"Interessiert an Kompromat?"Hacker verschaffte sich Zugang zu Epstein-Akten des FBI

Der Skandal um Sexualstraftäter Epstein und sein internationales Netzwerk bekommt eine weitere Wendung. Ein Hacker brach in FBI-Systeme ein und hatte Zugang zu Ermittlungsakten. Ein Experte sieht gigantisches Erpressungspotenzial.
Es hört nicht auf - immer mehr Details über Jeffrey Epstein gelangen ans Licht. Laut Dokumenten aus dem US-Justizministerium verschaffte sich im Jahr 2023 ein mutmaßlich ausländischer Hacker einen Zugang zum FBI-Standort in New York und griff auf die Epstein-Akten zu. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Laut FBI handelte es sich um einen "einzelnen Cyber-Vorfall". Die Kriminalpolizei, die auch als Inlandsgeheimdienst agiert, habe "den Zugriff eingeschränkt und das Netzwerk wiederhergestellt", teilte es mit. Die Ermittlungen dauerten an.
Es ist unklar, wer der Eindringling war. Laut einer mit den Vorgängen vertrauten Person sei es anscheinend ein Cyber-Krimineller gewesen, keine ausländische Regierung. Doch das muss nicht viel heißen - denn hätte er die umfangreichen Daten kopiert, wären sie in der Welt. Akten mit potenziell ungeschwärzten Namen von Epsteins weitreichendem internationalem Netzwerk voller prominenter Personen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, in dem der New Yorker sich bewegte.
Der Vorfall öffnet Tür und Tor für Spekulationen um mögliche Erpressung hinter den Kulissen. Um Epstein und seine Bekannten, darunter auch US-Präsident Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und zahlreiche andere einflussreiche Personen, ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Das Thema ist so zentral in der US-Debatte, dass die Hälfte der Wähler den derzeitigen Iran-Krieg auch als Ablenkungsmanöver vom Epstein-Skandal ansieht. Eine der Verschwörungstheorien lautet, der KGB habe Trump bei dessen Besuch in Moskau im Jahr 1987 abgehört und Russlands Präsident Wladimir Putin ihn deshalb in der Hand. Belege dafür sind nicht bekannt.
"Schaden für meine Freunde"
Gegen die Veröffentlichung der Epstein-Akten habe Trump sich aus Angst vor "Schaden für meine Freunde", wie er zu seiner früher mit ihm verbündeten, republikanischen Abgeordnete Marjorie Taylor Greene deren Angaben zufolge sagte, vehement gewehrt. Greene sowie weitere Republikaner im Kongress rebellierten gegen den Präsidenten und drückten die weitreichenden Veröffentlichungen trotzdem durch. Viele Dokumente redigierte das Justizministerium stark, andere hält es trotz des Gesetzes, das ihre vollständige Veröffentlichung vorschreibt, gänzlich unter Verschluss. Die Regierung begründet dies mit Opferschutz und laufenden Ermittlungen.
Es ist nicht klar, was der Hacker mit den Daten getan hat, auf die er Zugriff hatte, ein Server mit digitalen Beweismitteln für Kindesmissbrauch. Die Risiken waren und sind immens. "Wer würde sich nicht für die Epstein-Akten interessieren, wenn man Russe ist oder jemand, der an Kompromat interessiert ist?", sagte etwa Jon Lindsay, der am Georgia Institute of Technology über Globale Sicherheit forscht, zu Reuters: "Wenn ausländische Geheimdienste die Epstein-Akten nicht ernsthaft als Ziel in Betracht ziehen, wäre ich schockiert."
Gegen einen FBI-Mitarbeiter namens Aaron Spivack wurde als möglicher Verantwortlicher ermittelt. Spivack hatte die Daten bei seiner Arbeit ungeschützt gelassen, der Einbruch ins System geschah laut ihm am 12. Februar 2023. Am Tag danach habe er den Zugriff entdeckt. Laut den Server-Protokollen hat der Hacker "bestimmte Daten durchforstet, die zu den Epstein-Ermittlungen gehören". Es ist unklar, ob der Eindringling so Zugriff auf Informationen hatte, die vom Justizministerium bereits veröffentlicht worden sind, oder weiterhin von der US-Regierung als geheim eingestuft werden.
Es ist auch unbekannt, was die interne Ermittlung zu Spivacks Rolle im Vorfall ergab. Der FBI-Mitarbeiter selbst sagte dazu, er werde zum "Sündenbock für das Eindringen gemacht"; die Schuld liege in widersprüchlichen Regeln und Anweisungen. Die Person, auf deren Angaben sich der Bericht von Reuters neben offiziellen Dokumenten bezieht, sagte, es sei ein ausländischer Hacker gewesen, dem womöglich gar nicht klar war, dass er auf einen Server des FBI eingedrungen war. Die Nationalität, sein Standort zum Zeitpunkt des Einbruchs, was er mit den Daten getan hat, ist demnach unklar.
Der Einbrecher habe in einer hinterlassenen Nachricht seine Abscheu über die Fotos von Kindesmissbrauch geäußert und damit gedroht, den Besitzer bei eben jenem FBI anzuzeigen. Die Ermittler hätten den Hacker daraufhin überzeugt, dass er bereits mit der Behörde spreche. Sie zeigten ihm sogar per Videochat ihre Dienstausweise.