Politik

Nach dem Lob kommen die Fragen Hat Trump einen Syrien-Plan?

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Einen Tag nach dem Angriff in Syrien golfte Donald Trump in seinem Ressort in Florida.

(Foto: dpa)

Das Lob sei geflossen wie Champagner auf einer Hochzeit, kommentierte eine Zeitung die Reaktionen auf den US-Angriff in Syrien. Dabei ist unklar, wie es weitergeht. War die Entscheidung geplant oder spontan? Der Präsident schweigt - und geht golfen.

Der Kontrast war krass. Bevor Präsident Donald Trump seinen Befehl zu einem US-Militärschlag in Syrien gab, hatten die meisten Medien fast nichts Gutes über seine Regierungsführung zu sagen. Während die Römer die Menschen mit Brot und Zirkus glücklich gehalten hätten, "haben wir bisher nur den Zirkus erhalten", schrieb beispielsweise Fareed Zakaria vom Sender CNN noch kürzlich.

Nach dem Abfeuern der Tomahawks als Vergeltung für Baschar al-Assads mutmaßlichen Giftgasangriff kamen andere Töne: "Ich denke, Donald Trump ist letzte Nacht Präsident der Vereinigten Staaten geworden", meinte Zakaria. Auch von anderen Medien "floss Lob wie Champagner bei einer Hochzeit", hieß es in einer Kolumne in der "Washington Post". Und alles, was er dafür habe tun müssen, "war, einen Krieg anzufangen", zitierte das Blatt einen Washingtoner Podcaster.

Aber warum ein Militärschlag zumindest kurzzeitig einen solchen Umschwung bewirkt, ist nur einer von mehreren Aspekten, der zum Nachdenken lohnt. Nach den schrecklichen Bildern von Kindern nach einem Giftgasangriff in Syrien sei es schwer, keine "emotionale Befriedigung" über den Raketenangriff zu verspüren, kommentierte etwa die "New York Times". Aber es sei auch schwierig, sich nicht über die vielen Fragen zu beunruhigen, die Trumps Aktion aufwerfe.

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In New York protestierten bereits am Freitag Menschen gegen eine Eskalation des Krieges in Syrien.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Darunter die folgende: War es eine emotionale, spontane, isolierte Aktion ohne eine breitere Strategie, das komplexe Dilemma in Syrien zu lösen? Mit anderen Worten: Wie geht es mit dem Trumpschen Syrien-Kurs weiter? Wenn es denn einen solchen gibt. Trump hatte noch 2013 Präsident Barack Obama in getwitterten Großbuchstaben vor einer Intervention in Syrien als Vergeltung für einen Giftgasangriff mit mehr als 1000 Toten gewarnt: "Wir sollten uns, zum Teufel noch mal, aus Syrien raushalten (...) WAS WERDEN WIR FÜR UNSERE LEBEN UND MILLIARDEN DOLLAR BEKOMMEN? NULL", twitterte Trump damals. Oder: "Wenn Obama Syrien angreift und unschuldige Zivilisten verletzt oder getötet werden, lässt das ihn und die USA sehr schlecht aussehen."

Weder im Wahlkampf noch danach hat Trump Syrien an sich eine Priorität eingeräumt: Diese gilt erklärtermaßen dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat - nicht einer wie auch immer gearteten Lösung des Syrien-Konflikts, nicht einer Vertreibung Assads von der Macht.

Bilder sollen für sich sprechen

Bisher hat niemand in der Trump-Regierung auch nur vage definiert, wie das "Endgame", das Endspiel, in Syrien aussehen könnte. Erst vor wenigen Tagen hat Außenminister Rex Tillerson erklärt, das syrische Volk werde Assads Schicksal entscheiden. UN-Botschafterin Nikki Haley sagte, Assads Entfernung von der Macht habe keine Priorität mehr, Trumps Sprecher Sean Spicer legte nach: Es sei nötig, die "politische Realität" auf dem Boden zu akzeptieren.

Und dann warnte Tillerson nach dem Militärschlag, nicht zu viel in diese Aktion hineinzulesen. "Das hier zeigt klar, dass der Präsident bereit ist, entschlossen zu handeln, wenn es angebracht ist. Ich würde in keiner Weise versuchen, das als einen Wandel unserer Politik oder Position zu extrapolieren (hochzurechnen). Es hat keinen Wandel gegeben." Was er damit meinte, blieb rätselhaft, Spicer beendete die Pressekonferenz, bevor Journalisten nachhaken konnten.

Zuvor hatte Spicer auch ein angekündigtes Medienbriefing zur US-Aktion abgesagt, vermutlich, so argwöhnten einige der wenigen offenen Kritiker des Militärschlages, um Bilder für sich sprechen zu lassen: Von einem Präsidenten, dessen Gesicht und Stimme offenbar tiefe menschliche Betroffenheit und Entrüstung über den qualvollen Giftgastod von Kindern widerspiegelten. Von Explosionen, Rauch und Trümmern auf dem beschossenen syrischen Stützpunkt, die doch zeigten, wie stark und entschlossen dieser Präsident ist, kein Weichei wie sein Vorgänger Obama, der 2013 nicht gehandelt hatte.

Instinkt und Emotionen

Aber das hat mit Strategie nichts zu tun. Bisher deutet eher alles darauf hin, dass Trump aus Instinkt und wohl auch Emotionen gehandelt hat - und nicht auf der Basis eines Konzepts, das über die Nacht der Operation hinausreicht. "Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass Herr Trump die Implikationen der Anwendung militärischer Gewalt durchdacht oder eine Vorstellung davon hat, wie es weitergehen soll", kommentierte die "New York Times".

"Die Raketen abzufeuern, war der einfache Teil. Das große Problem ist, was als nächstes kommt", meint auch Greg Jaffe von der "Washington Post" mit dem Hinweis darauf, dass Optionen für einen Militärschlag schließlich schon seit 2013 fix und fertig in der Schublade im Pentagon gelegen hätten.

Damals hatte Trump Obama auch noch eindringlich davor gewarnt, ohne Zustimmung des Kongresses zu handeln. Er selber hatte aber jetzt keine Probleme damit, am Kapitol vorbei zu handeln - ein Vorgehen, das seine Abkehr von seiner isolationistischen "America First"-Doktrin Donnerstagabend noch "atemberaubender" mache, schrieb etwa die "Los Angeles Times". "Amerika zuerst" heißt so viel wie den eigenen Interessen absoluten Vorrang einzuräumen und sich in der Außenpolitik auf bestimmte Regionen zu beschränken und deshalb in manche Krisenherde militärisch nicht einzugreifen.

Trumps Kehrtwende, so meinen manche, unterstreicht vor allem eines: Dass dieser Präsident unberechenbar ist - vielleicht eine Abschreckung für Terroristen oder feindliche Regierungen, aber auch nicht gerade beruhigend für das eigene Land. Am Samstag ging Trump in Florida golfen - in dem ungewohnten Wissen, dass er diesmal nicht nur bei Die-Hard-Fans gepunktet hat. Aber die ersten Medien stellen schon die Frage: Was nun? Und wie es Trump denn jetzt mit seinem - vorerst gerichtlich blockierten - befristeten Einreisestopp für syrische Flüchtlinge halten will, darunter Mütter und Kinder? Dazu kam aus dem Weißen Haus bisher nur Gestottere.

Quelle: n-tv.de, Gabriele Chwallek, dpa

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