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Briten wollen US-Handelsabkommen Gesundheitssystem ist die "rote Linie"

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Truss soll in wenigen Wochen zu Gesprächen nach Washington fliegen.

(Foto: picture alliance/dpa)

US-Präsident Trump stellt Großbritannien für die Zeit nach dem Brexit ein "sehr umfassendes Freihandelsabkommen" in Aussicht. Auch Liz Truss räumt dem Deal oberste Priorität ein - doch beim Gesundheitssystem NHS setzt die neue britische Handelsministerin deutliche Grenzen.

Die neue britische Ministerin für internationalen Handel räumt einem Freihandelsabkommen mit den USA oberste Priorität ein. Sie wolle dabei auf das "erfolgreiche Telefongespräch" zwischen Präsident Donald Trump und Premierminister Boris Johnson aufbauen, schrieb Liz Truss am Sonntagabend in der Zeitung "The Telegraph".

Sie schloss dabei die Einbeziehung des britischen Gesundheitssystems NHS in die Verhandlungen aus und machte deutlich, dass die Privatisierung von Teilen des NHS eine "rote Linie" für die Regierung bei allen Handelsgesprächen darstelle. Ihre Abteilung habe bereits Geschäfte im Wert von 85 Milliarden Pfund (94 Milliarden Euro) abgeschlossen, "die ab dem 31. Oktober gelten, mit oder ohne Deal".

Truss soll der Zeitung zufolge in den kommenden Tagen den US-Botschafter Woody Johnson treffen, bevor sie in einigen Wochen zu Gesprächen mit Handelsminister Wilbur Ross und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer nach Washington fliegt. Die US-Regierung hat Großbritannien ein umfangreiches Handelsabkommen nach dem Brexit in Aussicht gestellt. Trump erklärte am Freitag nach dem Telefonat mit Johnson, ein derartiger Vertrag sei in Arbeit. Die britische Regierung erklärte ihrerseits, die Verhandlungen würden so bald wie möglich nach dem Austritt aus der EU beginnen.

Experten sehen das jedoch sehr skeptisch: Das Aushandeln solcher Abkommen ist sehr langwierig, zudem hat Großbritannien deutlich weniger Verhandlungsmacht als die EU als Ganzes. Ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA etwa wurde nach der Wahl Trumps 2016 auf Eis gelegt. Zudem könnte der Versuch, ein Handelsabkommen vor dem Brexit zu vereinbaren, gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoßen.

Truss fügte allerdings hinzu: "Im Kern geht es beim Freihandel um Freiheit ... Mein Ziel ist es, Großbritannien zum Leuchtturm des Freihandels zu machen". Trump hatte jüngst bei einem Besuch in Großbritannien für einen Aufschrei gesorgt als er erklärte, bei einem Handelsvertrag müsse alles auf den Tisch - "also der NHS und alles andere, oder viel mehr als das". Später zog er dies zurück.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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