Politik

Ende für den Pizza-Mann Gibt Herman Cain auf?

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Herman Cain kam mit der Pizza-Kette "Godfather's Pizza" zu viel Geld. Im kommenden Monat wird er 66 Jahre alt.

(Foto: REUTERS)

Er weist alle Vorwürfe zurück, seit Monaten. Sexuelle Belästigung von Untergebenen? Nein! Außereheliche Affären? Nein! Doch inzwischen kommen dem republikanischen Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur offenbar selbst Zweifel.

Herman Cain denkt doch darüber nach, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen. Das berichtet die US-amerikanische Zeitschrift National Review mit Bezug auf ein Telefongespräch zwischen Cain und seinen Wahlkampfmanagern.

In dem fünfminütigen Telefonat, das Redakteure des Magazins mitgehört haben wollen, soll Cain gesagt haben, er werde "in den nächsten Tagen entscheiden", ob er das Handtuch wirft. Einen genauen Zeitpunkt nannte er offenbar nicht. Cain könnte demnach auch noch die erste Vorwahl in Iowa abwarten. Dort liegt er in den Umfragen zurzeit gleichauf mit Mitt Romney auf Platz zwei. In Iowa entscheiden die Republikaner des Bundesstaates am 3. Januar in einer parteiinternen Wahl über ihren Favoriten für das Duell mit Präsident Barack Obama.

Anlass für Cains Zweifel an der eigenen Kandidatur ist offenbar die große Zahl von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung. Erst in dieser Woche berichtete eine Frau aus Atlanta, fast 14 Jahre lang Jahre lang eine Affäre mit dem Politiker gehabt zu haben. Cain streitet die Vorwürfe ab. Im Telefonat mit seinen Wahlkampfmanagern nahm er dennoch Bezug darauf. "Natürlich haben sie alle bereits von dem Nachrichtensturm erfahren, der gestern losgebrochen ist." Er habe die Dame gekannt, so Cain, doch die beiden seien nie mehr als Freunde gewesen. "Ich habe versucht, ihr finanziell zu helfen." Doch als Freund habe sie ihn offenbar getäuscht – nun sei es Zeit für eine "Neubewertung".

Versiegt der Geldfluss?

Solche "Neubewertungen" habe man schon mehrfach vorgenommen, so Cain weiter, unter anderem nach den finanziellen Problemen im Sommer und zwei Testabstimmungen (von denen Cain eine gewann). "Nun, mit dieser neuen Sache, müssen wir wieder überlegen, ob das nicht bei einigen Leuten Zweifel darüber aufwirft, ob sie uns weiter unterstützen sollten", so Cain.

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Die Gerüchte um sexuelle Belästigung von Angestellten führen immer wieder zu Protesten gegen eine Kandidatur Cains.

(Foto: AP)

Wie und warum die "National Review" das Telefongespräch mithören konnte, ist unklar. Das Magazin steht jedoch republikanischen Kreisen sehr nahe. Gegründet wurde es von William F. Buckley, einem der einflussreichsten konservativen Denkern des Kalten Krieges.

Cain war erst unlängst ins Gerede geraten: Insgesamt vier Frauen hatten ihn der sexuellen Belästigung beschuldigt. Alle angeblichen Vorfälle sollen sich in den 90er-Jahren ereignet haben. Cain hatte dies kategorisch zurückgewiesen.

Der ehemalige Chef einer Kette von Pizza-Restaurants war bereits zeitweise Favorit gewesen. In den vergangenen Wochen gingen seine Popularitätswerte aber stark zurück - was nicht nur an den zahlreichen Vorwürfen liegen dürfte. Die Vorwahlen der Republikaner beginnen Anfang Januar. Die Präsidentenwahl ist am 6. November 2012.

Quelle: n-tv.de, seb/dpa

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