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Weniger Asylanträge Gute Konjunktur zieht Arbeitsmigranten an

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Mehr als 230.000 Rumänen kamen 2017 nach Deutschland, rund fünf Prozent mehr als 2017. Viele sind qualifizierte Fachkräfte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland ist weiterhin ein beliebtes Land für ausländische Fachkräfte. Oft sind sie sogar überqualifiziert für die Jobs, in denen sie landen. Vor allem aus Rumänien kommen Arbeiter. Zurück geht hingegen die Zahl der Asylsuchenden, die in der Bundesrepublik Schutz suchen.

Die Migration in Industriestaaten hat sich im vergangenen Jahr verändert. So ist die Zahl der Arbeitsmigranten in den OECD-Ländern gestiegen, während die Zahl der Asylanträge stark zurückging. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In Deutschland sind demnach im Jahr 2018 deutlich weniger Asylanträge gestellt worden als im Vorjahr. Die Zahl der Erstanträge ging um 18,3 Prozent auf 162.000 Anträge zurück, wie die OECD mitteilte.

In allen 36 Mitgliedstaaten der OECD wurden im vergangenen Jahr 1,07 Millionen Erstanträge gestellt, das waren 35 Prozent weniger als in den Rekordjahren 2015 und 2016, als es je 1,65 Millionen Erstanträge waren. In der EU sei die Zahl der Erstanträge 2018 auf das Niveau von 2014 zurückgegangen. Die EU-Kommission hatte am Dienstag jedoch von einem deutlichen Anstieg im Juli dieses Jahres berichtet.

Auch wenn die Flüchtlingszuwanderung nach Deutschland deutlich abgenommen habe, kämen immer mehr Menschen nach Deutschland, um hier zu arbeiten, sagte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Ihre Chancen, einen Job zu finden, sind laut der Studie besser denn je. "Bei der Beschäftigungsquote hat Deutschland mit 70 Prozent Ende 2018 einen historischen Höchststand erreicht", sagte Liebig. Die Qualität der Jobs sei allerdings bescheiden, viele Zuwanderer würden schlecht bezahlt und seien überqualifiziert. Die Zahl der Zuwanderer, die für ihre Tätigkeit überqualifiziert seien, sei gestiegen.

Als Zuwanderer gelten laut OECD im Ausland geborene Menschen, auch wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Flüchtlinge werden berücksichtigt, wenn sie einen Schutzstatus erhalten haben. Im internationalen Vergleich ist Deutschland weiter ein Zuwanderungsmagnet. Laut dem Migrationsausblick der OECD kamen 2017 rund 860.000 dauerhafte Zuwanderer. Die Zahl sei zwar das zweite Mal in Folge gesunken, vor allem durch die geringere Flüchtlingszahl. Aber von den OECD-Ländern verzeichneten nur die USA noch mehr.

Auch viele Polen temporäre Migranten

Menschen aus Rumänien haben zuletzt die größte Einwanderergruppe in Deutschland ausgemacht. Mehr als 230.000 Rumänen kamen 2017 nach Deutschland. Das ist ein Zuwachs von rund fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Syrien rutschte demnach auf Platz vier der häufigsten Herkunftsländer. Bei der zeitweisen Zuwanderung stieg Polen auf die Spitzenposition. 2017 habe Polen rund 1,1 Millionen temporäre Migranten verzeichnet. Darunter sind auch viele Ukrainer als Saisonarbeitskräfte.

"Dieser klare Anstieg bei der temporären Arbeitsmigration ist ein deutliches Zeichen für die Dynamik und Integration auf den OECD-Arbeitsmärkten", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. "Temporäre Arbeitsmigranten bringen von Arbeitgebern dringend nachgefragte Qualifikation mit."

Viele Zuwanderer aus Rumänien oder Polen seien qualifizierte Fachkräfte, sagte Liebig: "Wir sehen steigende Zahlen bei der Arbeitsmigration aus dem Westbalkan. Sie ersetzt zunehmend die Migration aus mittel- und osteuropäischen Ländern", fügte er hinzu. Polen entwickele sich allerdings zunehmend selbst zum Empfangsland für Arbeitskräfte.

Insgesamt lobte Liebig die jüngsten deutschen Gesetze zur Steuerung von Migration. Richtig sei der angepeilte Vierklang aus einer relativ großzügigen humanitären Politik, neuen Wegen für die Arbeitsmigration, erleichterte Rückkehr von abgelehnten Asylbewerbern und die Integration von denen, die in Deutschland bleiben. Das sogenannte Fachkräfte-Einwanderungsgesetz bewertete er jedoch kritisch. Es sei hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben und werde "nur sehr beschränkt eine Wirkung entfalten". Denn Deutschland bestehe auf die Anerkennung von Berufsabschlüssen, was im internationalen Bereich unüblich sei. Aus Sicht der OECD wäre es besser gewesen, nicht so stark auf formal anerkannte Qualifikationen zu schauen, sondern eher, ob die potenziellen Zuwanderer Sprachkenntnisse haben.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/rts/AFP/DJ

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