Politik

Angriff auf Grüne Zone in Bagdad Geschosse schlagen nahe US-Botschaft ein

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Die Sicherheitslage hat sich nochmal verschärft: Hier stehen am Neujahrstag irakische Sicherheitskräfte vor der US-Botschaft in Bagdad.

(Foto: REUTERS)

Im Nahen Osten ist die Situation äußerst angespannt, nachdem die USA einen iranischen Kommandeur getötet haben. Aus dem Irak kommen nun Meldungen über Geschosseinschläge im Hochsicherheitsbereich Bagdads. Dort befindet sich auch die Botschaft der USA.

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Balad im Irak, auf dem auch US-Soldaten untergebracht sind, sowie im Stadtzentrum Bagdads sind mehrere Raketen eingeschlagen. Sie seien auf der Luftwaffenbasis, auf einem Platz in der hoch gesicherten Grünen Zone in Bagdad sowie dem Stadtteil Al-Dschadirija niedergegangen, teilte das irakische Militär mit. Angaben über mögliche Opfer der Angriffe oder Schäden gibt es bisher nicht. Wer die Geschosse abgefeuert hat, ist unklar.

Auf dem Gelände der in der Grünen Zone befindlichen US-Botschaft schrillten sofort die Sirenen, wie Sicherheitskreise der Nachrichtenagentur AFP sagten. In der US-Botschaft halten sich sowohl Diplomaten als auch US-Truppen auf.

Auf dem Stützpunkt Al-Balad seien am Abend im Lagerhaus-Bereich zwei Raketen niedergegangen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Die US-Truppen seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Hubschrauber kreisten über dem Stützpunkt am Himmel. Auf der Basis sind die US-Ausbilder für das irakische Militär untergebracht. Sie liegt etwa 80 Kilometer nördlich von Bagdad und wurde schon mehrfach Ziel von bewaffneten Angriffen. Im vergangenen Jahr wurde sie etwa mit Mörsergranaten attackiert, im August wurden bei der Explosion eines Waffenlagers in der Nähe zudem zwei Menschen getötet.

Auch die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete, dass auf dem Stützpunkt sowie im Zentrum von Bagdad mehrere Raketen niedergegangen seien. Im Stadtzentrum liegen in der "Green Zone" unter anderem die US-Botschaft sowie irakische Ministerien und das Parlament. Auch dort sind schon mehrfach Raketen eingeschlagen und explodiert.

Die Zone war 2003 nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein aus Sicherheitsgründen errichtet worden. Aus Angst vor Terroranschlägen ist der Zugang stark beschränkt. Die Lage in der Region ist nach der Tötung des ranghohen iranischen Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Raketenangriff in Bagdad sehr angespannt. Die iranische Führung hatte nach dem Angriff Vergeltung angekündigt. Ajatollah Ali Chamenei schrieb in einem Beileidsschreiben, die Urheber des Angriffs erwarte "eine schwere Rache".

Hisbollah-Brigaden: Soldaten sollen sich von US-Truppen entfernen

Derweil riefen die pro-iranischen Hisbollah-Brigaden im Irak die irakischen Truppen und Sicherheitskräfte auf, sich von US-Soldaten auf Stützpunkten im Irak zu entfernen. "Wir fordern die Sicherheitskräfte im Land auf, sich ab Sonntag um 17 Uhr (15 Uhr MEZ) mindestens 1000 Meter von US-Stützpunkten zu entfernen", teilte die Gruppe mit.

Die äußerst anti-amerikanisch eingestellten Hisbollah-Brigaden sind im Irak Teil der Hasched-al-Schaabi-Milizen. Die USA hatten Ende Dezember Stellungen der Hisbollah-Brigaden aus der Luft bombardiert und 25 Kämpfer getötet. Damit reagierte die US-Armee auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt im Irak.

Am Dienstag dann griffen Tausende pro-iranische Demonstranten die US-Botschaft in Bagdad an. In der Nacht zum Freitag töteten die USA mit einem gezielten Drohnenangriff nahe des Flughafens von Bagdad den iranischen Top-General Kassem Soleimani und den irakischen Milizenführer Abu Mehdi al-Muhandis.

Seither fürchten die USA Vergeltungsschläge gegen ihre diplomatische Vertretung sowie Stützpunkte im Irak, auf denen auch US-Soldaten stationiert sind. Zum Schutz ihrer Diplomaten und Soldaten im Irak kündigten die USA die Entsendung von 3000 bis 3500 zusätzlichen Soldaten in die Golfregion an.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/rts/dpa