Politik

Xi Jinping besucht Macau Geschenke für das bravere Hongkong

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Die Halbinsel Macau gehört seit 1999 zu China - und entwickelt sich prächtig.

(Foto: dpa)

Wenn Hongkong in Chinas Klassenverbund derzeit den Störenfried gibt, dann ist Macau der brave Musterschüler. Während Hongkong rebelliert, bekommt die ehemalige portugiesische Enklave von Chinas Präsident Xi Jinping zum 20. Jahrestag der Rückgabe Streicheleinheiten.

In Hongkong wäre ein Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping derzeit zumindest riskant. Seit über einem halben Jahr probt die Stadt den Aufstand gegen die Regierung. In regelmäßigen Abständen brennen bei den Massenprotesten in der Metropole die Barrikaden. Die Demonstranten fürchten den wachsenden Einfluss Pekings, kämpfen für ihre Freiheitsrechte und die Demokratie in Hongkong. Xi Jinping verkörpert für sie den ungeliebten, böswilligen Tyrann, der die Stadt zu ersticken droht.

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Macau ist der einzige Teil Chinas, in dem das Glücksspiel erlaubt ist.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der erste Mann im chinesischen Staat dürfte deshalb erleichtert sein, dass ihn sein Job heute nicht nach Hongkong bringt - sondern gleich nebenan nach Macau. Gefeiert wird der 20. Jahrestag der Rückgabe der ehemaligen portugiesischen Enklave an China. Xi Jinping ist als Ehrengast angekündigt. Große Demonstrationen muss das in Hongkong verhasste chinesische Staatsoberhaupt nicht fürchten.

Zwar haben Macau und Hongkong auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten. Während Hongkong einst zu Großbritannien gehörte und 1997 an China zurückgegeben wurde, folgte Macau zwei Jahre später aus portugiesischer Herrschaft. Die Städte werden seitdem nach dem berühmten Grundsatz "Ein Land, zwei Systeme" regiert. Beide gehören damit zum Staatsgebiet Chinas, genießen aber mehr Freiheiten als die Menschen im Rest des Landes. Für 50 Jahre ist dieser Sonderstatus eigentlich per Vertrag garantiert.

Während die Hongkonger schon jetzt gegen den zunehmenden Einfluss Pekings ankämpfen, ist von Opposition in Macau kaum etwas zu spüren. "Einige junge Leute in Macau lassen sich von der Hongkonger Protestbewegung inspirieren", erzählt Leo, ein Hongkonger Demonstrant, der gelegentlich für den Job die Schnellfähre nach Macau nimmt: "Im großen und ganzen sind beide Orte aber verschiedene Welten", gibt sich der 40-Jährige ernüchtert.

Läuft Macau Hongkong den Rang ab?

So sieht es auch Larry So. Der pensionierte Professor beschreibt seine Stadt als "schon immer sehr rot". Gemeint ist die Vorliebe der Menschen in Macau für die kommunistische Führung in Peking. Laut So gelang es den portugiesischen Kolonialisten anders als den Engländern in Hongkong nicht, den Menschen eine gemeinsame Identität zu geben. "Portugiesen und die überwiegend chinesische Bevölkerung lebten voneinander getrennt." Die Kommunisten hätten die Stadt so schon lange vor dem Abzug der Portugiesen faktisch kontrolliert.

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Während Großbritannien erbitterte Rückgabeverhandlungen mit Peking führte, die zur Folge hatten, dass Hongkong für die Zukunft freie Wahlen in Aussicht gestellt wurden, bemühte sich Portugal kaum, noch etwas für die Bevölkerung in Macau rauszuschlagen. Eine lukrative Zusage gab es aber aus Peking: Als einziger Ort in China ist in Macau Glücksspiel legal. Die weltbekannten Kasinos sind Lebensader und wichtigste Einnahmequelle der Sonderverwaltungsregion, deren Pro-Kopf-Einkommen eines der höchsten der Welt ist. "Diese wirtschaftliche Stärke ist ganz wesentlich für die Zufriedenheit der Menschen", sagt So.

Dass dieses Fundament auch wackeln kann, zeigte sich vor einigen Jahren. Die von Präsident Xi Jinping landesweit verordnete Anti-Korruptionskampagne führte dazu, dass für einige Zeit viel weniger Kader vom Festland nach Macau fuhren, um ihr Geld in den Spielhallen zu waschen. Zwar hat sich die Spielindustrie, die gleichzeitig der wichtigste Arbeitgeber der Stadt ist, wieder stabilisiert. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste in Hongkong will Peking jedoch sicher gehen, dass die Stimmung in Macau nicht kippt.

So machen kurz vor der geplante Reise des Präsidenten in dieser Woche Berichte von umfangreichen Geschenken die Runde. Demnach will die Zentralregierung in Macau nicht mehr nur die Vergnügungsindustrie fördern, sondern die Stadt zu einem Finanzplatz weiterentwickeln. Klarer könnte die Botschaft an das von Großbanken dominierte Hongkong kaum sein. "Die guten Jungs bekommen Bonbons", beschreibt Professor So die Strategie Pekings.

Quelle: ntv.de, Jörn Petring, dpa