neuen Jugendorganisation loswerden

Die neue Nachwuchsorganisation der AfD ist kaum ein paar Monate alt, da leitet die Mutterpartei schon ein Ausschlussverfahren gegen ein Mitglied des Bundesvorstands ein: Kevin Dorow hatte NS-Parolen verwendet und damit die Staatsanwaltschaft aktiviert.
Der Bundesvorstand der AfD hat in seiner Präsenzsitzung am Montagabend ein Parteiausschlussverfahren gegen Kevin Dorow eingeleitet. Das erfuhr RTL/ntv aus Bundesvorstandskreisen der Partei. Dorow war erst Ende vergangenen Jahres als Beisitzer in den Bundesvorstand der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" gewählt worden.
Äußerungen aus Dorows Rede während des Gründungstreffens in Gießen hatten die dortige Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Die Rede wird derzeit unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Strafbarkeit gemäß Paragraf 86a Strafgesetzbuch geprüft - dabei geht es um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Auch Parolen können solche Kennzeichen sein.
"Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein", sagte Dorow in Gießen mit Blick auf den Thüringer AfD-Vorsitzenden. Der Ausspruch „Jugend wird durch Jugend geführt“ war das Prinzip der Hitlerjugend. Höcke hatte diese Parole tatsächlich zitiert, dann aber im Sommer 2025 gelöscht, wie die "Bild"-Zeitung seinerzeit meldete.
"Aus dem Umfeld vertraut"
Mit einer ausführlichen Stellungnahme vor dem Bundesvorstand versuchte Dorow, das Parteiausschlussverfahren abzuwenden. Dass der Satz seiner Rede eine derartige Kontroverse auslösen würde, habe er nicht vorausgesehen, schreibt er in seiner Verteidigung, die RTL/ntv vorliegt. Die Formulierung sei ihm seit Jahren aus seinem persönlichen und familiären Umfeld vertraut. Der Gedanke der selbstgeführten Jugend entstamme außerdem der Wandervogelbewegung des frühen 20. Jahrhunderts.
In seiner Stellungnahme wehrt sich Dorow auch gegen den Vorwurf, er habe in einem Online-Artikel zwischen "Passdeutschen" und "Volksdeutschen" unterschieden. Für ihn sei die Unterscheidung zwischen Ethnie und Staatsangehörigkeit vom Grundgesetz gedeckt. Der Verfassungsschutz wirft der AfD schon länger vor, Deutsche mit Migrationshintergrund nicht als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen und damit gegen das Grundgesetz zu verstoßen.
Auch auf einen weiteren Vorwurf reagierte Dorowin in seiner Stellungnahme: In einem Video, das er auf seinen sozialen Kanälen veröffentlicht hatte, nutzte er zum vergangenen Volkstrauertag einen Treueschwur der SS: "Und wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu". Er habe dieses Video "aus Rücksicht auf das öffentliche Gesamtbild und zum Wohle der Partei" mittlerweile von seinen Kanälen gelöscht, schreibt Dorow. Auch diese Worte habe er nie als problematisch wahrgenommen, da sie aus einem Gedicht des frühen 19. Jahrhunderts stammten. Ähnlich argumentierte auch Höcke in seinen einschlägigen Prozessen - was Verurteilungen jedoch bislang nicht verhindert hat.
Die AfD-Spitze zeigte sich ebenfalls nicht überzeugt. Sie hat das Parteiausschlussverfahren beim zuständigen Landesschiedsgericht Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht. Der Vorsitzende der "Generation Deutschland", Jean-Pascal Hohm, kritisierte den Beschluss. "Ich halte die Entscheidung in der Sache für falsch", sagte Hohm RTL/ntv. An der AfD-Spitze übte er Kritik: "Zugleich ist es mein Anspruch, diese Angelegenheit - offenbar im Unterschied zu einzelnen Mitgliedern des AfD-Bundesvorstands - intern zu klären."