Politik

Gestorben im Alter von 83 Jahren Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele ist tot

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Hans-Christian Ströbele 2019 in seinem Büro.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

In den 70er Jahren verteidigt er als Jurist Mitglieder der RAF. Später gewinnt er als einziger Grüner viermal in Folge ein Direktmandat für den Bundestag. Nun ist Hans-Christian Ströbele in Berlin gestorben.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Das berichtet die "taz". Demnach starb Ströbele am Dienstag in seiner Wohnung im Berliner Stadtteil Moabit. Der Politik-Veteran galt bundesweit als einer der profiliertesten Vertreter der Grünen und war eine Symbolfigur vor allem des linken Flügels der Partei.

"Er hat selbst entschieden, dass er den langen Leidensweg, den ihm seine Erkrankung zugemutet hat, nicht mehr fortsetzen wollte und lebenserhaltende Maßnahmen reduziert", teilte Ströbeles Rechtsanwalt Johannes Eisenberg mit. "Er war bis zuletzt bei vollem Bewusstsein. Nicht der Geist, der Körper wurde ihm zur Qual und hat ihn am 29. August 2022 verlassen."

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Hans-Christian Ströbele zusammen mit Edward Snowden in Moskau.

(Foto: picture alliance / dpa)

Viermal in Folge holte Ströbele im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost das Direktmandat für den Bundestag. Er ist der einzige Grüne, dem so etwas jemals gelungen ist. Nach insgesamt 20 Jahren im Bundestag verkündete Ströbele im Dezember 2016 seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur im Folgejahr.

Im September 2013 war Ströbele zum letzten Mal direkt ins Parlament gewählt worden. Schon im Vorfeld hatte es Zweifel gegeben, ob er noch einmal antritt. Eine Krebserkrankung hatte den Mitgründer der Grünen geschwächt. Die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden boten Ströbele aber noch einmal eine große Bühne. Im Oktober 2013 flog er nach Moskau, um Snowden dort zu treffen.

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In seinem Kreuzberger Kiez war Hans-Christian Ströbele meist mit dem Fahrrad unterwegs.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Dabei wäre es im Jahr 2002 mit seiner politischen Karriere fast schon vorbei gewesen. Nach vier Jahren im Bundestag verweigerte ihm seine Partei einen sicheren Listenplatz. Doch ihm gelang die Sensation: Er gewann seinen Wahlkreis direkt. Geworben hatte er auch mit seiner entschlossenen Opposition gegen den damaligen Grünen-Außenminister Joschka Fischer. "Ströbele wählen heißt Fischer quälen", hieß sein Slogan. Vor allem die Beteiligung am Kosovo-Krieg nahm er Fischer und der rot-grünen Regierung unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder übel.

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Hans-Christian Ströbele (l.) und Otto Schily verteidigten in den 70er Jahren RAF-Mitbegründer Horst Mahler.

(Foto: picture alliance / Chris Hoffmann/dpa)

Der 1939 in Halle an der Saale geborene Ströbele war zu Beginn seiner Karriere unter anderem Verteidiger der terroristischen "Roten Armee Fraktion" (RAF). Der Jurist war damals ein führender Vertreter der außerparlamentarischen links-alternativen Bewegung und Gründer der Berliner "taz". 1985 trat er der Alternativen Liste für Demokratie und Umweltschutz (AL) bei, die später den Grünen als Berliner Landesverband angegliedert wurde.

Der frühere SPD-Innenminister Otto Schily nannte Ströbele einmal einen "Altersradikalen", einen "Fundamentalisten mit aberwitzigen politischen Positionen". Ströbele selbst machte aus seinen Überzeugungen kein Hehl: "Die Revolution, die ich wollte, haben wir leider nicht erreicht. Wir wollten die Räterepublik, nicht eine Demokratie, in der die Bürger nur alle vier Jahre gefragt werden."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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