Politik

THW macht schwere Vorwürfe Griechische Behörden behindern Helfer

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Im Februar wurde auf Samos für 1200 Menschen eine Notunterkunft errichtet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf den ägäischen Inseln Leros, Samos, Lesbos, Kos und Chios leben über 25.000 Menschen in völlig überfüllten Flüchtlingslagern. Um zu helfen, stehen viele Millionen Euro und Fachkräfte wie das Technische Hilfswerk bereit. Aber die örtlichen Behörden scheinen die Projekte zu unterminieren.

Ausländische Hilfe für in Griechenland untergebrachte Migranten wird einem Medienbericht zufolge erheblich durch örtliche Behörden erschwert. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, sei im März wegen "politischer Probleme" ein Projekt des Technischen Hilfswerks (THW) gescheitert. Im Auftrag der Bundesregierung sollte demnach die Wasserversorgung auf der Ägäis-Insel Samos verbessert werden.

Im THW-Bericht an das Bundesinnenministerium hieß es zum Scheitern des Vorhabens: "Die vordergründig technischen Probleme (nicht ausreichend Wasser im neuen Camp) entpuppen sich bei näherer Betrachtung als politisches Problem (zum Beispiel Abklemmen der Hauptwasserleitung zum neuen Camp) und können daher auch nicht technisch, sondern nur politisch gelöst werden." Laut dem THW wurde die Hauptwasserleitung zum Flüchtlingslager durch eine Gemeindeverwaltung aufgrund von Protesten der Bevölkerung abgeklemmt.

Zudem habe es Hinweise auf einen Brunnen in der Nähe gegeben, den das THW aber nicht auffinden konnte, weil den Inselverwaltungen "dessen genaue Lage angeblich unbekannt ist". Auch seien die Möglichkeiten aus den Infrastrukturprojekten der EU nicht ausreichend genutzt worden. Von zur Verfügung gestellten 310 Millionen Euro seien nur 70 Millionen abgeflossen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf den THW-Bericht.

Für das bis heute nicht umgesetzte Wasserprojekt auf Samos war ein Finanzierungsbetrag von bis zu 500.000 Euro vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Aussicht gestellt worden.

11.500 Menschen obdachlos

Auf den ägäischen Inseln Leros, Samos, Lesbos, Kos und Chios leben über 25.000 Menschen in völlig überfüllten Lagern. Bei Bränden am Dienstag und Mittwoch war das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos fast völlig zerstört worden. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) wurden 11.500 Menschen obdachlos, darunter 4000 Kinder.

Viele der Flüchtlinge wollen nicht länger auf Lesbos bleiben, sondern vor allem nach Deutschland. Hier wird weiter über die Aufnahme von obdachlosen Flüchtlingen aus Moria diskutiert. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte am Freitag die Unterbringung von bis zu 150 Minderjährigen aus dem Lager angekündigt.

Quelle: ntv.de, chr/AFP