Pentagon übernimmt KontrolleHegseth will "woke Ablenkungen" bei Militär-Zeitung ausmerzen

Seit seinem Amtsantritt will Pentagon-Chef Hegseth sein Ministerium radikal auf eine neue politische Linie einschwören. Angeblich "woke" Themen sollen daher auch keinen Platz mehr in der Zeitung des US-Militärs finden. Stattdessen hat er andere Pläne für die Publikation.
Das US-Verteidigungsministerium hat angekündigt, die redaktionelle Kontrolle über die bisher unabhängige Militär-Zeitung "Stars and Stripes" zu übernehmen. "Das Kriegsministerium bringt 'Stars & Stripes' zu seiner ursprünglichen Aufgabe zurück: der Berichterstattung für unsere Krieger", erklärte Pentagon-Sprecher Sean Parnell auf X. "Wir werden den Betrieb modernisieren, den Inhalt neu ausrichten, weg von woken Ablenkungen, die die Moral untergraben, und ihn an die Bedürfnisse einer neuen Generation von Soldaten anpassen."
Verteidigungsminister Pete Hegseth teilte den Beitrag seines Sprechers. Hegseth führt bereits seit Amtsantritt eine Kampagne gegen angebliche woke Praktiken im US-Militär.
Parnell erklärte, dass sich die Zeitung fortan auf "Kriegsführung, Waffensysteme, Fitness, Tödlichkeit, Überlebensfähigkeit und ALLES MILITÄRISCHE" konzentrieren wird. Es werde keine "Klatschspalten aus Washington" und keine Berichte der Associated Press mehr geben. Die Trump-Administration hatte in der Vergangenheit immer wieder versucht, die Arbeit der Nachrichtenagentur aufgrund kritischer Berichte einzuschränken.
Die Zeitung selbst betrachtet den Einwurf des Pentagons als Angriff auf ihre redaktionelle Unabhängigkeit. "Die Menschen, die ihr Leben für die Verteidigung der Verfassung riskieren, haben sich das Recht auf Pressefreiheit gemäß dem ersten Verfassungszusatz verdient", schrieb Chefredakteur Erik Slavin in einer Mail an seine Mitarbeiter weltweit. "Wir werden keine Kompromisse eingehen, wenn es darum geht, ihnen mit einer genauen und ausgewogenen Berichterstattung zu dienen und Offizielle im Militär zur Rechenschaft zu ziehen, wenn dies erforderlich ist."
Das Pentagon plant offenbar, dass künftig alle Inhalte von "Stars and Stripes" von aktiven Militärangehörigen erstellt werden sollen, wie The Daily Wire unter Berufung auf nicht namentlich genannte Pentagon-Beamte berichtet. Etwa 50 Prozent der Inhalte auf der Website sollen demnach fortan "aus Materialien des Kriegsministeriums bestehen, darunter digitale oder gedruckte Materialien, die von Autoren des Kriegsministeriums erstellt wurden, sowie Bilder, die von Kameras während Gefechten aufgenommen wurden", heißt es in dem Bericht.
Bewerber werden zu Trump befragt
Erst am Mittwoch hatte die "Washington Post" berichtet, dass Bewerber für Stellen bei "Stars and Stripes" gefragt wurden, wie sie die Politik von Präsident Donald Trump unterstützen würden. Der Fragebogen erscheint auf dem Portal USAJobs, der offiziellen Website für die Einstellung von Bundesbeamten.
"Stars and Stripes" ist seit einem Beschluss des Kongresses in den 1990er Jahren redaktionell unabhängig von den Beamten des Verteidigungsministeriums. In seinem Leitbild erklärt das Medium, dass es "den Grundsätzen des ersten Verfassungszusatzes unterliegt". Der erste Verfassungszusatz umfasst unter anderem die Meinungs- und Pressefreiheit.
Die Hälfte des Budgets stammt nach eigenen Angaben aber aus den Töpfen des Verteidigungsministeriums. Darüber hinaus finanziert sich die Publikation über Werbung und Abos. Die Zeitung selbst erschien erstmals während des amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert.